Die Benediktinerabtei Ettal im Winter.
Missbrauchsskandal hatte zu Rückgang bei Anmeldungen geführt

Zu wenig Schüler: Benediktinerkloster Ettal schließt Internat

Einst war das Gymnasium samt Internat der Ettaler Benediktiner eine sehr beliebte Schule. Doch seit dem Bekanntwerden jahrzehntelangen Missbrauchs im Jahr 2010 sind die Anmeldungen massiv zurückgegangen. Die Mönche ziehen nun Konsequenzen.

Ettal - 02.02.2021

Die Benediktiner im oberbayerischen Ettal werden zum Ende des Schuljahres 2023/2024 ihr Internat schließen. Als Grund nannte der Orden die sinkenden Schülerzahlen sowie die steigenden Anforderungen, wie das Kloster am Dienstag auf Anfrage erklärte. Fortgeführt werden sollen dagegen das Gymnasium und das Tagesheim. Hier investieren die Benediktiner nach eigenen Angaben eine sechsstellige Summe in nachhaltige Verbesserungen, etwa für das digitale Angebot oder die traditionell wichtigen musischen und sportlichen Bereiche.

Das Internat haben laut Mitteilung in den vergangenen Jahren nur noch zwischen 30 und 40 Schüler besucht. So hätten neben anderen Gründen vor allem das Bekanntwerden des über Jahrzehnte dort stattgefundenen sexuellen Missbrauchs im Jahr 2010 zu einem starken Rückgang bei den Anmeldungen geführt. Auch der Ausbau der Ganztagesbetreuung in Deutschland habe sich auf viele Internate ausgewirkt. "Trotz aller Bemühungen dem entgegen zu wirken, wie beispielsweise der Öffnung für Mädchen, der Kooperation mit dem Bayerischen Skiverband und der Internationalisierung, konnten wir keine Trendwende erreichen", sagte Abt Barnabas Bögle.

Schule und Tagesheim werden weiterentwickelt

Auch die gestiegenen Anforderungen an den modernen Betrieb eines Internats könne das Kloster personell und finanziell nicht mehr stemmen. "Ein kleiner gewordener Konvent kann nicht mehr Aufgaben übernehmen und die Auswirkungen der Corona-Krise haben unsere Betriebe stark getroffen, was unsere Entscheidung beschleunigt hat", so der Abt. Da die Entscheidung ein schwerer Einschnitt für die aktuellen Internatsschüler sei, habe man sich für eine lange Übergangsphase entschieden. Zugleich sei es aber möglich, die nötigen Investitionen für das Gymnasium zu tätigen.

Ziel sei eine Weiterentwicklung der Schule mit dem angeschlossenen Tagesheim, heißt es. Die Nachfrage für letzteres habe stetig zugenommen. Eine diplomierte Pädagogin werde die Leitung von Internat und Tagesheim übernehmen, kündigte Bögle an. "Die Zielsetzung der Abtei ist es, künftig jeden Jahrgang aufgeteilt in zwei Klassen zum Abitur zu führen. Um unsere Schülerinnen und Schüler möglichst individuell zu fördern, ist die Abtei Ettal weiterhin bereit, grundsätzlich Klassen mit geringer Schülerzahl einzurichten." (rom/KNA)