Jose Horacio Gomez, Erzbischof von Los Angeles, am 22. Oktober 2015 im Vatikan.
"Eine Sünde, die zum Himmel schreit nach Gerechtigkeit"

Nach Tod von George Floyd: US-Erzbischof Gomez verurteilt Rassismus

Nach dem Tod von George Floyd bei einem Polizeieinsatz in den USA gibt es weltweit Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt. Auch der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz hat sich dazu geäußert – und findet deutliche Worte.

Washington - 01.06.2020

Der Vorsitzende der US-amerikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof José Gomes, hat den Tod eines Schwarzen bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis scharf verurteilt und sich hinter die landesweiten Proteste gestellt. "Die Ermordung von George Floyd war sinnlos und brutal, eine Sünde, die zum Himmel schreit nach Gerechtigkeit", sagt der Erzbischof von Los Angeles am Sonntag in einer Stellungsnahme auf der Internetseite der Bischofskonferenz. "Wie ist es möglich, dass in Amerika einem schwarzen Mann das Leben genommen werden kann, während Hilferufe nicht beantwortet werden und seine Tötung aufgezeichnet wird, während sie geschieht?"

Er bete für George Floyd und seine Angehörigen und teile im Namen seiner Mitbischöfe die Empörung der "schwarzen Gemeinschaft" und ihrer Unterstützer. "Wir alle sollten verstehen, dass die Proteste, die wir in unseren Städten erleben, die berechtigte Frustration und Wut von Millionen unserer Brüder und Schwestern widerspiegeln, die auch heute noch Erniedrigung, Demütigung und ungleiche Chancen nur wegen ihrer Rasse oder Hautfarbe erleben", so Gomez. "So sollte es in Amerika nicht sein. Rassismus wird in unserer Lebensweise schon viel zu lange toleriert."

Es stimme, was Martin Luther King gesagt habe, dass Aufstände die Sprache der Unerhörten seien. "Wir sollten jetzt viel zuhören. Diesmal sollten wir nicht versäumen zu hören, was die Menschen durch ihren Schmerz sagen. Wir müssen endlich die Rassenungerechtigkeit beseitigen, die immer noch zu viele Bereiche der amerikanischen Gesellschaft infiziert."

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Gleichzeitig rief der Erzbischof dazu auf, bei den Protesten auf Gewalt zu verzichten. "Legitime Proteste sollten nicht von Personen ausgenutzt werden, die andere Werte und Ziele verfolgen", sagte Gomez Gemeinden niederzubrennen und zu plündern, die Lebensgrundlagen unserer Nachbarn zu ruinieren, bringt die Sache der Rassengleichheit und der Menschenwürde nicht voran."

Erzbischof José Gomez ist der erste Lateinamerikaner an der Spitze der katholischen US-Bischofskonferenz und hat sich bereits mehrfach deutlich gegen Rassismus und Diskriminierung geäußert. Bereits am Freitag hatten sieben katholische Bischöfe im Namen der US-Bischofskonferenz in einer gemeinsamen Erklärung die tödliche Polizeigewalt gegen Floyd verurteilt und zum gesellschaftlichen Kampf gegen Rassismus aufgerufen. Dieser müsse aber friedlich bleiben, betonten die Bischöfe. Auch zahlreiche andere Religionsvertreter sprachen sich nach der Tat öffentlich gegen Polizeigewalt und Rassismus aus.

Der 46-jährige Schwarze George Floyd war am Montag vergangener Woche nach einem Polizeieinsatz in Minneapolis gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihm minutenlang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte. Von dem Vorfall existiert ein Videomitschnitt. Der Beamte wurde inzwischen unter Mordverdacht festgenommen. In rund 30 US-Städten kam es seit dem Vorfall zu anhaltenden, teils gewalttätigen Protesten. (cbr/KNA)