Verfehlungen im Umgang mit Missbrauchsfällen durch Wiktor Skworc

Polnischer Erzbischof legt nach Vorwürfen Ämter nieder

Aktualisiert am 09.07.2021  –  Lesedauer: 

Krakau ‐ Erzbischof Wiktor Skworc ist in Deutschland kein Unbekannter: Der Oberhirte von Kattowitz gehört zur Kontaktgruppe der Bischofskonferenzen beider Länder. Im Zuge eines Missbrauchsskandals hat er den Papst nun um die Hilfe eines Koadjutors gebeten.

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Nach einer Untersuchung mutmaßlicher Verfehlungen im Umgang mit Missbrauchsfällen hat der katholische Erzbischof von Kattowitz (Katowice) in Südpolen, Wiktor Skworc (73), Papst Franziskus um die Ernennung eines Koadjutor-Erzbischofs ("Helfer" des Amtsinhabers) gebeten. Wie das Erzbistum Krakau (Freitag) weiter mitteilte, trat Skworc ebenfalls als Mitglied des Ständigen Rates der Bischofskonferenz und als Vorsitzender der Seelsorge-Kommission zurück. Zudem werde der Erzbischof "Ausgaben des Bistums Tarnow in Zusammenhang mit Fällen von sexuellem Missbrauch aus privaten Mitteln" bezahlen.

In einer persönlichen Erklärung "an die Gläubigen und Geistlichen", die er auf der Internetseite seiner Erzdiözese veröffentlichen ließ, richtete Skworc an die Geschädigten und ihre Familien die "aufrichtige und demütige Bitte um Vergebung". Er habe selbst den Heiligen Stuhl um die Untersuchung gebeten und nehme deren Ergebnis demütig an, so Skworc weiter. In seiner zehnjährigen Amtszeit als Erzbischof von Kattowitz habe er alle notwendigen Schutzmaßnahmen für Minderjährige ergriffen: "Keine Anzeige wurde übersehen, missachtet oder unerkannt gelassen." Allen von Missbrauch Betroffenen werde Hilfe und Unterstützung angeboten. Nun erlebe er in seinem 24. Bischofsjahr den "schwierigsten Moment im Leben".

Untersucht wurde demnach, ob Skworc als damaliger Bischof von Tarnow (1998-2011) seine Dienstpflichten in Fällen von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen durch zwei Priester vernachlässigte. Die Vorwürfe gegen Skworc seien auf Grundlage des Kirchenrechts und des Papstschreibens "Ihr seid das Licht der Welt" (Vos estis lux mundi) von 2019 geprüft worden, in dem Franziskus die Aufsichts- und Rechenschaftspflicht von Bischöfen und Ordensoberen im Umgang mit Verdachtsfällen von Missbrauch genauer regelte. Weitere Einzelheiten teilte das Erzbistum Krakau nicht mit. Es war für das von Rom angeordnete Verfahren zuständig, weil das südpolnische Bistum Tarnow zur Kirchenprovinz Krakau gehört.

Missbrauchsskandale erschüttern Kirche in Polen

Skworc war von 2006 bis 2016 Ko-Vorsitzender der Kontaktgruppe der Polnischen und der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2011 ist er Erzbischof von Kattowitz. Ab 2016 leitete er die Seelsorge-Kommission der polnischen Bischöfe. Die Zeitung "Rzeczpospolita" (online Freitag) kommentierte, Skworcs Bitte um Ernennung eines Koadjutors könne man "als Rücktritt auf sehr diplomatische Weise" lesen.

Missbrauchsskandale erschüttern seit einiger Zeit die katholische Kirche in Polen. Zuletzt nahm Franziskus Ende Juni leicht vorzeitig den Amtsverzicht des Bischofs von Liegnitz (Legnica), Zbigniew Kiernikowski (75), an. Nach Angaben der vatikanischen Nuntiatur hing dies mit einer vatikanischen Untersuchung zusammen. Kiernikowski wurden demnach Fehler im Umgang mit einem Fall sexuellen Kindesmissbrauchs durch einen Priester im Bistum Siedlce vorgeworfen, das er von 2002 bis 2014 leitete.

Seit März bestrafte der Vatikan bereits fünf andere polnische Bischöfe wegen Versäumnissen im Umgang mit Missbrauchsfällen. Darunter ist auch der Danziger Alterzbischof Slawoj Leszek Glodz (75) und der 2020 zurückgetretene Bischof von Kalisch (Kalisz), Edward Janiak (68). (rom/KNA)

09.07.2021, 18 Uhr: ergänzt um weitere Informationen.