Johanniskraut
Kräuter der "Hildegard-Medizin" für ein intaktes Immunsystem

Gesund durch das Frühjahr

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen juckt es den Hobbygärtnern schon wieder in den Fingern. Die Frühjahrsbeete wollen bestellt und die ersten Küchenkräuter geerntet werden. Doch die frischen Kräuter schmecken nicht nur als würzige Beigabe zu Speisen, sondern helfen gegen allerlei Beschwerden und stärken das Immunsystem.

Bonn - 11.05.2013

Davon ist Johanna Eisner überzeugt. Seit über 20 Jahren befasst sich die ehemalige Hauswirtschaftsmeisterin des Klosters Speinshart in der Oberpfalz mit den Empfehlungen der christlichen Mystikerin aus dem Rheinland. Schon vor Jahrzehnten versorgte sie die Prämonstratenser-Brüder im Klosterdorf mit frischen Zutaten aus dem Hildegard-Garten.

Heute hält sie Vorträge, gibt Kochkurse und sieht sich selbst als bestes Beispiel für die nachhaltige Wirkung der "Hildegard-Medizin". Schwere Allergien, die mit tränenden Augen, triefender Nase und Atemnot einhergingen, will die bodenständige Oberpfälzerin mit Hilfe der stärkenden Naturmedizin auskuriert haben.

Denn nach den Überlieferungen der heiligen Hildegard, die im Oktober vergangenen Jahres von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin ernannt worden ist, ist gegen jedes Übel ein Kraut gewachsen. Die Bitterstoffe der frischen Ysop-Blätter stärken Leber und Galle, während schon wenige Bärwurz-Stückchen blutreinigend wirken.

Das Zwergbohnenkraut hilft wie der Gartensalbei gegen Entzündungen und die Weinraute bei Blähungen und Völlegefühl. Der harntreibende Estragon, der besonders nach den langen Wintermonaten für ausreichende Mineralzufuhr sorgt, sollte in Kräuterschnecken und Bauerngärten ebenso wenig fehlen wie der kreislaufanregende Rosmarin, die beruhigende Zitronenmelisse oder der Gartendill, der Gicht- und Rheumabeschwerden mildern kann.

"Meister gegen alle Schwächen"

Wer auf die Schnelle seine Immunabwehr kräftigen möchte, dem empfiehlt die Hildegard-Expertin eine Wertmut-Kur im Mai. Dazu werden Wein und Honig kurz aufgekocht und die Blätter sowie der frisch gepresste Saft des fingerdicken Wertmutstängels beigemischt. Alles abseihen und in Flaschen verschrauben.

Jeden dritten Tag auf nüchternen Magen ein Likörgläschen getrunken, bringt die Mixtur den Organismus nachhaltig in Schwung. "Wermut ist der Meister gegen alle Schwächen", zitiert Johanna Eisner die heilige Hildegard, die eine Wertmut-Kur mindestens einmal im Jahr empfiehlt.

Johanna Eisner schwört auf die heilende Wirkung des Grippeelixiers, das nach dem Köcheln abgegossen und alle drei Stunden getrunken wird.
Bild: © KNA

Johanna Eisner schwört auf die heilende Wirkung des Grippeelixiers, das nach dem Köcheln abgegossen und alle drei Stunden getrunken wird.

Eisners Favoriten heißen jedoch Galgant, Bertram und Quendelkraut. Die Gewürzkräuter stehen bei der Hauswirtschafts-Expertin sommers wie winters auf dem Speiseplan, um die Abwehrkräfte des Körpers zu stärken.

Uraltes, wertvolles Wissen

Die antibakterielle Wirkung der Galgantwurzel beuge Entzündungen vor und wurde schon von der christlichen Mystikerin als "Gewürz des Lebens" bezeichnet. Das Quendelkraut, ein Thymiangewächs, hilft gegen Verschleimung, und das Bertrampulver vertreibe alles "Schlechte aus dem Körper".

Ingwer gehört ebenfalls dazu. Im Gegensatz zu vielen Hildegard-Gewürzen hat die scharfe Knolle, die asiatischen Gerichten die besondere Note verleiht, dank Sterneküche auch in unseren Breitengraden längst an kulinarischer Bedeutung gewonnen.

Der artverwandte Galgant dagegen, der nach einer Mischung aus Tannennadeln, Kiefernholz und Pfeffer schmeckt und in der arabischen Küche unverzichtbar ist, muss die Gustos hiesiger Gourmets erst noch erobern.

Überhaupt erinnert die Gesundheitslehre der heiligen Hildegard, die vor über 900 Jahren als Äbtissin, Ärztin und Buchautorin lebte, an überlieferte Heilweisheiten, die etwas in Vergessenheit geraten sind.

Sie wiederzubeleben, liegt Johanna Eisner am dem Herzen. Denn für die bodenständige Oberpfälzerin ist die "Hildegard-Medizin" kein esoterisches Hexenwerk, sondern uraltes und wertvolles Wissen um die Gesunderhaltung von Körper und Geist.

Von Martina Beierl (KNA)

Hintergrund: Es ist ein Kraut gewachsen

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