EKD: Kirchenaustritte trotz Rückgang auf hohem Niveau
Zugleich deutliche Abnahme bei Kirchensteuern

EKD: Kirchenaustritte trotz Rückgang auf hohem Niveau

Die Evangelische Kirche in Deutschland kann im Corona-Jahr auf einen deutlichen Rückgang der Kirchenaustritte zurückblicken. Doch im Vergleich zu den Vorjahren ist die Zahl immer noch hoch – das schlägt sich auch in der Kirchensteuer nieder.

Hannover - 14.07.2021

2020 sind 220.000 Menschen aus der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ausgetreten. Wie die EKD am Mittwoch mitteilte, ging die Zahl der Austritte demnach im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent zurück. Höher waren die Zahlen allerdings lediglich in den Jahren 2014, 2018 und 2020. Insgesamt gehörten zum Ende des Jahres 2020 20.236.210 Menschen einer der 20 EKD-Kirchen an, das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 24,3 Prozent in Deutschland. Insgesamt ist die Zahl der evangelischen Kirchenmitglieder um 2,3 Prozent gesunken. Auch die Kirchensteuereinnahmen sind deutlich auf 5,63 Milliarden Euro gesunken, ein Rückgang im Vergleich zu 2019 um 5,4 Prozent. 

Deutlich zurückgegangen sind im ersten Corona-Jahr auch die Taufen, die sich mit 81.000 fast halbiert haben, auch die Aufnahmen gingen um 28 Prozent auf 18.000 zurück. Die Zahl der Verstorbenen stieg um 4 Prozent auf 355.000. Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, bedauerte die Einschränkungen durch die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie: "Es war schmerzhaft für uns, dass wir in den vergangenen 15 Monaten nur eingeschränkt Gottesdienste, Taufen, Trauerfeiern und Hochzeiten in den Gemeinden vor Ort stattfinden konnten. Die physische Begegnung hat uns gefehlt." Umso mehr sei er von den vielen "kreativen und liebevollen alternativen Angeboten" der Gemeinden beeindruckt, die digital und vor Ort entstanden sind, so Bedford-Strohm weiter.

Erste Ergebnisse aus Studie zu Austrittsgründen

Mit den Austrittszahlen wurden auch erste Ergebnisse der Online-Umfrage des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD zu "Wegen und Anlässen zum Kirchenaustritt" vorgestellt. Demnach seien nur bei einem Viertel der Befragten konkrete Anlässe für die Entscheidung zum Kirchenaustritt ausschlaggebend gewesen. Trotz ihres Austritts sei eine große Mehrheit der Befragten der Ansicht, dass das Wirken der Kirche einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leiste. Die detaillierte Auswertung der Studie werde voraussichtlich im Herbst veröffentlicht.

Auch die katholische Kirche hat am Mittwoch ihre Kirchenstatistik für das Jahr 2020 veröffentlicht. Den Angaben der Deutschen Bischofskonferenz zufolge ist das Bild dort ähnlich mit einem deutlichen Rückgang bei den Sakramentenspendungen und Kasualien und einem Rückgang von 18,8 Prozent bei den Kirchenaustritten. Die Kirchensteuern gingen um gut 5 Prozent zurück. (fxn)