In einem Klassenzimmer hängt ein Kreuz an der Wand.
An mehr als 450 Schulen in Nordrhein-Westfalen gemeinsamer Unterricht

Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht wird ausgeweitet

Evangelische und katholische Schüler besuchen gemeinsam den Religionsunterricht – an mehr als 450 Schulen in Nordrhein-Westfalen wird das im kommenden Schuljahr Alltag sein. Die Nachfrage nach dem Projekt steigt.

Düsseldorf - 06.09.2020

Nordrhein-Westfalen weitet den gemeinsamen Religionsunterricht von katholischen und evangelischen Schülern aus. 464 Schulen bieten im neuen Schuljahr den sogenannten konfessionell-kooperativen Religionsunterricht an, wie das Schulministerium auf Anfrage in Düsseldorf mitteilte. Dies sind 108 mehr als im vergangen Schuljahr und 280 mehr als zum Start des Projekts 2018/2019.

Bei dieser Organisationsform des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts werden Schüler beider Konfessionen in einer Gruppe unterrichtet, wenn aus Mangel an Teilnehmern ein eigener katholischer oder evangelischer Unterricht nicht zustande kommt. Ein verpflichtender Wechsel zwischen katholischen und evangelischen Fachlehrern soll gewährleisten, dass die konfessionellen Grenzen nicht verwischt werden und die Schüler beide Perspektiven kennenlernen.

Erzbistum Köln beteiligt sich nicht am gemeinsamen Religionsunterricht

Auf diese Form des Religionsunterrichts hatten sich die drei evangelischen Landeskirchen in NRW (Rheinland, Westfalen, Lippe) und die Bistümer Aachen, Essen, Münster und Paderborn geeinigt. Das Erzbistum Köln beteiligt sich nicht daran.

Von den rund 2,46 Millionen Schülern in NRW nahmen im vergangenen Schuljahr laut Statistik des Schulministeriums etwa 1,48 Millionen am katholischen und evangelischen Religionsunterricht teil. Gegenüber dem vorangegangenen Schuljahr 2018/2019 sank die Zahl um etwa 26.000 Schüler. Rund 60 Prozent aller Schüler erhalten damit konfessionellen Religionsunterricht. Vor 15 Jahren belief sich der Anteil noch auf etwa 85 Prozent.

Von den rund 436.000 muslimischen Schülern in NRW erhielten im Schuljahr 2019/2020 rund 21.600 und damit rund 5 Prozent an 260 Schulen Unterricht im Fach islamische Religion. Etwa 8.450 Schüler gehörten der Primarstufe und 12.550 der Sekundarstufe I an. Zudem besuchten 100 Oberschüler das Fach. Nordrhein-Westfalen, das im Jahr 2012 als erstes Bundesland islamischen Religionsunterricht eingeführt hat, baut das Fach schrittweise aus - nicht zuletzt in Abhängigkeit von den zur Verfügung stehenden Lehrern. Deren Zahl wuchs von 42 beim Start auf 300 im Schuljahr 2019/20. (rom/KNA)