Umgang mit Missbrauchstätern "trifft uns wirklich ins Mark"

Immer mehr Religionslehrer im Erzbistum Köln geben auf

Aktualisiert am 07.03.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Die Vertrauenskrise im Erzbistum Köln hat auch Auswirkungen auf das Fach Religion: Die Unzufriedenheit unter Lehrern steige, manche seien zwar weiterhin an den Schulen tätig, gäben aber keinen Religionsunterricht mehr, heißt es.

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Angesichts der Spannungen im Erzbistum Köln zeigen sich katholische Religionslehrerinnen und -lehrer zunehmend unzufrieden. Manche Kolleginnen und Kollegen seien zwar weiterhin an den Schulen tätig, gäben aber keinen Religionsunterricht mehr, sagte die Vorsitzende der Vereinigung katholischer Religionslehrerinnen und -lehrer im Erzbistum Köln, Agnes Steinmetz, am Montag im WDR5-Hörfunkprogramm. Das Lehrpersonal erschüttere besonders die Frage, wie Bistumsverantwortliche mit Missbrauchstätern unter den Priestern umgingen. "Das trifft uns wirklich ins Mark", so Steinmetz.

Im Erzbistum Köln hat vor allem die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zu einer Vertrauenskrise geführt. Zwei von der Erzdiözese in Auftrag gegebene Gutachten sowie ein Missbrauchsprozess gegen einen Priester vor dem Landgericht Köln haben gezeigt, dass hohe Bistumsverantwortliche nicht ausreichend konsequent gegen beschuldigte Geistliche vorgingen.

In den Konflikt in Deutschlands mitgliederstärkster Diözese schaltete sich vergangenes Jahr auch Papst Franziskus ein. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ging nach Absprache mit dem Papst in eine mehrmonatige Auszeit, die vergangene Woche endete. Woelki hat Franziskus mittlerweile seinen Rücktritt angeboten, über den der Papst noch entscheiden muss. Kirchenvertreter sehen die Krise im Erzbistum weiterhin als ungelöst an und hoffen auf eine schnelle Entscheidung von Franziskus. Zuletzt hatte der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln betont, ein klares Schuldbekenntnis Woelkis zu vermissen. (tmg/KNA)