Gebhard Fürst ist seit 2000 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Bild: © KNA
Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst wird 65 Jahre alt

Moderator und Gestalter

Geburtstag - Wenn die Deutsche Bischofskonferenz das "Islamische Wort" im SWR als "Beitrag zur Integration muslimischer Mitbürger" würdigt, eine Überflutung mit Gewaltszenen im Internet beklagt oder die Berichterstattung über Religion und Kirche als unzureichend kritisiert, dann ist Gebhard Fürst im Spiel.

Stuttgart - 02.12.2013

Neben seinem Amt als Bischof von Rottenburg-Stuttgart ist Fürst Medienbischof der Bischofskonferenz. Und er ist der Verbindungsmann der Bischöfe zum Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Am Montag wird der Chef des viertgrößten deutschen Bistums 65 Jahre alt.

Bischöfe sollen Bedeutung von Laien-Katholizismus erkennen

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Die Kirche muss lernen sich in der digitalen Welt zu bewegen, nur so können junge Menschen noch erreicht werden ist sich Fürst sicher.

Fürst sieht nach eigenem Bekunden den runden Geburtstag lediglich als "Trampolinsprung in die nächsten Jahre". Vor Ort, im Südwesten, will er das weiter aufbauen helfen, "was in den vergangenen Jahren an Schwerpunkten und Orientierungen, an Profil und Selbstverständnis entwickelt wurde". Das heißt für Fürst: eine dialogische, pilgernde, zeitgenössische, lebensdienliche und schöpfungsfreundliche Kirche. Bestärkt fühlt sich der Bischof in seinen Anliegen und Zielsetzungen auch durch Papst Franziskus.

Eine doppelte Moderatorenrolle nimmt Fürst beim ZdK ein: Den anderen Bischöfen muss er ab und an erklären, warum das oberste deutsche Laiengremium nicht in allem einer Meinung mit den Oberhirten sein kann und will. Und bei den Vollversammlungen und Präsidiumssitzungen des ZdK erläutert Fürst, welchen Leitideen die Bischöfe folgen. Dabei ist seine eigene Richtung klar: "Mir ist wichtig, dass die Bedeutung des Laien-Katholizismus für die Gesamtkirche auch bei den Bischöfen noch besser erkannt wird. Wir müssen mehr schätzen lernen, was wir aneinander haben." Er sei froh über den lebendigen Laien-Katholizismus, der Kultur und Gesellschaft mitgestalte.

"Medienbischof" setzt auf Qualitätsjournalismus

Talent zum Ausgleichen und Vermitteln braucht Fürst auch, wenn es ums Thema Medien geht. Das Amt "Medienbischof" ist nicht vergnügungssteuerpflichtig. Als etwa Michael Broch nach papstkritischen Interview-Äußerungen als Geistlicher Direktor der katholischen Journalistenschule ifp vom Amt zurücktrat, hatte sich Fürst die Suppe zwar nicht eingebrockt, aber er musste sie öffentlich auslöffeln. Fürst weiß, dass der Vorgang auch bei vielen seiner Kirche zugewandten Journalisten immensen Schaden angerichtet hat.

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Für die katholisch.de-Serie "Freundebuch" hat uns Gebhard Fürst einen Einblick in sein Leben gewährt.

Trotzdem macht dem naturverbundenen Gärtnersohn mit einem großen Faible für Umweltschutzfragen das Amt Spaß. Der Ex-Chef der bistumseigenen Akademie will "Gestaltungsspielräume nutzen" und die konfessionelle Medienlandschaft weiter entwickeln helfen, etwa durch das katholische Medienhaus in Bonn. Insgesamt bescheinigt der Bischof den Medien eine wesentliche Rolle für die freiheitliche Demokratie.

"Beim Kampf um Auflagen und Einschaltquoten gerät oft in den Hintergrund, dass es Medien auch darum gehen muss, den Bürgern bei der Urteilsfindung zu helfen. Wer sich dem Diktat des Geldes aussetzt, bedroht die Qualität des Journalismus." Fürst setzt deshalb auf Medien und Journalisten, die solide informieren. "Boulevard unterhält, guter Journalismus befreit zu Urteilsfähigkeit und Lebenssouveränität."

Nicht spurlos vorbeigegangen an Fürst ist die monatelange Diskussion über seinen Limburger Amtsbruder Franz-Peter Tebartz-van Elst. Die Situation sei "nicht leicht" gewesen, Badewannen-Brennpunkt-Sendungen, Diffamierungen und Pauschalisierungen machten vor der baden-württembergischen Landesgrenze nicht halt. Mit Blick auf sein eigenes Amt sagt Fürst, es sei heute nicht mehr möglich, "als Solitär Strippen zu ziehen oder selbstherrlich zu regieren". Er will in seinem Handeln die Christen als Volk Gottes ernst nehmen. Deshalb helfe einem Bischof auch der gute Rat von Innen und Außen. Dazu passt, dass ihm seine Mitarbeiter die Fähigkeit zum Zuhören attestieren. Dialog sei für Fürst kein Reklamewort, sondern entspreche der eigenen Überzeugung.

Von Michael Jacquemain (KNA)