Kritik am Kölner Erzbischof komme "aus verschiedenen Richtungen"

Diözesanpastoralrat-Mitglied verteidigt Kardinal Woelki gegen Angriffe

Aktualisiert am 11.03.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Es scheine so, "als ob jeder seinen persönlichen Unmut über das, was in der Kirche passiert, auf den Kardinal abladen würde": Erzbischof Woelki bekommt Rückendeckung aus dem Kölner Diözesanpastoralrat.

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Ein Mitglied des Diözesanpastoralrats im Erzbistum Köln verteidigt Kardinal Rainer Maria Woelki gegen Angriffe. Die Kritik an Woelki komme "aus verschiedenen Richtungen", sagte Stephan Neuhoff dem Online-Portal "domradio.de" am Freitag. "Als ob jeder seinen persönlichen Unmut über das, was in der Kirche passiert, auf den Kardinal abladen würde."

Der 74 Mitglieder umfassende Diözesanpastoralrat ist das zentrale Beratungsorgan des Kölner Erzbischofs. Vor dem Ende von Woelkis mehrmonatiger Auszeit hatten sich Mitglieder des Gremiums skeptisch bis ablehnend über dessen Rückkehr geäußert.

Kardinal suche "wirklich das Gespräch"

Neuhoff hingegen erklärte, seinem Eindruck nach suche Woelki "wirklich das Gespräch" und bemühe sich, Polarisierungen aufzulösen. Der Missbrauchsskandal habe "einen richtigen Damm des Hasses geöffnet – nicht innerhalb der Kirche, das will ich jetzt nicht sagen, von außen". Doch auch in der Kirche gebe es eine Härte in der Auseinandersetzung, "die ich manchmal nicht nachvollziehen kann", so Neuhoff. Er würde sich wünschen, dass mehr über Inhalte und den "Kern des Glaubens" gesprochen werde. Auf dieser Grundlage könnten sich dann alle Fragen nach Struktur und Wegen in die Zukunft entwickeln.

Im Erzbistum Köln hat vor allem die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen zu einer Vertrauenskrise geführt. In den Konflikt in Deutschlands mitgliederstärkster Diözese schaltete sich vergangenes Jahr auch Papst Franziskus ein. Nach Absprache mit dem Papst ging Woelki in eine mehrmonatige "geistliche Auszeit", die vergangene Woche endete. Am Tag seiner Rückkehr veröffentlichte der Kardinal einen Hirtenbrief zur Fastenzeit, in dem er um eine zweite Chance bittet. Gleichzeitig wurde bekannt, dass er seinen Rücktritt angeboten hat. Über diesen muss Franziskus noch entscheiden. Außer dem Diözesanpastoralrat äußerten sich vor Woelkis Rückkehr auch andere Gremien im Erzbistum sowie Vertretende der Kirchenbasis kritisch.

Zuletzt hatte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, Woelki eine zweite Chance gewünscht. "Ich wünsche ihm und dem Erzbistum Köln, dass beide Seiten aufeinander zugehen und Brücken des Dialogs und der Verständigung bauen", sagte Bätzing bei der Abschlusspressekonferenz der DBK-Frühjahrsvollversammlung in Vierzehnheiligen. Er wünsche sich, dass ein Weg der Versöhnung im Erzbistum Köln gelinge und hoffe, dass sich dieser positiv auf die Kirche in Deutschland auswirke. "Auch für Kardinal Woelki und das Erzbistum Köln gelten: Jeder hat eine neue Chance verdient." (tmg/KNA)