EKD-Ratsvorsitzender äußert sich bei Gottesdienst auf Sizilien

Bedford-Strohm: Seenotrettung ist Akt der Nächstenliebe

Aktualisiert am 05.09.2021  –  Lesedauer: 

Frankfurt am Main/Palermo ‐ Mit deutlichen Worten hat der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm die Seenotrettung im Mittelmeer verteidigt. Man dürfe niemanden in Not alleine lassen, betonte der Bischof in Bezug auf das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter.

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Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat auf Sizilien die private Seenotrettung im Mittelmeer als Gebot der Nächstenliebe verteidigt. Natürlich sei mit der Rettung von Menschen im Mittelmeer kein migrationspolitisches Problem gelöst, sagte Bedford-Strohm am Sonntag in einem ZDF-Fernsehgottesdienst aus Palermo. Man dürfe jedoch niemanden in Not alleine lassen, betonte der bayerische Landesbischof in einer Auslegung des biblischen Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter.

"Natürlich müssen zuallererst die Fluchtursachen bekämpft werden", fügte Bedford-Strohm hinzu: "Krieg. Armut. Wetterextreme aufgrund des Klimawandels. Natürlich muss man diskutieren, wie die besten Lösungen aussehen. Aber doch nicht anstatt der Rettung von Menschenleben! Sondern zusätzlich dazu!" Der bayerische Landesbischof forderte für die Geflüchteten sichere Orte in Europa, "in denen sie menschlich behandelt werden". Alle Menschen seien es wert, gerettet zu werden, einfach weil es Menschen sind. An dem Gottesdienst beteiligten sich auch der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Rettungsschiffen. Die Liturgie wurde gestaltet von der evangelischen Pastorin Sandra Bils, die durch ihre Abschlusspredigt auf dem Evangelischen Kirchentag im Juni 2019 in Dortmund bekannt wurde. Dort erklärte sie: "Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt."

"Ich konnte nicht mehr zuschauen, wie Tausende Menschen ertrinken"

Mit Blick auf die Fluchtsuchenden sagte Bedford-Strohm, es sei auch nicht entscheidend, "wie man die Motive der Menschen in den Booten beurteilt – ob man ihr Handeln leichtsinnig findet oder ob man es als Folge purer Verzweiflung sieht". Das Entscheidende sei: "Sie sind auf diesen Booten und ihr Leben ist in Gefahr." Der Samariter in der Bibel habe nicht danach gefragt, wie der Verletzte am Wegesrand in diese Situation gekommen sei: "Er hat die Not des Anderen gesehen und hat geholfen."

Mit dem Gottesdienst wurde auf die Arbeit privater Rettungsschiffe im Mittelmeer aufmerksam gemacht. Bedford-Strohm hatte das Projekt der "Sea-Watch 4", die im vergangenen Jahr mit Hilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt wurde, vorangetrieben. Im Gottesdienst sagte er: "Ich konnte nicht mehr zuschauen, wie Tausende Menschen ertrinken und die einzigen, die überhaupt noch retten, auch noch blockiert und mit Gerichtsverfahren überzogen werden." Ohne staatliche Seenotrettung der EU kümmern sich überwiegend private Schiffe im Mittelmeer um die geflüchteten Menschen. (epd)