Theologe wendet sich gegen Auffassung von Kanonist Weishaupt

Kirchenrechtler Güthoff: Unerlaubte Segnungen kein Schisma

Aktualisiert am 14.05.2021  –  Lesedauer: 

Würzburg ‐ Begründen katholische Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare ein Schisma? Diese Auffassung vertritt der Kirchenrechtler Gero Weishaupt. Sein Münchner Kollege Elmar Güthoff widerspricht dem nun.

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Katholische Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare begründen nach Auffassung des Münchner Kirchenrechtlers Elmar Güthoff kein Schisma. "Man sollte nicht versuchen, in diese Segnungen einen theologisch höheren Stellenwert zu interpretieren", sagte Güthoff der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" in Würzburg. Eine kirchliche Bestrafung der beteiligten Seelsorger hält Güthoff prinzipiell für möglich, im aktuellen Fall aber für unangemessen. "Das kirchliche Strafrecht ist vom Grundsatz der Milde geprägt." Strafen sollten grundsätzlich nur verhängt werden, wenn es keine andere Möglichkeit gebe, nicht aber aus kirchenpolitischen Erwägungen.

"Ich glaube nicht, dass die Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften strafrechtlich angemessen geklärt werden kann", fügte der Wissenschaftler hinzu. Güthoff wandte sich mit seinen Aussagen gegen die Auffassung des in den Niederlanden lehrenden Kirchenrechtlers Gero Weishaupt. Dieser hatte im Vorfeld der angekündigten Segensfeiern der Aktion "#liebegewinnt" in rund 100 Kirchen in Deutschland gesagt, Bischöfe, die das päpstliche Verbot solcher Segnungen ignorierten, zögen sich als Tatstrafe automatisch die Exkommunikation zu.

Weishaupt gehe in Schlussfolgerungen zu weit

Güthoff sagte, Weishaupts "aufrichtige Sorge um die Reinerhaltung des Glaubens und die Aufrechterhaltung der kirchlichen Ordnung" verdiene Anerkennung, er gehe aber in seinen Schlussfolgerungen zu weit. Ein Schisma sei viel mehr als nur eine Störung der Einheit mit dem Papst. Außerdem setze Weishaupt voraus, dass Franziskus die Antwort der Glaubenskongregation in besonderer Form bekräftigt habe. Das sei aber nicht der Fall. Der Kirchenrechtler sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass der Papst deshalb Strafverfahren gegen Bischöfe führe. Im Falle der beteiligten Priester müsste der für sie zuständige Diözesanbischof tätig werden. Von einem strafrechtlich relevanten Vorsatz könne man aber wohl nicht schematisch ausgehen.

Auf Weishaupts ursprüngliche Aussagen hin hatte der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller in einem Gastbeitrag für katholisch.de argumentiert, dass durch die Segnungsfeiern das Gehorsamsverhältnis zum Papst nicht betroffen sei und damit auch keine Exkommunikation im Raum stünde. "Ein schismatischer Akt läge nur vor, wenn die Unterordnung unter den Papst derart verweigert würde, dass weder sein Jurisdiktions- noch sein Lehrprimat anerkannt würden", so Schüller. Weishaupt seinerseits reagierte mit einer Stellungnahme auf Schüller und hielt an seiner Position fest, dass sich Priester, die Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare durchführen, und Bischöfe, die dies dulden, die Exkommunikation zuziehen. (tmg/KNA)