Der Vatikan hat sich offenbar für abfällige Worte des Papstes über ethnische Minderheiten in der Russischen Föderation entschuldigt. Vatikansprecher Matteo Bruni erklärte dazu am Donnerstag: "Ich kann bestätigen, dass es diesbezüglich diplomatische Kontakte gab." Zuvor hatte eine Sprecherin des russischen Außenministeriums von einer Entschuldigung durch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gesprochen und die Angelegenheit als erledigt bezeichnet.
Anlass waren Worte des Papstes in einem am 22. November veröffentlichten Gespräch mit der Jesuitenzeitschrift "America". In diesem hatte Franziskus gesagt, die grausamsten Soldaten der russischen Armee seien "vielleicht jene, die zu Russland gehören, aber nicht zur russischen Tradition, wie etwa die Tschetschenen, die Burjaten und so weiter". Damit bezog sich der Papst offenbar auf Medienberichte, wonach Soldaten aus dem Kaukasus und aus Südsibirien einen relativ großen Anteil der russischen Invasions-Streitmacht in der Ukraine stellen und an vielen Kriegsverbrechen beteiligt sein sollen.
Die Papstaussagen waren auf scharfe Kritik aus Russland und Tschetschenien gestoßen. Der russische Vatikan-Botschafter Alexander Avdeev sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti, er habe gegenüber dem Heiligen Stuhl seine Empörung zum Ausdruck gebracht. Tschetschenen-Führer Ramsan Kadyrow erklärte laut der Agentur Interfax über seinen Telegram-Kanal, der Papst sei offenbar "einfach ein Opfer der Propaganda und Beharrlichkeit ausländischer Medien geworden". (tmg/KNA)