Overbeck: Pfarrer sollen in Gemeindeleitung weiterhin den Hut aufhaben
Bischof von Essen kann sich jedoch geteilte Verantwortung vorstellen

Overbeck: Pfarrer sollen in Gemeindeleitung weiterhin den Hut aufhaben

Essens Bischof Franz-Josef Overbeck findet, dass Pfarrer aufgrund ihrer Weihe weiterhin Pfarreien leiten sollten. ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel gibt zu bedenken, dass dadurch bestimmte Menschen von vornherein ausgeschlossen seien.

Düsseldorf - 08.07.2020

Essens Bischof Franz-Josef Overbeck lehnt eine alleinige Gemeindeleitung durch Laien ab. "Ich bin schon der Überzeugung, dass der Pfarrer aufgrund seiner Weihe, die ihn sendet, deutlich derjenige ist, der die Pfarrei leitet", sagte er am Dienstagabend während einer Online-Veranstaltung des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) aus Düsseldorf. Er könne sich Modelle geteilter Verantwortung in Gemeinden vorstellen, zum Beispiel wenn es um Verwaltungsfragen gehe. Jedoch müsse einer am Ende den Hut aufhaben. "Und den hat der Pfarrer auf."

Die Veranstaltung war Teil einer BDKJ-Reihe zum Reformdialog Synodaler Weg, auf dem Overbeck gemeinsam mit der Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Claudia Lücking-Michel, dem Forum "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche" vorsitzt. Lücking-Michel stimmte zu, dass laut katholischer Tradition ein Pfarrer eine Gemeinde leite. "Aber dann müssen wir genau darüber diskutieren, welche Gruppen aus unserer Kirche Zugang zu diesem Amt haben." Frauen etwa seien von vorneherein ausgeschlossen, "nicht aufgrund von persönlicher Qualifikation, Charismen, Berufung und Spiritualität, sondern allein weil sie Frauen sind".

Nach intensivem Ringen hatten die deutschen Bischöfe im Frühjahr 2019 einen verbindlichen Synodalen Weg beschlossen. Dabei soll es vor allem um die Themen Macht, Sexualmoral, Lebensform der Priester und die Rolle von Frauen in der Kirche gehen. Vor Beginn der ersten Synodalversammlung Ende Januar hatten einige Bischöfe Kritik an dem Format geäußert.

Das Kirchenrecht sieht die Möglichkeit vor, dass Einzelpersonen oder eine Gemeinschaft von Personen ohne Weihe Leitungsaufgaben in einer Kirchengemeinde wahrnehmen können, wobei gleichzeitig ein "moderierender" Priester mit den Rechten und Pflichten eines Pfarrers bestimmt wird. (mpl/KNA)