Schwester Regina Greefrath über das Sonntagsevangelium

Eine ungewöhnliche Anlageberatung

Aktualisiert am 12.02.2022  –  Lesedauer: 
Ausgelegt!

Essen ‐ Ausgerechnet die Armen sollen Besitzer sein, während die Vermögenden leer ausgehen? In diesem Evangelium scheint die Welt bei Jesus Kopf zu stehen. Schwester Regina Greefrath lässt sich auf die Strategie Jesu ein – und entdeckt eine Investition, die das Leben jeden Tag ein Stück reicher macht.

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Impuls von Schwester Regina Greefrath

"Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes  doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen." Das, was Jesus in seinen Seligpreisungen hier sagt, klingt zunächst ziemlich verdreht. Ist es nicht eher erstrebenswert, keine (Geld-)Sorgen zu haben, von anderen finanziell unabhängig zu sein und sich ab und zu mal etwas Luxus leisten zu können? Das ist es doch, worauf wir immer und immer wieder getrimmt werden – Leistung zeigen, einen guten Schulabschluss und eine Berufsausbildung machen, um später auf eigenen Füßen stehen zu können und ausgesorgt zu haben.

Doch das Glück der Satten und Reichen ist nur von kurzer Dauer. Besitz und Reichtum mögen in ihnen Habgier und Neid wecken und sie in falschen Sicherheiten wiegen, so dass sie den Blick dafür verlieren, worauf es in Leben wirklich ankommt. Somit ist dieses Glück ein wackeliges Fundament für unser Leben.

Jesus dagegen denkt schon auf die Zukunft hin, die über unser irdisches Leben hinausgeht und in das Reich Gottes mündet. Ihm geht es nicht um Geld, um einen großen Namen, um Erfolg, sondern um langfristige Anlagen für das Leben in Fülle, das uns verheißen ist (Joh 10,10). Und das Kapital, das wir anlegen sollen, ist die Liebe. Wenn wir uns fallen lassen können in die Liebe und Fürsorge Gottes, dann haben wir ein sicheres Fundament für unser Leben.

Es kommt also gar nicht so darauf an, Mensch, dass du berühmt wirst und Geld anhäufst… es kommt darauf an, wie du dich deinen Mitmenschen gegenüber verhältst, was du ihnen zu geben imstande bist. Dein Leben misst sich nicht an deinem Erfolg, dein Leben misst sich an deinen Beziehungen, an der Liebe, die du gegeben hast… das ist das, was über den Tod hinaus von dir bleibt. Manch einer von den Reichen und Satten wird später vielleicht sagen: Hätte ich doch bloß mehr Liebe für meine Mitmenschen gehabt, dann wäre mein Leben erfüllter gewesen. Deswegen steckt in Jesu Worten an sie gleichsam eine Warnung: Wenn ihr so weitermacht, findet ihr nicht euer Glück, sondern stürzt euch ins Unglück!

Sehr einprägsam hat dies Hermann Hesse formuliert: "Den Sinn erhält das Leben einzig durch die Liebe. Das heißt: Je mehr wir zu lieben und uns hinzugeben fähig sind, desto sinnvoller wird unser Leben. Es ist ein merkwürdiges, doch einfaches Geheimnis der Lebensweisheit aller Zeiten, dass jede kleinste selbstlose Hingabe, jede Teilnahme, jede Liebe uns reicher macht, während jede Bemühung um Besitz und Macht uns Kräfte raubt und ärmer werden lässt."

Evangelium nach Lukas (Lk 6,17.20–26)

In jener Zeit stieg Jesus mit den Zwölf den Berg hinab. In der Ebene blieb er mit einer großen Schar seiner Jünger stehen und viele Menschen aus ganz Judäa und Jerusalem und dem Küstengebiet von Tyrus und Sidon waren gekommen.

Jesus richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und wenn sie euch ausstoßen und schmähen
und euren Namen in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.

Freut euch und jauchzt an jenem Tag; denn siehe, euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.

Doch weh euch, ihr Reichen; denn ihr habt euren Trost schon empfangen. Weh euch, die ihr jetzt satt seid;
denn ihr werdet hungern. Weh, die ihr jetzt lacht; denn ihr werdet klagen und weinen. Weh, wenn euch alle Menschen loben. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht.

Die Autorin

Schwester Regina Greefrath CSA gehört dem Orden der Augustiner-Chorfrauen an. Sie unterrichtet am klostereigenen Gymnasium die Fächer katholische Religion und Spanisch und engagiert sich in der AG Berufungspastoral der Orden (AGBO).

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.