Ein Tisch mit einem Blatt und einem Stift in einer Kirche
Bischof Tebartz-van Elst nimmt "Frankfurter Appell" entgegen

"Kein Anti-Brief"

Bistum Limburg - Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat am Freitag seine Kritiker getroffen und den sogenannten "Frankfurter Appell" entgegengenommen. Das Schreiben wurde ihm von Mitgliedern der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken übergeben. In dem offenen Brief, den etwa 4.500 Katholiken unterschrieben, kritisieren diese den Bischof scharf und fordern eine Änderung seines Führungsstils.

Limburg - 06.09.2013

Der Text war erstmals am vorvergangenen Sonntag in einem Gottesdienst im Frankfurter Dom verlesen worden. Darin heißt es, die Bistumsleitung müsse umgehend einen anderen Weg einschlagen, "will sie die katholische Kirche in unserem Bistum und darüber hinaus glaubhaft und glaubwürdig vertreten".

Offenes und konstruktives Gespräch

Bei der Übergabe des Papiers erklärten die Unterzeichner, das Papier solle kein "Anti-Brief" sein. Man wünsche sich, gemeinsam die Zukunft im Bistum zu gestalten. "Ich denke, es ist ein guter Anfang", sagte Christoph Hefter, der Vorsitzende der Frankfurter Stadtversammlung, nach der Begegnung. Wenn es zu Veränderungen im Bistum führe, sei es ein sehr wertvolles Gespräch gewesen.

Der aufwendige Neubau des Bischofshauses auf dem Areal der alten Vikarie gegenüber dem Limburger Dom sorgt bis heute für Diskussionen in den Medien.

Die Übersichtsaufnahme vom 03.12.2012 zeigt den Dom (r), das alte Vikarienhaus (M) und den Neubau der Kapelle am Bischofshaus (l, schwarzer Giebel) in der Altstadt von Limburg (Hessen).

Tebartz-van Elst betonte, man habe das gleiche Ziel. Er hob hervor, Aufgabe eines Bischofs sei es nicht zu spalten, sondern Einheit zu stiften. Er unterstrich, Kommunikation sei ihm wichtig. Ausdrücklich bat er während des Treffens darum, Fragen zu stellen und Kritik zu äußern. Auch sein Sprecher nannte das Gespräch "offen" und "konstruktiv". Kritische Punkte seien angesprochen worden.

Besichtigung des neuen Bischofshauses

Stein des Anstoßes war neben der Amtsführung Tebartz-van Elsts unter anderem das neue Limburger Bischofshaus gewesen, das fast dreimal so viel kostete wie geplant. Es wurde gemutmaßt, dies könne auch an einer prunkvollen Einrichtung liegen, die der Bischof angeschafft habe. Am Donnerstag hatten nun rund 200 Interessierte die Gelegenheit zu Führungen durch das Zentrum und zu persönlichen Begegnungen mit Tebartz-van Elst genutzt. Anschließend berichteten mehrere, ihrer Ansicht nach könne von einem "protzigen Bischofssitz" nicht die Rede sein.

Am vergangenen Samstag hatte Franz-Peter Tebartz-van Elst in einem Schreiben an alle Katholiken seines Bistums um Vertrauen gebeten und zugleich Fehler eingeräumt . Rückblickend gebe es Dinge, so der Bischof, "die ich anders angehen würde". (gho/KNA/dpa)