Natalie Becquart
Französische Theologin Nathalie Becquart zur neuen Untersekretärin ernannt

Erstmals erhält eine Frau Stimmrecht bei der Bischofssynode

Der Vatikan gab bekannt, dass die Französin Nathalie Becquart zur neuen Untersekretärin der Synoden-Sekretariats ernannt wurde. Was unspektakulär klingt, ist eine kleine Sensation: Damit ist erstmals eine Frau bei der Bischofssynode stimmberechtigt.

Vatikanstadt - 06.02.2021

In der Bischofssynode der katholischen Kirche erhält erstmals eine Frau Stimmrecht. Mit der am Samstag vom Vatikan mitgeteilten Ernennung der französischen Theologin Nathalie Becquart (51) als Untersekretärin des Synoden-Sekretariats ist sie automatisch stimmberechtigt. Dies bestätigte der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Mario Grech, dem Portal Vatican News (Samstag). Seit 2019 Becquart war bereits Beraterin des Generalsekretariats.

"Mit der Ernennung von Schwester Nathalie Becquart und der Möglichkeit, dass sie mit Stimmrecht teilnimmt, ist eine Tür geöffnet worden", so Grech. Man werde "dann sehen, welche weiteren Schritte in der Zukunft unternommen werden können". Zusammen mit Becquart wurde der spanische Augustiner Luis Marin de San Martin (59) zum zweiten Untersekretär der Behörde ernannt.

Debatte bei vergangenen Bischofssynoden

Ein Stimmrecht für Frauen bei den Versammlungen der Bischofssynode war in den vergangenen Jahren mehrfach gefordert worden. Zuletzt wurde das Thema vor und während der Jugend- und der Amazonas-Synode diskutiert. Dort hatte erstmals ein Ordensoberer, der nicht Priester ist, Stimmrecht gehabt, nicht aber die Leiterinnen von Frauenorden.

Nathalie Becquart gehört der 1963 gegründeten Ordensgemeinschaft "Institut La Xaviere" an. Nach dem Besuch der höheren Handelsschule in Paris studierte sie Theologie, Philosophie und Soziologie. In Boston/USA befasste sie sich in einem theologischen Aufbaustudium mit der Synodalität der Kirche. 1995 trat sie der Xaviere-Gemeinschaft bei, in der sie 2005 ihre ewigen Gelübde ablegte. Von 2008 bis 2012 war Becquart Nationaldirektorin der Kommission für Evangelisierung und Berufungspastoral der Französischen Bischofskonferenz.

Die Bischofssynode ist ein Beratungsorgan des Papstes. Das Kollegium der Bischöfe soll den Papst in seiner Leitungsaufgabe unterstützen. Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) richtete Papst Paul VI. dieses Gremium ein. In der Regel findet eine Bischofssynode alle drei Jahre statt. Daneben gibt es außerordentliche Synoden wie die Familiensynode 2015 und Sondersynoden zur Lage der Kirche in einzelnen Regionen der Welt wie die Amazonassynode 2019. Die nächste ordentliche Synode ist für Oktober 2022 angesetzt. Sie ist mit dem Titel "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission" überschrieben. (mal/KNA)