Der Dauerläufer
Erzbischof Ludwig Schick feiert seinen 65. Geburtstag

Der Dauerläufer

Ob zum Sonntagsschutz, zu Waffenlieferungen an Kurden oder zur Kinderpornografie - der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick mischt sich in aktuelle gesellschaftliche Debatten ein. Und das nicht nur via Predigt oder Pressemitteilung, sondern auch mit Beiträgen im Kurznachrichtendienst Twitter oder Wortmeldungen bei Facebook. Und dies macht er auch von unterwegs, egal in welchem Land er auch immer ist.

Bamberg - 22.09.2014

Denn Schick ist nicht nur Erzbischof von Bamberg, sondern zudem Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz . Am 22. September feiert er seinen 65. Geburtstag.

Seit 2002 steht der gebürtige Marburger an der Spitze des über 1.000 Jahre alten Bistums Bamberg und ist beim Kirchenvolk ein beliebter Seelsorger. Zuvor lehrte Schick ab 1981 Kirchenrecht an der Theologischen Fakultät Fulda und am Katholischen Seminar der Philipps-Universität Marburg. Ab 1998 war er als Generalvikar und ab 1998 als Weihbischof im Bistum Fulda tätig. Als Wahlspruch wählte er aus dem Korintherbrief "Sapientia nobis a deo" (Jesus Christus - die Weisheit uns von Gott gegeben).

Erzbischof Schick im Gespräch mit einem Kubaner.

Acht Tage lang informierte sich Erzbischof Ludwig Schick über die Kirche auf Kuba.

Schon seit acht Jahren ist Schick gewissermaßen der Außenminister der katholischen Kirche Deutschlands. Er äußerte sich kritisch zur Menschenrechtslage in Simbabwe, kritisierte die Kirchenpolitik der Türkei und mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu mehr Engagement gegen den weltweiten Waffenhandel. Allerdings befürwortet er in Ausnahmefällen, auch die Lieferung von Waffen, wie jüngst an die Kurden im Nordirak. "Die Kirche muss immer auf der Seite derer stehen, die bedroht sind, die schwach sind, und muss ihnen eine Stimme geben."

Eine enge Freundschaft verbindet den Erzbischof mit dem ehemaligen Vorsitzenden der guatemaltekischen Bischofskonferenz, Alvaro Ramazzini . Ramazzini gilt wegen seines Engagements für die Landarbeiter und seiner Kritik an Bergbaufirmen als "roter Bischof".

Eine Vergebungsbitte machte Schlagzeilen

Aufhorchen ließ Schick auch immer wieder mit Einlassungen zu innerkirchlichen Themen: Beim Missbrauchsskandal plädierte er sehr früh für absolute Offenheit: "Diese Eiterbeule muss aufgestochen werden, es muss alles heraus, damit Heilung geschehen kann." Zum Bistumsjubiläum 2007 machte er mit der Vergebungsbitte für die Verfehlungen der Kirche Schlagzeilen. Allerdings war nicht jeder in Rom von dem "mea culpa" für die schwarzen Flecken der vergangenen 1.000 Jahre begeistert.

Im Kern ist Schick jedoch in kirchlichen Fragen konservativ, auch wenn er mit einem Spiegel-Interview vor dem Ökumenischen Kirchentag 2010 in München kurzzeitig für Furore sorgte. Darin warb er dafür, über den Zölibat nachzudenken. Eine Abschaffung wollte der Erzbischof jedoch nicht gefordert haben, stellt er hinterher immer wieder klar.

Erzbischof Dr. Ludwig Schick und Papst Tawardos II. mit Msgr. Joachim Schroedel
Bild: © Drabinski/DBK

Erzbischof Dr. Ludwig Schick und Papst Tawardos II. mit Msgr. Joachim Schroedel, Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Kairo.

Die Ehelosigkeit der Priester sei eine wichtige Lebensform, brauche aber eine freiwillige Entscheidung. Und in der jüngsten innerkirchlichen Debatte um Sexualmoral und Familie gehörte er zu denen, die vor einer Anpassung an den Zeitgeist warnten - ganz zeitgemäß, via Twitter.

Sparsam und bescheiden

Bei Finanzen und Organisation hat Schick im eigenen Erzbistum Führungsstärke bewiesen. Mit einem strikten Sparkurs sanierte er den Diözesanhaushalt. Dabei wurde zwar so manches Murren laut, doch Demonstrationen wie in manch anderem Bistum blieben aus. Auch die Zusammenlegung der Pfarreien zu Pfarrgemeinschaften innerhalb eines Jahres wurde von den meisten Gläubigen akzeptiert.

Schick wird als bescheidener Bischof wahrgenommen. Trotzdem öffnete er in der Debatte um die Vorgänge in Limburg für Journalisten seine Privatgemächer samt Bad. Nicht fehlen durfte hinterher dann das Bild der erzbischöflichen Laufschuhe. Nicht nur die morgendlichen Jogging-Runden durch die Bamberger Altstadt verlangen von dem Sportabzeichen-Träger und bekennenden Fan des 1. FC Nürnberg Ausdauer, sondern auch sein Terminkalender. Der nämlich ist immer gut gefüllt, dank des großen Erzbistums und der weiten Welt.

Von Christian Wölfel (KNA)