Sternsinger in Bühlertann (BW)
Kirchenjugend: "Das könnte als rassistisch empfunden werden"

Bamberger BDKJ will keine schwarz geschminkten Sternsinger mehr

Das sogenannte "Blackfacing" ist seit Jahren in der Kritik – auch beim Dreikönigssingen wird darüber diskutiert. Nun distanzierte sich der Bund der Katholischen Jugend des Erzbistums Bamberg davon – und spricht eine Empfehlung für das Sternsingen aus.

Bamberg - 12.10.2020

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum Bamberg empfiehlt, beim Sternsingen auf schwarz geschminkte Kinder zu verzichten. "Das könnte als rassistisch empfunden werden", sagte die BDKJ-Diözesanvorsitzende Eva Russwurm am Montag. "Es gibt gerade in den USA eine lange und unrühmliche Tradition des Blackfacing. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich."

Der BDKJ stehe für eine offene und tolerante Gesellschaft, fügte sie hinzu. Der alte Brauch, Herkunft und Hautfarbe gleichzusetzen, passe nicht mehr in die Gegenwart. "Kinder und Jugendliche sollten als Sternsinger so gehen, wie sie sind. Das zeigt die Vielfalt in unserem Erzbistum", sagte Russwurm.

Die Verbandsvorsitzende schloss sich mit letzterer Äußerung der Position des Kindermissionswerks "Die Sternsinger" an. In der Debatte um offene und verdeckte Formen von Diskriminierung war zuletzt auch der Brauch des Dreikönigssingens in die Kritik geraten. Dabei ziehen Kinder und Jugendliche um den 6. Januar verkleidet als Weise aus dem Morgenland von Haus zu Haus und werben um Spenden für notleidende Altersgenossen in aller Welt. Bisher wurde dabei in vielen Gruppen ein Kind schwarz geschminkt, es sollte den König aus Afrika repräsentieren. Einen biblischen Hintergrund hat diese Tradition nicht.

"Zwarter Piet" in den Niederlanden

In Europa wird die Debatte vor allem auch mit Blick auf die niederländische Tradition des "Zwarten Piet" geführt, einem Begleiter des Nikolaus, vergleichbar mit Knecht Ruprecht oder Krampus. Er wird in der für Sklaven holländischer Kaufleute des 17. Jahrhunderts typischen Kleidung mit schwarzgeschminktem Gesicht und feuerroten Lippen dargestellt. Vertreter schwarzer Menschen beklagen seit Jahren, dass diese Darstellung rassistisch und beleidigend ist.

Zuletzt hatte Facebook im August unter anderem das "Blackfacing" auf seiner Plattform verboten. "Karikaturen schwarzer Menschen in Form von Blackface" gelten als Hassrede, heißt es in den "Community Standards". (mpl/KNA)