"Echo" der liturgischen Texte

Die richtige Liedauswahl für den Gottesdienst

Aktualisiert am 06.11.2021  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Was im Gottesdienst gesungen wird, steht nicht für sich: Vielmehr soll es das reflektieren, was in den liturgischen Texten gehört wird. Damit die passende Liedauswahl gelingt, erklärt katholisch.de, welche Orientierungspunkte und Vorgaben es für die einzelnen Teile der Messfeier gibt.

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Um die passende Liedauswahl für einen Gottesdienst zu treffen, hat eines oberste Priorität: die Auseinandersetzung mit den liturgischen Texten des entsprechenden Tages. Die Schriftlesungen sowie bestimmte Festzeiten sind der Orientierungspunkt, nach dem sich die Auswahl der Gesänge für den Gottesdienst richten muss. Das bedeutet: Wer passende Lieder für einen Gottesdienst aussuchen muss, kommt nicht umhin, sich zuvor den Schott (oder das Mess-Lektionar) zu schnappen und darin die maßgeblichen Texte nachzulesen.

Dadurch kommt auch ein wichtiger Gedanke bei der Liedauswahl zum Tragen: Die Feier der Eucharistie sollte immer eine Einheit bilden, sodass ein roter Faden erkennbar wird. Die Lieder, die im Gottesdienst gesungen werden, stehen nicht für sich. Sie reflektieren das, was in den liturgischen Text gehört wird und ermöglichen so einen anderen Zugang zum Geheimnis des Glaubens. Gewissermaßen als Echo klingt in den Liedern das Gotteswort nach und wird in ihnen ausgedeutet. Eine passende Liedauswahl trägt also wesentlich dazu bei, dass eine ganzheitliche Feier möglich wird.

Eröffnungslied

Nach einem Orgelvorspiel wird zu Beginn des Gottesdienstes meist ein Lied gesungen. Dieses Lied kann zum Beispiel einen Festinhalt aufgreifen oder auf das Thema der Schrifttexte hinweisen. Da der Eröffnungsvers der Eucharistiefeier meist nicht in der Liturgie verwendet wird, kann das Eröffnungslied auch eine Vertonung dieses Verses sein. Das Gotteslob bietet einige Psalm-Lieder, die mitunter diesen Eröffnungsvers aufgreifen.

Alternativ zu einem Eröffnungslied können auch Kyrie-Rufe gesungen werden. Manche Lieder beinhalten das "Kyrie eleison" bzeziehungsweise "Herr, erbarme dich" bereits, weshalb die Kyrie-Rufe im Eröffnungsteil auch entfallen können.

Anstelle eines Liedes oder Kyrie-Rufe kann der Einzug des liturgischen Dienstes auch nur von Orgelspiel begleitet werden oder in Stille geschehen.

Gläubige feiern einen Gottesdienst in einer Kirche.
Bild: ©KNA (Symbolbild)

Das Lied zur Eröffnung kann einen Festinhalt aufgreifen oder auf das Thema der Schrifttexte hinweisen.

Kyrie-Rufe

Die Kyrie-Rufe können gesprochen oder gesungen werden. Manchmal wird zwischen den einzelnen Rufen auch ein kurzer Text gesprochen.

Gloria

Das Gloria ist ein Teil des sogenannten "Ordinarium". Darunter versteht man die feststehenden Texte der Eucharistiefeier, die in jedem Gottesdienst gleich sind. Neben dem Gloria gehören auch Kyrie, Credo, Sanctus und Agnus Dei zum Ordinarium. Die veränderlichen Eigentexte, die je nach Anlass der Eucharistiefeier variieren bezeichnet man als "Proprium". Zu ihm zählen zum Beispiel das Tagesgebet, die Präfation oder die Schriftlesungen. So kann man sagen: Sonntag für Sonntag wechseln die Texte des Proprium, die Texte des Ordinarium hingegen sind an jedem Sonntag gleich.

Aus diesem Grund darf auch anstelle des Gloria nicht einfach ein beliebiges Loblied gesungen werden. Im Idealfall verwendet man als Gloria eine Vertonung, die den Text des Ordinarium nicht anrührt. Das Dokument "Die Feier der Gemeindemesse" (FGM) sieht ausdrücklich eine Alternative vor: "Das Gloria darf durch ein Gloria-Lied ersetzt werden" (Nr. 31). Solche Gloria-Lieder sind freie Nachdichtungen des ursprünglichen Textes, sie sind aber oftmals aufgrund ihrer eingängigen Melodie und Kürze leichter für die Gemeinde singbar.

Das Gloria wird übrigens nur für die Sonntage außerhalb der Advents- und Fastenzeit gebraucht. Wochentags wird es nur dann genommen, wenn die Liturgie für diesen Tag ein Fest oder Hochfest vorsieht.

Antwortpsalm/Zwischengesang

Nach der (ersten) Lesung wird im Regelfall der Antwortpsalm vorgetragen. Dieser ist, wie auch Lesung(en) und Evangelium ein fester Bestandteil des Wortgottesdienstes und kann daher auch nicht weggelassen werden. Gemeinde und Kantor singen den Kehrvers im Wechsel; die Psalmverse können gesungen oder gelesen werden. Die Vertonungen der Antwortpsalmen finden sich zum Beispiel im "Münchener Kantorale" oder auf der Website antwortpsalm.de; die jeweiligen Antwortpsalmen sind im Mess-Lektionar am jeweiligen Tag vorgegeben, alternativ kann auch ein anderer passender Psalm verwendet werden.

Die FGM hält fest: "Im Notfall darf der Antwortpsalm durch einen anderen dazu geeigneten Gesang ersetzt werden" (Nr. 43). Es sollte aber auch bei diesem Gesang darauf geachtet werden, dass er zum Beispiel den vorgesehenen Antwortpsalm aufgreift (Psalm-Lied), das Thema "Hören auf das Wort Gottes" enthält oder die Schriftlesungen vertieft.

Bild: ©Harald Oppitz/KNA (Symbolbild)

Wird anstelle des Antwortpsalms ein Lied gesungen, muss darauf geachtet werden, dass der Text den vorgesehenen Antwortpsalm aufgreift, das Thema "Hören auf das Wort Gottes" enthält oder die Schriftlesungen vertieft.

Halleluja-Ruf/Tractus

Außerhalb der Fastenzeit wird vor dem Evangelium das Halleluja mit Vers gesungen. Das Gotteslob bietet eine reiche Auswahl an Halleluja-Rufen, der entsprechende Vers findet sich im Mess-Lektionar (beziehungsweise im Schott). In der Fastenzeit tritt an die Stelle des Halleluja ein Christus-Ruf, der sogenannte Tractus.

Credo

An Sonntagen und Hochfesten folgt nach der Homilie das Credo, welches gesprochen oder gesungen werden kann. Da auch das Credo Teil des Ordinarium ist, sollte eine möglichst wortgetreue Vertonung genutzt werden. Wie beim Gloria sieht die FGM aber auch beim Credo eine weitere Möglichkeit vor: "Ausnahmsweise darf es durch ein Credo-Lied ersetzt werden" (Nr. 66). Es scheint angeraten, dass die Ausnahme nicht zur Regel wird, sondern dass es gute Abwechslung zwischen den unterschiedlichen Varianten gibt.

Gabenbereitung

Die Grundordnung des Römischen Messbuchs (GORM) schreibt zur Gabenbereitung: "Gesang kann immer die Riten der Darbringung begleiten, auch wenn keine Gabenprozession vorgesehen ist" (Nr. 74). Das bedeutet, es gibt die Möglichkeit, während der Bereitung der Gaben zu singen, hier ist aber auch der Raum für das "heilige Schweigen". Ein Lied zur Gabenbereitung kann den Festcharakter der liturgischen Zeit beziehungsweise des Festtages aufgreifen oder die liturgische Handlung ins Wort fassen.

Bild: ©hraska/Fotolia.com (Symbolbild)

Während der Gabenbereitung kann gesungen werden – muss aber nicht.

Sanctus

Da auch das Sanctus ein Teil des Ordinariums ist, darf es nicht durch irgendein Lied ersetzt werden. Die FGM hält fest: "Es darf nur durch ein Lied ersetzt werden, das mit dem dreimaligen Heilig-Ruf beginnt und dem Inhalt des Sanctus entspricht" (Nr. 97) Die Sanctus-Lieder, die in das neue Gotteslob aufgenommen wurden, bemühen sich, diesem Kriterium gerecht zu werden. Dennoch entsprechen nicht alle Heilig-Lieder dieser Vorgabe, zum Beispiel "Heilig ist Gott in Herrlichkeit" (GL 199), das nur einen "Heilig"-Ruf beinhaltet oder das berühmte Schubert-Heilig (GL 388), das den Benedictus-Teil nicht übernommen hat und daher im neuen Gotteslob auch nicht unter die Rubrik der Gesänge zum Sanctus aufgenommen wurde.

Agnus Dei

Zur Brechung des Brotes wird das Agnus Dei gesprochen oder gesungen. Auch hier erlaubt es die FGM, anstelle des dreimaligen "Lamm Gottes"-Rufes ein Agnus Dei-Lied zu verwenden (vgl. Nr 140). Ein Lied zum Friedensgruß hingegen ersetzt das Agnus Dei nicht.

Kommunion

Zum Gesang zur Kommunion gilt Ähnliches wie für das Eröffnungslied: Auch hier kann ein Lied genommen werden, dass den entsprechenden Kommunionvers aufgreift (vgl. FGM Nr. 152). Aus praktischen Gründen wird die Kommunionausteilung oft nur von Orgelspiel begleitet; so ist es für die Gläubigen möglich, sich ganz auf den Kommunionempfang zu konzentrieren. In der österlichen Bußzeit sollte die Kommunionausteilung in Stille erfolgen.

Eine Frau empfängt die Eucharistie
Bild: ©Fotolia.com/Gerhard Seybert (Symbolbild)

Oft wird die Kommunionausteilung nur von Orgelspiel begleitet.

Danklied

Das Danklied, das sich vielerorts an den Kommunionempfang anschließt, ist fakultativ. Die GORM legt es zumindest nach einer kurzen, stillen Gebetszeit nahe: "Wenn man möchte, kann auch ein Psalm, ein anderes Loblied oder ein Hymnus von der ganzen Versammlung gesungen werden" (Nr. 88). Die FGM "empfiehlt" ein solches Danklied (vgl. Nr. 157).

Schlusslied

Die Eucharistiefeier endet mit dem Schlusssegen und dem Entlassruf, weder die GORM noch die FGM kennen einen sich daran anschließenden Gesang. Dennoch hat sich das "Schlusslied" in vielen Gemeinden eingebürgert. Mancherorts steht am Ende der Feier ein Segenslied, das der Bitte um den bleibenden Beistand Gottes noch einmal Ausdruck verleiht. Besonders in Bayern ist der Mariengruß an dieser Stelle weit verbreitet; mit ihm vertraut sich die feiernde Gemeinde dem Schutz der Gottesmutter an. Doch kann anstelle eines Schlussliedes auch einfach Orgelspiel die Feier ausklingen lassen.

Von Fabian Brand