Ein Ärztin hält eine kleine Dosis des Corona-Impfstoffs in der Hand
Impfungen müssten für jeden und überall verfügbar sein

Vatikan und Ärzte weltweit fordern globale Impfgerechtigkeit

Patente für Impfstoff dürften nicht als absolut angesehen werden, appellieren die Päpstliche Akademie für das Leben und Ärztevertreter. Die "schreiende Ungerechtigkeit" der weltweiten Verteilung von Covid-19-Impfstoff müsse schnell beendet werden.

Vatikanstadt - 02.07.2021

Die Päpstliche Akademie für das Leben, der Weltärztebund und die Bundesärztekammer haben sich zu einem gemeinsamen Appell für eine gerechtere Impfstoffverteilung weltweit zusammengeschlossen. Impfungen müssten für jeden und überall verfügbar sein, unabhängig von den finanziellen Mitteln, betonte der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Vincenzo Paglia, am Freitag. Aus diesem Grund brauche es eine Balance zwischen berechtigten Patentrechten der Forschenden oder Pharmaunternehmen und den Bedürfnissen der Gesellschaft als Ganzes. Patente dürften nicht als absolut angesehen werden.

Der Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, beklagte, dass bislang nur ein Bruchteil der Weltbevölkerung Zugang zur Covid-19-Impfung habe. "Es ist unsere moralische Verpflichtung, diese schreiende Ungerechtigkeit schnellstmöglich zu beenden", so Montgomery. Impfungen schützten nicht nur den Einzelnen, sondern letztlich die ganze Bevölkerung und vor allem die Schwachen und Kranken, die nicht geimpft werden könnten.

Der Leiter der Internationalen Abteilung der Bundesärztekammer, Ramin Parsa-Parsi, hob hervor, dass die Pandemie mehr als zuvor die Bedeutung von Zusammenarbeit und Austausch weltweit und zwischen verschiedenen Disziplinen offengelegt habe. Und während das Ziel eine stärkere nationale Impfstoffproduktion sein müsse, brauche es zunächst mehr Wissensaustausch, mehr Investitionen in Produktionsstätten und eine gute Qualitätskontrolle in der Herstellungen von Vakzinen weltweit. "Wir wissen sehr gut, dass nicht Impfstoffe, sondern die eigentlichen Impfungen Leben retten", so Parsa-Parsi.

Weitere strukturelle Probleme neben Impfungen

Die Päpstliche Akademie sowie die beiden Ärztegesellschaften wollen auch gemeinsam gegen Impfskepsis vorgehen. Diese sei teils durch negative Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem historisch bedingt, aber sei noch öfter die Folge von Fehlinformationen und Mythen, vor allem in Sozialen Netzwerken. Impfskepsis gebe es auch im Gesundheitssektor und in einigen religiösen Gemeinschaften, heißt es in der Stellungnahme. Weltärztebund-Präsident Montgomery warb für Vertrauen in Impfungen: "Es gibt vermutlich keine andere Entdeckung in der Medizin, die mehr Leben gerettet und Leid verhindert hat."

Paglia warnte zugleich davor, das westliche Gesundheitsverständnis anderen Gesellschaften überzustülpen. Vertrauen basiere auf fairen internationalen Beziehungen. Auch variierten die Prioritäten weltweit. So seien etwa in Afrika die Todeszahlen infolge einer Malaria- oder Tuberkulose-Infektion deutlich höher als die Zahl der Covid-19-Opfer. Und der Mangel an sanitären Anlagen und sauberem Trinkwasser sei für viele Menschen eine größere Bedrohung. Maßnahmen gegen die Pandemie sollten diese strukturellen Probleme berücksichtigen, forderte Paglia. Am Nachmittag fand eine gemeinsame Online-Konferenz von Akademie sowie den beiden Ärztegesellschaften zum Thema Impfungen statt. (KNA)