Kardinal Rainer Maria Woelki im Interview
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Kardinal Woelki zieht Bilanz vor seinem Wechsel von Berlin nach Köln

"Die Diaspora hat mich tief beeindruckt"

Kirche - Nach drei Jahren endet die Amtszeit von Kardinal Rainer Maria Woelki an der Spitze des Erzbistums Berlin. Nun kehrt er in seine rheinische Heimat zurück und wird Erzbischof von Köln. Seit 2011 hat Woelki im Hauptstadtbistum anspruchsvolle Projekte wie eine Diözesanreform und die Sanierung der Hedwigskathedrale auf den Weg gebracht. Im Interview zieht er Bilanz.

Berlin - 04.09.2014

Frage: Herr Kardinal, Sie gehen zurück an den Rhein. Bleibt trotzdem noch ein Koffer in Berlin?

Woelki: Auf jeden Fall. Ich nehme nicht leichten Herzens Abschied, da mir das Erzbistum Berlin und die Menschen hier sehr ans Herz gewachsen sind. Sie jetzt zurücklassen zu müssen, fällt mir schon schwer. Wir haben viel gemeinsam erlebt, wenn ich nur an den Papstbesuch denke. Wir haben auch gemeinsam eine Reihe von Projekten und Ideen angestoßen.

Der Siegerentwurf für die Neugestaltung des Innenraums der Hedwigkathedrale.

Frage: Zwei der größten Baustellen, die Bistumsreform und die Kathedralsanierung, sind unvollendet. Die Gegner dieser Projekte könnten jetzt Morgenluft schnuppern und dafür eintreten, dass alles wieder auf Eis gelegt oder revidiert wird.

Woelki: Viele haben sich bereits auf den Prozess "Wo Glauben Raum gewinnt" eingelassen und sind unterwegs aufeinander zu, ich kann auch keine grundsätzlichen Alternativen erkennen. Mit der Entscheidung der Jury zum Architekten-Wettbewerb liegt ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch, weitere Schritte sind auch ohne mich in der Planung. Mein Nachfolger wird dann auf seine Weise dort weiterbauen können, wo ich jetzt aufgehört habe.

Frage: Für die Neugestaltung der Sankt-Hedwigs-Kathedrale gibt es zwar einen Entwurf, aber kein Finanzierungskonzept. Sie haben angekündigt, das Projekt auch als Erzbischof von Köln zu unterstützen. Wie?

Woelki: Es steht auch für die Bischofskonferenz außer Frage, dass es für die katholische Kirche wichtig ist, in der Hauptstadt präsent zu sein, im Dialog mit Entscheidungsträgern zu stehen. Dazu gehört auch die Sankt-Hedwigs-Kathedrale als der Ort, der das Bild von katholischer Kirche in der Hauptstadt prägt. Das alles kann eine Diaspora-Diözese nicht alleine leisten. Deshalb ist das Engagement der gesamten katholischen Kirche in Deutschland gefragt, nicht nur finanziell. Wir haben gerade im Ständigen Rat der Bischofskonferenz eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich nun mit der Thematik beschäftigt.

Frage: Die Stärkung der Theologie in der Hauptstadt ist ebenfalls Ihr Anliegen. Pläne für eine katholische Fakultät sind wieder vom Tisch – das Thema insgesamt auch?

Woelki: Nein. Es sind Gespräche geführt, die auch eine gewisse Konkretion haben. Die Spur ist gelegt. Aber diese weiterzuverfolgen, ist nun Sache meines Nachfolgers.

Frage: Inwiefern hat Sie die Berliner Zeit geprägt?

Woelki: Es ist eine der großen europäischen Metropolen, mit vielen Nationen und Religionen . Das hat meinen Blick verändert und geweitet. Ich habe gespürt, wie wichtig der interreligiöse und der interkulturelle Dialog sind. Das nehme ich mit nach Köln.

Frage: Auch Ihre Diaspora-Erfahrung?

Woelki: Ja, denn es hat mich tief beeindruckt, wie engagiert die Gläubigen hier in der Diaspora sind. Welch' lange Wege sie auf sich nehmen, um etwa Gottesdienst feiern zu können. Im Rheinland ist man da schon etwas bequemer.

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Für die katholisch.de-Serie "Freundebuch" hat uns Rainer Maria Woelki einen Einblick in sein Leben gewährt.

Frage: Sie kehren nach Köln in Ihr Heimatbistum zurück, nun als "Chef". Was ist das für ein Gefühl?

Woelki: Ich bin vertraut mit der Erzdiözese, und es ist ein gutes Gefühl. Zugleich fühle ich mich ein bisschen als ein Neuer. Dieses Herausgerissen-Werden aus Berlin hat bei mir schon auch eine gewisse Verunsicherung ausgelöst. Was kommt da auf mich zu? Hier in Berlin war ich auf einem guten Weg.

Frage: Der Magdeburger Bischof Feige hat Ihren raschen Wechsel zurück nach Westdeutschland als " kein ermutigendes Signal für den Osten " gewertet.

Woelki: Das kann ich verstehen und auch nachvollziehen. Aber es scheint darüber hinaus noch andere Gründe gegeben zu haben, die den Heiligen Vater veranlasst haben, mich auf die Liste für Köln zu setzen.

Frage: Sie haben hier im Wedding gewohnt, in Köln dann im Bischofshaus am Dom. Was werden Sie aus Ihrem Kiez vermissen?

Woelki: Das sprudelnde Leben, das direkt vor der Haustüre beginnt. Ich mag auch sehr die Nähe zur Bornholmer Brücke, wo sich 1989 zuerst die Grenze geöffnet hat. Das erinnert mich immer an meinen Dienst als Bischof: Grenzen überwinden, Brücken schlagen, Menschen zusammenführen, Einheit stiften.

Frage: Am 12. Bundesliga-Spieltag trifft Berlins Hertha auf den 1. FC Köln – haben Sie sich's als bekennender FC-Fan schon vorgemerkt?

Woelki: Da werde ich im Kölner Stadion dabei sein. Das steht schon im Kalender.

Das Interview führte Karin Wollschläger (KNA)