Eine 10-Euro-Sondermünze des Vatikans erinnert an das 50. Jubiläum des Welttags der Erde.
Nach kontroverser Debatte um Figuren bei Amazonas-Synode

"Pachamama-Münze": Vatikanisches 10-Euro-Stück zeigt Mutter Erde

Die Pachamama-Darstellungen bei der Amazonas-Synode sorgten für viel Aufsehen. Trotzdem kann man bald mit der "Mutter Erde" bezahlen: Der Vatikan stellt eine neue Sondermünze mit entsprechendem Motiv vor.

Vatikanstadt - 14.10.2020

Eine Darstellung der Mutter Erde schmückt eine neue Gedenkmünze des Vatikanstaats. Wie das vatikanische Amt für Philatelie und Numismatik auf seiner Webseite mitteilte, wird die anlässlich des 50. Jubiläums des internationalen "Tags der Erde" herausgegeben. Die Münze zeigt die Darstellung einer schwangeren Frau in indigener Kleidung, deren Bauch als Erdkugel dargestellt wird. "Die Feier des Lebens auf der Erde ist eine Verpflichtung, sich des Planeten anzunehmen. Das ist ein Projekt, zu dem die Kirche ihre Unterstützung anbietet", heißt es in der offiziellen Beschreibung. Die Darstellung einer mit der Erde schwangeren Frau drücke aus, dass die Menschheit der Erde "Pflege und Liebe schuldet, als wäre sie eine Tochter". In den Haaren trägt die Frau Weizengarben, "eine Anspielung zwischen Vergangenheit und Zukunft, die zeitlos und so ewig wird", deutet das Amt für Numismatik die künstlerische Darstellung.

Die Münze erinnert an die bei der Amazonas-Synode im Vorjahr aufgestellten Pachamama-Figuren, die laut dem Präfekten des vatikanischen Kommunikationsdikasteriums, Paolo Ruffini, "für das Leben, Fruchtbarkeit und die Mutter Erde stehen" und die Kultur des Amazonasgebietes auch gegenständlich zur Synode bringen sollten. Um die Figuren wurde kontrovers gestritten. Traditionalistische Katholiken kritisierten die Figuren als heidnisch und schreckten auch vor Diebstahl und Randale in einer Kirche nicht zurück: Ein Österreicher hatte die Figuren zeitweilig aus der Kirche Santa Maria in Traspontina entwendet und in den Tiber geworfen.

Papst Franziskus würdigt den Welttag der Erde

Der Erdtag wurde erstmals am 21. März 1970 auf Anregung des Friedensaktivisten John McConnell begangen und soll Bewusstsein für Umweltschutz fördern. Mehrere UN-Generalsekretäre unterstützten die entstehende Erdtag-Bewegung. 2009 wurde auf Vorschlag der Regierung Boliviens der 22. April von der UN-Generalversammlung zum "Internationalen Tag der Mutter Erde" erklärt. Bei seiner Generalaudienz am Erdtag 2020 bezeichnete Papst Franziskus den Tag als "Gelegenheit, unser Bemühen zu erneuern, unser gemeinsames Haus zu lieben und für es und für die schwächeren Mitglieder unserer Familie Sorge zu tragen". In seiner Ansprache würdigte der Papst auch die Protestbewegungen von Jugendlichen für das Klima: "Ich schätze diese Initiativen aufrichtig, und unsere Kinder werden wieder auf die Straße gehen müssen, um uns zu lehren, was selbstverständlich ist: dass es keine Zukunft für uns gibt, wenn wir die Umwelt zerstören, die uns erhält."

Die nun herausgegebene Münze wurde gestaltet durch den Medaillenkünstler Luigi Oldani und graviert von Uliana Pernazza. Sie besteht aus Sterlingsilber mit einem Feingehalt von 925/1000 und kommt in 3.300 Exemplaren ab Freitag für 69 Euro in den Handel. Der Nennwert beträgt 10 Euro. Der Vatikan ist zwar kein Mitglied der EU. Dennoch gehört er mit anderen europäischen Kleinstaaten zu den assoziierten Euronutzern. Aufgrund einer Vereinbarung mit dem italienischen Staat darf der Vatikan eine begrenzte Anzahl eigener Euromünzen in Umlauf bringen, die auf das Prägekontingent Italiens angerechnet werden. Vatikanische Euromünzen sind aufgrund ihrer begrenzten Auflage begehrte Sammlerstücke und tragen durch ihren Verkauf zur Finanzierung des Vatikanstaats bei. (fxn)