Schreiben hinterlasse "ungutes Gefühl"

Kölner Laien wollen klares Schuldbekenntnis von Kardinal Woelki

Aktualisiert am 04.03.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Sein Schreiben hinterlasse ein "ungutes Gefühl", moniert der Vertreter der Laien im Erzbistum, Tim Kurzbach. Zusammen fanden beide dennoch – in einem anderen Kontext.

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Der Vertreter der Laien im Erzbistum Köln, Tim Kurzbach, hält die Erklärungen von Kardinal Rainer Maria Woelki zum Ende seiner Auszeit für unzureichend. Woelkis Schreiben hinterlasse ein "ungutes Gefühl", teilte der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken am Freitag mit. "Schaut man genauer hin, dann benennt der Kardinal kein einziges konkretes eigenes Versagen, keinen einzigen konkreten eigenen Fehler, keine einzige wirkliche Schuld." Der Vertrauensverlust, den Woelki "persönlich" angerichtet habe, werde nicht klar benannt.

Um seine Einschätzung zu verdeutlichen, verfasste Kurzbach einen "geträumten Brief" des Kardinals. Seiner Meinung nach hätte Woelki zunächst seine "Schuld ohne Wenn und Aber" bekennen müssen und dann um Verzeihung bitten sollen.

Respekt und Kritik für Rücktrittsangebot

Der Erzbischof hatte vergangenen Mittwoch nach einer rund fünfmonatigen Auszeit seine Amtsgeschäfte in Deutschlands mitgliederstärkster Diözese wieder aufgenommen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass er dem Papst seinen Rücktritt angeboten hatte. Woelki meldete sich in einem "Brief zum Aschermittwoch" zurück. Darin schreibt er von "Versäumnissen, den Fehlern und der Schuld in meinem Leben". Wörtlich ergänzte er: "Es tut mir leid, dass diese Zeit für viele Menschen in unserer Kirche eine so belastete Zeit ist. Und ich weiß und es schmerzt mich, dass auch ich für diese Situation Verantwortung trage."

Der Erzbischof bittet um eine zweite Chance und kündigt Gespräche und Begegnungen an. Erste Reaktionen auf das Schreiben reichten von Respekt für das Rücktrittsgesuch bis hin zu weiterer Kritik am Kardinal.

Kardinal Rainer Maria Woelki
Bild: ©KNA/dpa-Pool/Oliver Berg (Archivbild)

Am Aschermittwoch kehrte der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki in sein Amt zurück – und hatte Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten.

Woelki war im Oktober in eine mit dem Papst verabredete "geistliche Auszeit" gegangen. Vor allem die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen hatte zu einer Vertrauenskrise in der Erzdiözese Köln geführt. Nach einer Untersuchung erklärte der Papst, Woelki habe in diesem Zusammenhang "große Fehler" vor allem in der Kommunikation gemacht, aber keine Verbrechen vertuschen wollen. Weihbischof Rolf Steinhäuser leitete das Erzbistum bis vergangenen Dienstag als Übergangsverwalter.

Trotz der Kritik veröffentlichten Laienvertreter Kurzbach und Woelki am Freitag einen gemeinsamen Appell zum Krieg in der Ukraine. Zusammen mit weiteren Amtsträgern riefen sie die Kirchengemeinden auf, bis Ostern täglich die Glocken läuten zu lassen "als Mahnung für den Frieden". Die Pfarreien sollen zudem ihre Kirchen für Gebet und Rückzug offenhalten.

Ansonsten blieb Woelki in den ersten Tagen seiner Rückkehr für die Öffentlichkeit weitgehend abgetaucht. Am Aschermittwoch fehlte er – anders als zunächst angekündigt – bei einer Messe im Kölner Dom. Diesen Samstag findet ein Gottesdienst zum Auftakt der Fastenzeit in Düsseldorf ebenfalls ohne den Erzbischof statt. Weihbischof Steinhäuser wird ihn vertreten. Ab Montag nimmt Woelki allerdings an der Frühjahrsvollversammlung der deutschen katholischen Bischöfe im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen teil. Üblicherweise predigt er in diesem Rahmen während eines Gottesdienstes. Auch dieser Auftritt fällt aus. (KNA)