Verhalten des Patriarchen müsse "ökumenisches Her erschüttern"

Kardinal Koch: Verhalten von Kyrill I. "erschütternd"

Aktualisiert am 08.05.2022  –  Lesedauer: 

Rom ‐ Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. steht fest an der Seite von Präsident Wladimir Putin – auch im Angriffskrieg gegen die Ukraine. Kurienkardinal Kurt Koch sagt, ein solches Verhalten müsse "jedes ökumenische Herz erschüttern".

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Kurienkardinal Kurt Koch hat das Verhalten des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. in Sachen Ukraine kritisiert. Wenn ein derart furchtbarer Krieg sogar religiös legitimiert werde, "muss ein solches Verhalten jedes ökumenische Herz erschüttern", sagte Koch dem Schweizer Portal "kath.ch" (Wochenende). Die Beziehungen des Vatikan zur russisch-orthododoxen Kirche hätten vor diesem Hintergrund "einen völlig anderen Charakter erhalten", so der für Ökumenefragen zuständige Kardinal.

Kyrill gilt als enger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. In den vergangenen Wochen hatte der Geistliche den Einmarsch in die Ukraine unter anderem als "metaphysischen Kampf" des Guten gegen das Böse aus dem Westen gerechtfertigt. Auch in einer Videoschalte mit Papst Franziskus Mitte März verteidigte der Patriarch Moskaus Standpunkt. Franziskus forderte ihn später in einem Interview auf, sich nicht zum "Messdiener Putins" zu machen.

Die Absage des Papstes für ein geplantes Treffen der beiden Kirchenoberhäupter Mitte Juni bezeichnete Koch als folgerichtig. Er sei froh, dass die Begegnung nicht stattfinde, denn sie "wäre wohl zum größten Teil missverstanden worden". Dennoch müsse der Dialog weitergeführt werden. Zu diesem Zweck wolle Franziskus "alle Türen offen lassen", um zu einer friedlichen Lösung beizutragen.

Kyrill I. weist Kritik zurück

Derweil hat Kyrill I. Kritik an seiner Haltung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zurückgewiesen. "Meine Worte sind keine militaristische Rede des Patriarchen, wie es unsere Gegner bezeichnen wollen. Das ist alles Blödsinn", sagte er am Sonntag. Das Kirchenoberhaupt verwies darauf, dass Verwandte von ihm im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen seien, etwa bei der der Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht.

Kyrill I. behauptete zudem, Russland habe nie einen Angriffskrieg geführt und wolle keinem Land Schaden zufügen, es besetzen oder plündern. Er mahnte die bei dem Gottesdienst anwesenden Soldaten, dass die Freiheit und Unabhängigkeit Russlands davon abhänge, wie sie ihr Vaterland verteidigten. Sie sollten bereit sein, ihre "Seele" für ihre Freunde zu geben, wie es Gottes Gebot sei.

Die EU-Kommission schlägt in ihrem sechsten Sanktionspaket auch ein Einreiseverbot für Kyrill I. und das Einfrieren seines Vermögens vor. Damit dies in Kraft treten kann, müssten alle Mitgliedsländer zustimmen. Ungarns Regierungschef Viktor Orban lehnt allerdings Sanktionen gegen den russisch-orthodoxen Patriarchen ab. Er begründete dies am Freitag in einem Interview mit der Religionsfreiheit. (cph/KNA)

8.5., 17:15 Uhr: Ergänzt um die letzten drei Absätze.