Katholischer Wellnessabend mit Ludwig Schick und Markus Söder in Nürnberg

Wenn sich Erzbischof und Ministerpräsident zur Plauderstunde treffen

Aktualisiert am 13.11.2022  –  Lesedauer: 

Nürnberg ‐ Erzbischof Schick und Ministerpräsident Söder im Gespräch: Ein Katholik, der gerade sein Amt abgegeben hat, und ein Protestant, der nächstes Jahr wiedergewählt werden will. Das versprach einen spannenden Abend.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat seine Arbeitswoche am Freitagabend mit einem Heimatbesuch in Nürnberg ausklingen lassen. Im Caritas-Pirckheimer-Haus plauderte er mit dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick auf einem Podium. Hausherr Siegfried Grillmeyer hatte angekündigt, es werde kein Schlagabtausch;  dazu sind sich die beiden Männer ohnehin viel zu lange in gegenseitigem Respekt verbunden.

Eine gewisse Spannung versprach das Aufeinandertreffen der beiden in unterschiedlichen Lebenslagen: Auf der einen Seite der auf eigenen Wunsch vorzeitig emeritierte Erzbischof, auf der anderen der Unionspolitiker mit dem Ehrgeiz, noch mindestens die nächste Landtagswahl 2023 gewinnen zu wollen. Dass auch für Söder danach Schluss sein soll, wie er vor einiger Zeit hat wissen lassen, kam allerdings nicht erneut zur Sprache.

Vertrauen als zentrales Thema des Abends

Vertrauen sollte das Thema sein, also "die zentrale Kategorie öffentlichen und religiösen Lebens", eröffnete Grillmeyer den 90-minütigen Austausch. Söder blendete zurück auf den Beginn der Pandemie. In der Zeit, als es für ihn galt, schwere Entscheidungen über Leben und Tod zu fällen, habe er sich bisweilen sehr allein gefühlt. "Da habe ich es als Geschenk empfunden, dass ich beten kann und dabei auch Antworten erhalte", sagte der CSU-Politiker.

Söder und sein Glaube – der bayerische Regierungschef zählt zu den inzwischen rar gesäten Politikern in Deutschland, die ihr Christsein offensiv vertreten. "Ich glaube, dass das Leben ein Stück ärmer ist, wenn einer nicht glauben kann", beschrieb der 55-Jährige seine Grundeinstellung. "Ich würde aber niemandem vorschreiben, was er glauben soll."

Als eine wichtige Wegmarke in seiner religiösen Biografie markierte der Christsoziale den Tod seiner Eltern. Sein Vater sei auf einer Palliativstation gestorben. Er habe eine solche Einrichtung zuvor nicht gekannt, dort aber "erlebt, was Frieden und Würde ist". Wenn Söder so spricht, wirkt das durchaus authentisch.

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Und der 73-jährige Kirchenmann? Überließ seinem Gegenüber weitgehend die Bühne. Wer sich erhofft hatte, da wage einer, befreit von der Bürde der Verantwortung, ein persönliches, undiplomatisches Wort, wurde enttäuscht. Aber das war noch nie Schicks Stil. Auch die Aufforderung des Moderators, einmal den Finger in die Wunde der jeweils anderen Seite zu legen, Stichwort Maskenaffäre, verfing nicht so recht.

Schick beließ es bei dem allgemeinen Hinweis, jede Form von Korruption sei "ein Schlag gegen das Vertrauen". Er selbst habe aber weiter grundsätzliches Vertrauen nicht nur auf Gott, sondern auch in den Staat, Justiz und Polizei.

Es war der Moment, in dem das Gespräch verflachte. Auch deshalb, weil Söder in flapsigem Ton zu einer Bibeleinheit ansetzte. "Der Mensch ist fehlbar, seit Adam und Eva. Dieser blöde Apfel hat leider dazu geführt, dass wir das Paradies verloren haben." Wichtig sei halt eine "gute Fehlerkultur". Beim Missbrauchsskandal der katholischen Kirche übrigens habe man lange den Eindruck haben können, "dass die Konsequenz in der Aufarbeitung ausbaufähig ist".

Frauen und Kirche: Ein "Knackpunkt", der gelöst werden muss

Flapsig reagierte der Ministerpräsident auf die Frage eines jungen Mannes, der sich für die Absenkung des Wahlalters aussprach. Die Volljährigkeit beginne in Deutschland nun einmal mit 18, sagte Söder. Dass auch Autofahren schon mit 16 erlaubt werden sollte, fände er nicht gut. Wenn sich der junge Mann politisch engagieren wolle, solle er eben in die Junge Union eintreten.

An Schick war es, auf eine andere Publikumsfrage zu reagieren: "Wieso haben die Bischöfe so wenig Vertrauen in die Frauen?" Worauf der Erzbischof sagte, das priesterliche Amt, von dem Frauen bisher ausgeschlossen sind, sei "ein Knackpunkt", der "gelöst" werden müsse. Man solle aus diesem Problem aber nicht den Schluss ziehen, dass Frauen in der katholischen Kirche "missachtet und unterdrückt" würden.

Worauf sich Söder einen weiteren biblischen Exkurs nicht verkneifen konnte: "Ich glaub', der Jesus hätte das gut gefunden. Der hatte mehr Vertrauen in Frauen als in die Hohenpriester."Das war über weite Strecken unterhaltsam, mehr Tiefgang hätte dem Gesprächsformat aber nicht geschadet.

Von Christoph Renzikowski (KNA)