Politik habe auch eine theologische Dimension

SPD-Politikerin Schwan: Trete trotz der Skandale nicht aus Kirche aus

Aktualisiert am 05.05.2022  –  Lesedauer: 

Erfurt ‐ "Ich glaube, ohne die Institution kann sich die frohe Botschaft vom Evangelium nicht halten – nur institutionell gestützt wird sie sich weiter verbreiten": Ein Kirchenaustritt kommt für Gesine Schwan nicht in Frage.

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Die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan will trotz aller kirchlichen Skandale nicht aus der katholischen Kirche austreten. "Ich glaube, ohne die Institution kann sich die frohe Botschaft vom Evangelium nicht halten – nur institutionell gestützt wird sie sich weiter verbreiten", sagte die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission und Präsidentin der Humboldt-Viadrina Governance Platform am Mittwochabend bei den "Erfurter Kreuzganggesprächen".

Politik hat nach Ansicht Schwans auch eine theologische Dimension. "Gott nimmt uns in die Pflicht, die Welt im Sinne des Heils partnerschaftlich mitzugestalten – das bedeutet zugunsten von gemeinwohlorientieren Entscheidungen mitzuwirken", sagte die Politikwissenschaftlerin. So verstehe sie Politik und politisches Wirken.

Glaube ist Geschenk und mutiger Schritt

"Gott hat die Welt nicht zum Untergang, sondern zum Heil geschaffen und bleibt als Partner und Unterstützer lebendig", führte Schwan aus. Die frohe Botschaft besage, dass das Unheil und Schlechte in der Welt nicht das letzte Wort hätten. "Das zu glauben, das ist ein Sprung, den wir machen müssen, da es für diese Aussage keinen empirischen Beweis gibt." Der Glaube sei ihres Erachtens ein Geschenk und ein mutiger Schritt: "Glaube ist nicht kohärent logisch, sondern immer ein Zusammenwirken von Geschenk, Gnade und eigener Anstrengung."

Das christliche Liebesgebot hat nach Ansicht Schwans ebenfalls politische Relevanz: "Es geht darum, ständig darauf aus zu sein, das Wohlergehen aller – auch der Gegner – im Blick zu haben und unermüdlich Wege dafür zu suchen." Das falle mitunter schwer und verlange teils sehr viel Kraft und Selbstbeherrschung. Zugleich betonte sie: "Das bedeutet aber nicht, um des lieben Friedens willen immer nachzugeben. Manchmal kann es auch richtig sein, aus Liebe Widerstand zu leisten."

Die "Erfurter Kreuzganggespräche" werden traditionell im Mai vom Katholischen Forum im Land Thüringen und der Katholisch-Theologischen Fakultät organisierten . Die dreiteilige Reihe steht dieses Jahr unter dem Thema "Gott?! Wer ist das eigentlich". (tmg/KNA)