Ein verzweifelter Syrer sitzt vor seinem im Krieg zerstörten Haus.
Bild: © KNA
Seit zwei Jahren herrscht in Syrien blutiger Bürgerkrieg

Horror ohne Ende

Syrien - Zwei Jahre ist es nun her, dass die Wut der Bewohner der syrischen Stadt Dar'a ihre Angst vor Repressionen besiegte. Die Menschen gingen auf die Straße und demonstrierten friedlich gegen Präsident Baschar al-Assad. Auslöser war ein Akt unvorstellbarer Grausamkeit: Das Regime ließ Kinder festnehmen und foltern.

Bonn - 18.03.2013

Sie hatten den Slogan "Das Volk will den Sturz des Regimes", den sie auf Fernsehbildern aus Tunesien und Ägypten gesehen hatten, an die Wände der Stadt gesprüht. Es war also ein Kinderstreich, der den vermeintlich allmächtigen Herrscher nervös werden ließ.

Anders als in den Nachbarländern entwickelte sich aus den Protesten aber kein "Arabischer Frühling". Stattdessen wurde das Horror-Szenario eines blutigen Bürgerkriegs Realität. Heute vor zwei Jahren starben die ersten Menschen bei den Protesten. Rund 70.000 Tote und Millionen Flüchtlinge - das ist bisher die traurige Bilanz des Konflikts. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht.

Wer ist gut? Wer ist böse?

War es zu Beginn noch recht einfach, Gut von Böse zu unterscheiden, fällt das heute schwerer. In die ursprünglich friedlichen Proteste der Opposition haben sich zunehmend gewaltbereite Gruppen gemischt, es ist von Gräueltaten auf beiden Seiten zu hören. "Man weiß nicht mehr, wer auf welcher Seite steht. Die Verhältnisse sind absolut undurchsichtig", erklärt Vera Jeschke, beim Hilfswerk Caritas international als Länderreferentin zuständig für Syrien, gegenüber katholisch.de.

Jeschke hat einen direkten Draht zu ihren Kollegen vor Ort, sie ist erst vor wenigen Tagen von einer Reise in die Region zurückgekehrt: "Uns erreichen erschütternde Informationen aus Syrien", sagt sie. "Menschen werden als Schutzschilde missbraucht, wir hören auf beiden Seiten von Vergewaltigungen, Folterungen und willkürlichen Erschießungen".

Syrische Flüchtlinge in Jordanien.

Syrische Flüchtlinge in Jordanien.

Ganze Familien werden ausgelöscht

Ein ähnliches Bild zeichnet auch amnesty international (ai). Nach Recherchen der Hilfsorganisation bombardieren syrische Regierungstruppen wahllos Zivilisten und setzen dabei auch Streubomben ein. Sie machten ganze Nachbarschaften dem Erdboden gleich, ganze Familien werden den Angaben zufolge ausgelöscht. Unter den Opfern seien viele Kinder. Und auch durch oppositionelle Gruppen gebe es immer häufiger Übergriffe.

Millionen von Menschen müssen ihre Heimat verlassen. Viele Flüchtlinge gehen nach Jordanien und in den Libanon. Die Bevölkerung der Nachbarländer ächzt unter dieser Last. "Im Libanon halten sich geschätzt eine Million Syrer auf, und das bei einer Bevölkerung von rund 4,5 Millionen. Das setzt Land und Bevölkerung unter einen unvorstellbaren Druck", erklärt Vera Jeschke.

Unterstützung durch Caritas international

In Jordanien ist das Verhältnis mit 400.000 Flüchtlingen bei einer Bevölkerung von rund 6,3 Millionen zwar nicht ganz so dramatisch. Dennoch hat Caritas international angesichts der angespannten Lage erst vor kurzen angekündigt, die Hilfe in der Region weiter auszubauen. Ohnehin unterstützt das Hilfswerk mit seinen Projekten nicht nur die Flüchtlinge. 20 bis 30 Prozent der Mittel kommen der einheimischen Bevölkerung zugute. Bei ihren Besuchen von Flüchtlingen sieht Vera Jeschke oft verzweifelte Menschen: "Da sind erwachsene Männer, die sturzbachartig weinen, weil sie alles verloren haben". Auch innerhalb von Syrien sind Hunderttausende Menschen als Binnenflüchtlinge unterwegs.

Unter ihnen befinden sich auch Christen. Sie bilden in Syrien eine kleine Minderheit, die nun zwischen den Fronten steht. "Das Assad-Regime ließ den Christen in der Vergangenheit in einem eng gesteckten Rahmen eine relative Religionsfreiheit", sagt Vera Jeschke. Aufgrund eines guten Bildungsniveaus verfügten außerdem viele von ihnen über einen bescheidenen Wohlstand. Die Christen würden also tendenziell als regimefreundlich eingeschätzt. "Geben sie das zu erkennen, dann machen sie sich zur Zielscheibe der Opposition, schlagen sie sich auf die Seite der Opposition, dann geraten sie ins Visier des Regimes", so Jeschke: "Langfristig sind sie also auf der Verliererseite". (mit Material von KNA)

Von Gabriele Höfling