Buber-Rosenzweig-Medaille an Passionsspiele-Regisseur Stückl verliehen
Bild: © KNA
Münchner Kardinal Marx hielt die Laudatio

Buber-Rosenzweig-Medaille an Passionsspiele-Regisseur Stückl verliehen

Zum Auftakt der "Woche der Brüderlichkeit" ist der Regisseur der Oberammergauer Passionsspiele, Christian Stückl, mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet worden. Kardinal Reinhard Marx hielt die Laudatio auf den 59-Jährigen.

München/Stuttgart - 07.03.2021

Regisseur Christian Stückl hat die Buber-Rosenzweig-Medaille erhalten. Der oberbayerische Theatermann wurde am Sonntag zum Auftakt der "Woche der Brüderlichkeit" in Stuttgart ausgezeichnet. Coronabedingt fand die Veranstaltung ohne Publikum statt und wurde im Fernsehen übertragen.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx würdigte in seiner Laudatio die Bedeutung der von Stückl inszenierten Oberammergauer Passionsspiele für den Zusammenhalt von Juden und Christen. Es habe lange gedauert bis zum Paradigmenwechsel im Verhältnis der Kirche und der Christen insgesamt zum Judentum und anderen Religionen, wie er im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) erfolgt sei. "Für mich als Erzbischof von München ist Oberammergau ein Testfall und ein Laboratorium für diese Rezeption des neuen Denkens, der neuen Geschwisterlichkeit", sagte Marx. Er verwies dabei auf die Enzyklika "Fratelli tutti" von Papst Franziskus.

"Leidenschaft für die Geschwisterlichkeit aller Menschen"

Der Kardinal erinnerte an die lange Geschichte antijüdischer Erzählungen und Bilder in Passionsspielen, aber auch an Kathedralen. "Das hat verheerende Folgen bis heute in den Köpfen und Herzen." Daran angeknüpft hätten auch die Nationalsozialisten mit ihrer Ideologie. Stückl habe die Passionsspiele nicht nur von allen Antijudaismen befreit, sondern auch die Figur Jesu als gläubigen Juden dargestellt. "Schaut auf den Juden Jesu aus Galiläa aus Nazareth, das ist unser Heiland, das ist unser Erlöser: Der Jude Jesus. Und wenn ihr ihn verstehen wollt, dann müsst ihr ihn als Juden sehen."

Dies zu zeigen, könne "auch nur ein oberbayerischer Dickschädel, wie er natürlich auch einer ist, und ein wirklicher Christ, ein Mensch, ein neugieriger Mensch, ein leidenschaftlicher Theatermann", betonte Marx. Stückl habe immer wieder mit Besuchen des Ensembles in Israel und Gesprächen mit Rabbinern versucht, den Dialog in Gang zu bringen. Zugleich wisse er, dass er mit der Inszenierung etwas Geistliches tue, so Marx. Er sei geprägt von einer "Leidenschaft für die Geschwisterlichkeit aller Menschen".

Auszeichnung als "Mahnung"

Die Auszeichnung bezeichnete Stückl als "Mahnung", sich weiter gegen Judenfeindlichkeit einzusetzen. Antisemitismus komme ebenso wieder hoch wie eine Feindlichkeit gegen Muslime. Es gelte, jeder Art von Rassismus entgegenzutreten, so der 59-Jährige. Stückl inszeniert 2022 die alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele in seinem Geburts- und Wohnort zum vierten Mal. Im Jahr 2000 reformierte er das Stück grundlegend, auch im Austausch mit jüdischen Organisationen. Mit allen Hauptdarstellern reist er vor Beginn der Proben nach Israel. Auch bei anderen Inszenierungen greift der Theaterintendant biblische Stoffe auf, die Juden und Christen verbinden.

Die seit 1968 vergebene Buber-Rosenzweig-Medaille ist benannt nach den jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929). Mit ihr ausgezeichnet werden Verdienste um eine Verständigung zwischen Christen und Juden. Zu den Trägern der Medaille gehören der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin (1916-1999) und der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer. (KNA)