Leerer Hörsaal in einer Universität
Kolumne: Mein Religionsunterricht

Der Weg zur Theologie-Professur ist hart – gerade für Religionslehrer

Wie können mehr angehende Religionslehrer für eine Laufbahn an der Uni begeistert werden? Gerade in Zeiten, in denen immer weniger junge Menschen das Fach überhaupt studieren, gar nicht so einfach, findet Carina Caruso.

Von Carina Caruso |  Bonn/Trier - 14.08.2020

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Angehende Religionslehrkräfte im Studium verstehen sich in erster Linie als Pädagogen, also als Menschen, die sich mit Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen professionell beschäftigen. Nicht als Theologen. Mit Schülern über existenzielle Themen, über Erfahrungen und Wahrheiten sprechen und kontrovers diskutieren, all das scheint die Berufsmotivation zu kräftigen. Das ist plausibel, auch wenn Lehrkräfte neben ihrer pädagogischen Expertise auch Experten in einem Fach sein sollten, fachwissenschaftlich und fachdidaktisch ausgebildet sind.

Es braucht Fachwissen und fachdidaktisches Wissen

"Warum sich mit Trinität und einzelnen Denkfiguren zum innertrinitarischen Logos beschäftigen?", "Die biblische Exegese zu Kain und Abel nervt", ebenso die didaktischen Theorien, die mehr Theorie als Praxis sind – wie ich neulich bei offener Bürotür hörte. Spätestens im Schulpraktikum merken die Studierenden aber, dass Schule und Unterricht Fachwissen und fachdidaktisches Wissen brauchen: Mit Kindern und Jugendlichen der Gottesfrage auf der Spur zu sein, biblische Texte auszulegen und vor dem Hintergrund ihres Entstehungskontextes zu lesen und zu deuten, braucht Wissen der Teildisziplinen der Theologie. Wie kann man Gott und Gottes Handeln denken? Was ist Exegese und was sind Schritte exegetischer Auslegung? Dieses Wissen markiert den Ausgangspunkt dafür, pädagogisch-didaktische Planungen vorzunehmen. Soweit, so plausibel.

Wo wird dieses Wissen grundgelegt? Zum Beispiel im Studium. Nach dem Studium beginnen die Studierenden die Zeit als Lehramtsanwärter. Manchmal können sie es nach dem Praktikum gar nicht erwarten. Eine akademische Laufbahn streben unter den Lehramtsstudierenden nur wenige an: zu sehr lockt eine sichere Zukunft als (verbeamtete) Lehrkraft. Verständlich, eine Uni-Berufsbiographie ist nicht planbar, die Qualifikationsphase erstreckt sich auf Jahre mit ungewissen Beschäftigungskonditionen und befristeten Arbeitsverträgen und in Bezug auf Wohn- und Arbeitsort ist zudem absolute Flexibilität gefragt. Gleichwohl ist es eine Zeit, in der man sich qualifizieren, (eigenen) Fragen nachgehen und sehr interessante Erkenntnisse und Kontakte gewinnen darf – bezahlt wird man dafür auch (noch). Zudem bietet eine Tätigkeit in der Wissenschaft die Möglichkeit, einen Beitrag zur Theorie- und Erkenntnisentwicklung zu leisten und dieses neue Wissen mit anderen, zum Beispiel (angehenden) Lehrkräften, zu teilen.

Ein Mann vor einem Regal mit theologischen Fachzeitschriften

Ist eine Universitätslaufbahn etwas für mich? Diese Frage beantworten viele angehende Religionslehrer negativ.

Wie könnte man diese Tätigkeit also schmackhaft machen? Und was ist, wenn einen die Wissenschaft erfüllt und sich Ambitionen entwickeln, eine Professur anzustreben? Der Antwort auf der Spur ist man beim Lesen der Apostolischen Konstitution "Veritatis gaudium". Die restriktiven allgemei­nen Normen scheinen allerdings wenig Attraktionspotenzial zu offenbaren. Genau das wäre aber relevant, wenn auch künftig an Universitäten religionspädagogisches Wissen vermittelt werden soll. Dafür braucht es nämlich Nachwuchs.

Aber erstmal zum Inhalt von "Veritatis gaudium", was steht drin? Also, die Eintrittskarte, um sich für eine theologische Professur zu qualifizieren ist der Dr. theol. Der kann nur von Universitäten mit theologischen Fakultäten verliehen werden. Die Zulas­sungsbedingungen für dieses Promotionsstudum sind vor allem die alten Sprachen und ein Vollstudium. Das motiviert nicht gerade dazu, einen wissenschaftlichen Werdegang anzustreben, nochmal weniger, wenn man sich als Pädagoge versteht und die Schullaufbahn die sichere und planbare Alternative ist. Zudem finden neben der Habilitation das Zweitfach, die pädagogische Eignung oder die hochschuldidaktischen Qualifikationen kaum Berücksichtigung.

Der Nachwuchs wird verschreckt

Der Dr. theol. ist ein Setting, das hin­sichtlich der zurückgehenden Anzahl Studierender und Promovierender in der Theo­logie und des Lehrermangels nicht zu begrüßen ist. Auf der einen Seite verschreckt er den Nachwuchs. Klappt es nicht mit der Professur, fügt sich das wohl nur für wenige in die ursprüngliche Berufsbiographie, Lehrkraft zu werden und als Pädagoge tätig zu sein. Verständlich also, dass Studierende lieber nahtlos in die zweite Phase wechseln, als alles auf eine Karte zu setzen. Auf der anderen Seite haben gerade diejenigen, die einen Dr. theol haben, gute Chancen auf eine Professur. Schön, aber auch tragisch, denn sollte Bedarf Eignung schaffen?

Ob die Reflexion über die Anerkennung des Dr. phil. auf dem Weg zu einer theologischen Professur die Situation wirklich ändern würde, ist natürlich fraglich. Ein Versuch sollte es aber wert sein. Es braucht an den Universitäten nämlich auch Wissensvermittler in Form von Religionspädagogen. Da aktuell (noch immer) nicht ansteht, den Dr. phil anzuerkennen, die Habilitation, das Zweitfach, die pädagogische Eignung oder die hochschuldidaktischen Qualifikationen zu berücksichtigen, bleibt es bei zwei Feststellungen: Zum einen fehlt der Nachwuchs, zum anderen schafft Bedarf Eignung.

Von Carina Caruso

Die Autorin

Dr. Carina Caruso arbeitet am Institut für Katholische Theologie der Universität Paderborn. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Religionsdidaktik ist sie für die Ausbildung von Religionslehrern verantwortlich.

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