Der Schatten eines Kreuzes
Erste Anzeige gegen Beschuldigten ist bereits gestellt

Bistum Münster: Zweite Person wirft Priester sexuelle Übergriffe vor

In der vergangenen Woche sind Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe gegen einen ehemaligen leitenden Pfarrer im Bistum Münster bekannt geworden. Ein Priester hatte seinen Vorgesetzen angezeigt. Jetzt hat sich ein zweiter Betroffener gemeldet.

Münster - 14.08.2020

Nach der Strafanzeige wegen sexueller Übergriffe gegen einen früheren leitenden Priester im Bistum Münster hat sich eine weitere Person mit Vorwürfen gegen ihn gemeldet. Die betroffene Person habe sich an die Diözese gewandt und beabsichtige, sich anwaltlich beraten zu lassen, teilte das Bistum am Donnerstag mit. Bei einem Treffen von Kirchenvorstand, Pfarreirat und Mitarbeitern der Pfarrei im Kreis Steinfurt habe der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, Peter Frings, am Mittwoch die Chronologie des Falls vorgestellt. Die Bistumsleitung hat sich demnach zunächst kontinuierlich um den ersten mutmaßlichen Betroffenen, einen Priester, gekümmert. Dieser hatte sich Ende 2018 beim Bistum gemeldet und Mitte Juli dieses Jahres Strafanzeige gegen den leitenden Pfarrer gestellt.  

Das Bistum habe bereits nach Bekanntwerden der Vorwürfe mit dem Beschuldigten gesprochen. Das Gespräch sei aber ergebnislos verlaufen, sagte der Missbrauchsbeauftragte Frings am Freitag in einem Interview mit dem Münsteraner Portal "kirche-und-leben.de"Es sei nicht klar gewesen, was genau vorgefallen sei. "Auch wenn wir den Betroffenen ihre Aussagen glauben, bedeutet das eben nicht, dass man auf dieser Basis sofort alle denkbaren Schritte einleiten kann – zum Beispiel den Beschuldigten umgehend aus dem Dienst zu entfernen", so Frings. Auch ein Beschuldigter habe staatliche garantierte Rechte. Gerade deshalb lege man Wert darauf, dass Anzeige erstattet werde.

Bistum erstattet nicht selbst Anzeige

Das Bistum erstatte in solchen Fällen nicht selbst Anzeige, denn "dann täten wir dies unter Umständen gegen den ausdrücklichen Willen der Betroffenen und diese würden dadurch – aus meiner Sicht – erneut Betroffener werden; denn nicht sie entschieden dann, sondern wieder einmal ein anderer", so der Jurist. "Betroffene haben uns gegenüber auch deutlich gesagt, dass sie nicht wollen, dass das Bistum ohne oder sogar gegen ihren Willen solche Schritte unternimmt." Diese Rückmeldung nehme man ernst.  

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass ein Priester im Kreis Steinfurt seinen früheren Vorgesetzten wegen sexueller Übergriffe angezeigt hat. Das Bistum hatte über den Fall informiert, ohne nähere Angaben über die konkreten Vorwürfe zu machen. Der Beschuldigte ist laut Bistum derzeit auf eigenem Wunsch und nicht im Zusammenhang mit der Strafanzeige beurlaubt. Inzwischen habe sich auch sein Anwalt beim Bistum gemeldet.  

Der betroffene Priester, der seinen Mitbruder angezeigt hat, hatte dem Bistum vorgeworfen, auf seine offiziellen Aussagen über den leitenden Geistlichen nicht reagiert zu haben. Deshalb habe er "nach langem Ringen" selbst Anzeige erstattet, schrieb er laut Medienberichten in einem Brief an die Leitungsgremien in seiner jetzigen Gemeinde und der Gemeinde im Kreis Steinfurt, in der er zwei Jahre lang tätig war. (cbr)