Feige: Ernsthaft und mutig über Macht in der Kirche nachdenken
Magdeburger Bischof zu Debatten über klerikalen Machtmissbrauch

Feige: Ernsthaft und mutig über Macht in der Kirche nachdenken

In der Debatte um klerikalen Machtmissbrauch hat Magdeburgs Bischof Gerhard Feige dazu aufgerufen, Macht in der Kirche verantwortungsbewusst auszuüben. Außerdem müsse darüber nachgedacht werden, wozu Macht in der Kirche eigentlich diene.

Berlin/Magdeburg - 07.04.2021

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige ruft dazu auf, Macht auch in der katholischen Kirche verantwortungsbewusst auszuüben. Selbst wenn deren hierarchische Strukturen letztlich auf Gott zurückgeführt würden, berechtige das "nicht zwangsläufig" dazu, Macht autoritär zu gebrauchen, schreibt Feige in einem Gastbeitrag für die "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" (Donnerstag). "Also muss ernsthaft und mutig wieder einmal darüber nachgedacht werden, wozu Macht in der Kirche eigentlich dient, wie man mit ihr evangeliumsgemäß – etwa durch Gewaltenteilung – umzugehen hat und wie sie kontrolliert werden kann", so der Bischof wörtlich. Zugleich warnt Feige in seinem Beitrag davor, alles als Machtkampf anzusehen, da dies überzogen wäre. "Zwischenmenschliche Beziehungen und kirchliche Umgangsformen sind erfreulicherweise reichhaltiger", betont der Bischof.

Nachdem Machtaspekte in der Kirche – etwa mit Blick auf Bischofs- und Priesterweihen oder "Papstkrönungen" – lange Zeit innerkirchlich tabuisiert oder spiritualisiert worden seien und stattdessen von "geistlichen" Ämtern und Diensten oder Leitungsaufgaben gesprochen worden sei, habe sich das Blatt inzwischen gewendet, so Feige weiter. Viele debattierten nunmehr leidenschaftlich über klerikalen Machtmissbrauch und dringend notwendige Reformen.

"Auch wenn Macht schon immer umstritten war, gehört sie doch selbstverständlich in unsere Welt und tritt vielfältig in Erscheinung", schreibt Feige. Wer Macht bewusst oder unbewusst ausübe, sei in der persönlichen oder strukturellen Lage, andere Menschen zu führen und sich dabei für deren Würde und Lebensbedingungen einzusetzen. Manchmal müssten dazu aber auch bestimmte Rechte eingeschränkt werden, um größere Schäden abzuwehren und die Freiheit zu verteidigen. "Macht ist also ambivalent. Der, der sie hat, empfindet sie anders als der, der sie nicht hat. Darum wird sie in einer Demokratie auch begrenzt und kontrolliert", so Feige. (stz)