Helfer retten Flüchtlinge von einem Holzboot vor der libyschen Küste
Ein Christ könne "Verantwortung vernachlässigende Migranten ertrinken lassen"

Nach Kritik an Seenotrettung: Pfarrer muss Gemeinde verlassen

Migranten brächten sich auf seeuntüchtigen Booten bewusst in Lebensgefahr. Deshalb könne ein Christ "Verantwortung vernachlässigende Migranten ertrinken lassen": Für diese Aussagen muss der Nürnberger Pfarrer Matthias Dreher nun seinen Hut nehmen.

Nürnberg - 10.11.2020

Nach umstrittenen Äußerungen zur Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer muss der Nürnberger evangelische Pfarrer Matthias Dreher seine Gemeinde verlassen. Regionalbischof Stefan Ark-Nitsche habe dies nach sorgfältiger Abwägung und mit Einverständnis des Betroffenen entschieden, teilte der Kirchenkreis Nürnberg am Dienstag mit. Zuvor habe sich am Montagabend der Kirchenvorstand der Melanchton-Gemeinde in einer Online-Konferenz mit den Äußerungen Drehers befasst. Das Gremium hatte sich bereits zuvor von der Haltung ihres Pfarrers distanziert.

Dreher hatte im "Korrespondenzblatt" des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins der evangelischen Landeskirche argumentiert, Migranten brächten sich auf seeuntüchtigen Booten mit wenig Treibstoff bewusst in Lebensgefahr, um ein besseres Leben in Europa zu führen. Deshalb könne ein Christenmensch "Verantwortung vernachlässigende Migranten ertrinken lassen".

Bedford-Strohm hatte sich klar distanziert

Von Dreher hatten sich bereits die evangelischen Nürnberger Dekaninnen und Dekane sowie Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm klar distanziert. Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen, sei unverantwortlich, so der Landesbischof. In der Erklärung der Nürnberger Vertreterinnen und Vertreter hieß es, man könne zwar darüber diskutieren, ob eine Kirche ein Rettungsschiff mit Spenden unterstützen müsse, ebenso darüber, wie mit Flüchtlingen nach ihrer Ankunft in Europa umgegangen werde. Der Minimalkonsens müsse aber lauten: "Unter gar keinen Umständen darf man Menschen ertrinken lassen."

Dreher wird nun laut der Mitteilung ab 15. November zu einem anderen Dienst, zunächst mit allgemein-kirchlichen Aufgaben, abgeordnet. "Die bereits laufende inhaltliche Auseinandersetzung mit ihm geht weiter, ohne den Frieden in der Gemeinde oder ihre Einheit weiter zu gefährden." (KNA)