Seit Jahrzehnten engagiert er sich ehrenamtlich in der Krankenhausseelsorge

Hans Jürgen Osterberg: Ein Leben im Dienst der Nächstenliebe

Aktualisiert am 10.12.2021  –  Lesedauer: 
Hans Jürgen Osterberg
Bild: © Privat
#jetzthoffnungschenken

Wuppertal ‐ Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für andere da zu sein – besonders für Kranke: Hans Jürgen Osterberg unterstützt seit Jahrzehnten ehrenamtlich die Krankenhausseelsorge im Wuppertaler St.-Josef-Krankenhaus. Der Glaube an Gott ist ihm dafür Kraftquelle und Triebfeder.

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Wenn Hans Jürgen Osterberg durch die Gänge des Wuppertaler St.-Josef-Krankenhauses geht, grüßen ihn die Menschen schon von Weitem. Egal ob Ärzte, Pfleger oder Patienten – "Hänsken", wie der 75-jährige von vielen liebevoll genannt wird, ist bei allen beliebt. Selbst, wenn seine To-Do-Liste im Krankenhaus mal wieder lang ist: Er nimmt sich Zeit für jeden, hat ein offenes Ohr für die Sorgen anderer und immer ein nettes Wort parat. Osterberg ist die Symbolfigur, die stadtbekannte gute Seele des im Volksmund "Kapellchen" genannten Krankenhauses. Seit Jahrzehnten arbeitet er ehrenamtlich in der Krankenhausseelsorge. Denn er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für andere da zu sein, gerade für Kranke und Sterbende.

Dabei meinte es das Leben nicht immer gut mit ihm. Hans Osterberg kam 1946 zur Welt. Kurz nach seiner Geburt ließen sich seine Eltern scheiden, mit acht Monaten kam er zu seinen Großeltern väterlicherseits und wuchs fortan bei ihnen auf. Als er fünf Jahre alt war, wurde seine Großmutter schwer krank – und musste immer wieder für längere Zeit ins "Kapellchen". Der kleine Hans Jürgen wich kaum von ihrer Seite. Die Borromäus-Schwestern, die in dem Krankenhaus ihren Dienst verrichteten, nahmen sich des kleinen Jungen an – und schlossen ihn in ihr Herz.

Borromäus-Schwestern als Vorbilder

Fortan verbringt er einen Großteil seiner Freizeit im Krankenhaus, geht den Schwestern zur Hand und besucht die Patienten in den Krankenzimmern. Er ist fasziniert von der Hilfsbereitschaft, mit der sie die Kranken pflegen, von der Art, wie sie ihren Glauben leben. Sie werdem ihm zu großen Vorbildern. "Von den Schwestern habe ich gelernt, was christliche Nächstenliebe heißt", sagt Osterberg. Durch sie wurde auch die Kirche zu seiner Heimat.

Hans Jürgen Osterberg
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Eine der Paraderollen von Hans Jürgen Osterberg ist die des heiligen Nikolaus. Auch die Ärzte freuen sich, wenn er um den 6. Dezember auf den Stationen unterwegs ist. Corona-bedingt musste er sich dieses und vergangenes Jahr allerdings etwas einfallen lassen.

Bald nach dem Tod der Großmutter, Osterberg war 14 Jahre alt, musste er sich um seinen Großvater kümmern – und tat dies 19 Jahre lang. Für seine eigenen Träume und Wünsche blieb kaum Zeit. Dennoch hilft er weiterhin den Borromäerinnen und spendet den Patienten im "Kapellchen" Trost. Da er nebenbei von etwas leben muss, arbeitet er nach der Lehre als Dekorateur – aber nicht lange. Weil er sich in den Augen seines Chefs zu sehr um seinen Großvater kümmert, wird er entlassen. Osterberg schult zum Masseur um und arbeitet 16 Jahre lang in diesem Beruf – bis Mitte der 1990er Jahre ein Aneurysma in seinem Kopf diagnostiziert wird und er mit etwa 50 zum Frührentner wird. Doch Schonung war für Osterberg keine Option. "Jetzt konnte ich noch mehr ehrenamtlich tun", sagt er heute.

Während die Borromäus-Schwestern das Krankenhaus irgendwann verließen, blieb Hans Jürgen Osterberg – und übernahm immer mehr Aufgaben: Er wurde Küster in der Kapelle, der das Krankenhaus seinen Spitznamen verdankt. Er kümmerte sich fortan um die dem heiligen Josef geweihte Grotte – und machte schließlich eine Ausbildung, um den Patienten im Krankenhaus die Kommunion bringen zu können. Mindestens jeden zweiten Tag ist er im Krankenhaus. "Manchmal komme ich sogar jeden Tag."

Nikolaus – auch virtuell

Eine seiner Paraderollen ist seit Jahrzehnten die des heiligen Nikolaus. Üblicherweise zieht er um den 6. Dezember durch die Stationen, verteilt kleine Geschenke – und hat für jeden einen kleinen Spruch parat. "Die Leute fragen mich immer, wie ich das mache. Ich schreibe mir ja nichts auf", sagt Osterberg – und muss ein wenig lachen. Seit Beginn der Corona-Pandemie muss er aber auf eine Tour durch das Krankenhaus verzichten. Den Kontakt zu den Patienten hielt er dennoch: In der Kapelle steht eine Kamera, die eigentlich die Gottesdienste auf die Fernseher in den Zimmern überträgt. In diese sprach Osterberg – selbstverständlich verkleidet – seine Nikolausbotschaft hinein.

Vor einigen Jahren kam eine weitere Aufgabe hinzu: Hans Jürgen Osterberg wurde Patientenfürsprecher im Josefs-Krankenhaus. Als solcher ist er der Interessenvertreter von Patienten. Er nimmt Wünsche, Kritik oder Lob entgegen und vermittelt bei den zuständigen Stellen. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurde dieses Amt noch wichtiger: Als Verwandte die Patienten wegen strenger Kontaktbeschränkungen nicht besuchen konnten, ging Osterberg in ihrem Auftrag zu den Kranken, brachte Kleidung und Geschenke mit und richtete Grüße aus. "Ich war zeitweise die einzige Verbindung zwischen den Kranken und ihren Angehörigen."

Hans Jürgen Osterberg
Bild: ©Privat

Hans Jürgen Osterberg ist auch in seiner Pfarrei sehr engagiert.

Osterberg ist im Krankenhaus gut beschäftigt. Doch es ist nicht sein einziges ehrenamtliches Tätigkeitsfeld. Er besucht im Auftrag der Pfarrei, in der er lebt, Kranke und Pflegebedürftige zu Hause – und begleitet in einem Altenheim sterbende Menschen. Auch dafür hatte er einst eine Ausbildung gemacht. Selbst, wenn das im Moment schwierig ist: Die Leute dort brauchen ihn, sagt Hans Jürgen Osterberg. "Es geht darum, einfach für sie da zu sein." Er versucht, aus seiner christlichen Überzeugung heraus Hoffnung zu schenken. "Dann sterben sie auch etwas leichter", hat er über die Jahre hinweg festgestellt.

Hans Jürgen Osterberg schöpft alle Energie für seine ehrenamtliche Arbeit aus seinem unerschütterlichen christlichen Glauben. Er ist seine Triebfeder. "Das ist eine Gottesgabe, was du da hast", habe einmal ein Pfarrer über seinen Umgang mit den Patienten zu ihm gesagt. Er selbst sagt über sich, er mache einfach gerne Menschen eine Freude. Ein Arzt habe ihn einmal gefragt, was denn werden soll, "wenn ich einmal nicht mehr bin". Doch daran will Osterberg noch keinen Gedanken verschwenden. Er wird gebraucht – aktuell vielleicht mehr denn je.

Von Matthias Altmann

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