Bedford-Strohm auf der Sea-Watch 4
"Sea Watch 4" ist momentan festgesetzt

Kirchlich initiiertes Bündnis unterstützt weiteres Rettungsschiff

Das Sterben auf dem Mittelmeer nimmt kein Ende – und die EU-Staaten sehen zu. Zivile Seenotretter wollen jetzt ein weiteres Schiff schicken. Das kirchlich initiierte Bündnis "United4Rescue" hat auch schon eines im Auge.

Regensburg/Hannover - 15.11.2020

Das kirchlich initiierte Bündnis "United4Rescue" will sich an Kauf und Umbau des neuen Rettungsschiffs "Sea-Eye 4" beteiligen. Wie der Betreiber, die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea Eye mitteilte, liegt das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff aus dem Jahr 1972 im Hafen von Rostock und soll für seine Rettungseinsätze im Mittelmeer ausgerüstet werden.

"Ohne die Unterstützung durch das Bündnis wäre der Kauf eines so großen Schiffes für uns unvorstellbar geblieben", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler laut Mitteilung. Mit seinen 55 Metern Länge und elf Metern Breite sei es größer als das derzeitige Rettungsschiff "Alan Kurdi" der Organisation. Die "Sea-Eye 4" werde in der Lage sein, mehr Menschen aufzunehmen und zu versorgen als die bisherigen Sea-Eye-Schiffe. Sea-Eye rettet nach eigenen Angaben seit 2016 mehr als 15.000 Menschen im Mittelmeer das Leben.

"United4Rescue" unterstützt bereits das Rettungsschiff "Sea-Watch 4", das derzeit in Italien festgesetzt ist. Dem Bündnis gehören mehr als 660 zivilgesellschaftliche Gruppen an, darunter die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD).

"Open Arms" momentan einziges ziviles Rettungsschiff

Laut Sea-Eye-Informationen ist die spanische "Open Arms" derzeit das einzige zivile Rettungsschiff auf dem Mittelmeer. Die anderen sechs zivilen Hochseeschiffe seien wegen angeblich technischer Mängel festgesetzt. Weil es kaum sichere, legale Fluchtwege gibt, wagten Menschen weiterhin die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Ein weiteres ziviles Rettungsschiff sei daher notwendig.

Sea-Watch 4

Heinrich Bedford-Strohm bei der Schiffstaufe des Rettungsschiffs für Flüchtlinge "Sea-Watch 4".

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ignorierten ihre Pflicht zur Seenotrettung, sagte Isler. Sie weigerten sich ihrer staatlichen, humanitären Aufgabe im Mittelmeer nachzukommen. "Fast täglich erreichen uns schreckliche Nachrichten von unbeantworteten Notrufen und Schiffsunglücken im Mittelmeer", sagte Sandra Bils, Gründungsmitglied von "United4Rescue". Bei der "Sea Watch 4" habe das Bündnis so viel Unterstützung erfahren, dass man beschlossen habe: "Wir schicken noch ein Schiff."

Nach den jüngsten tödlichen Bootsunglücken auf dem Mittelmeer hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erneut auf die Freigabe des Rettungsschiffs "Sea-Watch 4" durch die italienischen Behörden gedrungen. Es seien vor allem rechtliche Fragen, die eine zweite Mission der "Sea-Watch 4" bisher verhindert hätten. "Dass sie bisher mehr Gewicht eingeräumt bekommen als die humanitäre Dringlichkeit, bedauere ich", schrieb der bayerische Landesbischof bei Facebook.

Spendenkampagne gestartet

"United4Rescue" will neben dem Kaufpreis auch maßgeblich den Umbau des Rettungsschiffes finanzieren. Insgesamt will sich das Bündnis mit 434.000 Euro am Projekt beteiligen. Um die "Sea-Eye 4" möglichst schnell in den Einsatz schicken zu können, hat "United4Rescue" eine Spendenkampagne auf der Website www.wirschickennocheinschiff.de gestartet.

Zugleich erinnert das Bündnis mit einem Unterwasser-Requiem an die Menschen, die weiterhin auf ihrer Flucht nach Europa ertrinken. Dabei spiele die dänische Künstlergruppe "Between Music" die Europahymne mit Spezialinstrumenten auf dem Grund des Mittelmeers. Das Video werde am 15. November europaweit veröffentlicht. Auch appelliere "United4Rescue" mit einer Petition an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, das Sterben auf dem Mittelmeer zu beenden und sich für staatliche Seenotrettung einzusetzen. (epd)