Erzbischof soll Anzeige wegen Misshandlung nicht weitergeleitet haben

Anglikanische Kirche ermittelt gegen Primas Welby

Aktualisiert am 28.07.2020  –  Lesedauer: 
Der frühere Öl-Manager und Finanzexperte von Elf Aquitaine, Justin Welby, ist Erzbischof von Canterbury und damit Primas der anglikanischen Staatskirche von England.
Bild: © KNA

London ‐ Als Erzbischof von Canterbury steht Justin Welby der Anglikanischen Kirche vor. Doch kirchliche Behörden ermitteln nun gegen den Primas von England: Ihm wird vorgeworfen, eine Anzeige von Misshandlungen nicht ordnungsgemäß weitergeleitet zu haben.

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Wegen seines Umgangs mit einer Anzeige von Misshandlung an Jugendlichen hat die Anglikanische Kirche ein Ermittlungsverfahren gegen ihren Primas Justin Welby eingeleitet. Wie der britische Fernsehsender "Channel 4" am Montag berichtete, werde dem Erzbischof von Canterbury vorgeworfen, die Anschuldigungen gegen einen Verdächtigen nicht direkt an die zuständigen Behörden und die Polizei weitergeleitet zu haben. Damit habe er gegen kirchliche Leitlinien verstoßen.

Es handelt sich dabei um Fälle aus den 70er- und 80er-Jahren, bei denen in einem christlichen Zeltlager Jugendliche mit Schlägen misshandelt wurden. Bei dem Täter soll es sich um einen Rechtsanwalt gehandelt haben, der für das Fundraising der Ferienfreizeit zuständig gewesen war. Der 2018 verstorbene Mann soll mit Welby befreundet gewesen sein. Im vergangenen Monat hatte sich eines der Opfer der Misshandlungen an die Anglikanische Kirche gewandt und damit die Ermittlung ins Rollen gebracht.

Welby wies die Vorwürfe zurück und gab an, erst 2013 von den Anschuldigungen erfahren zu haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sein Amt als Erzbischof von Canterbury angetreten. Daraufhin habe er sie ordnungsgemäß an die Behörden weitergeleitet. Als Erzbischof von Canterbury ist Welby der ranghöchste Geistliche der "Church of England". (rom)