Anton Losinger, Weihbischof von Augsburg.
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"Darf der Mensch alles, was er kann?"

Für den Augsburger Weihbischof Anton Losinger wirft die Verleihung des Medizin-Nobelpreises an den Japaner Shinya Yamanaka und den Briten John Gurdon erneut die Frage nach der Ethik in der Wissenschaft auf. "Auch eine Auszeichnung von hohem wissenschaftlichem Rang muss man immer ambivalent sehen", sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrates gegenüber katholisch.de

Augsburg - 08.10.2012

Die beiden Wissenschaftler haben am Montag den Nobelpreis für ihre genetischen Forschungen erhalten. Yamanaka und Gurdon hatten entdeckt, wie man Zellen in Stammzellen umprogrammiert, die sich dann in jegliche Gewebeart verwandeln können.

Losinger zufolge bringt dieser "Durchbruch durch die Schallmauer der Bio-Medizin" medizinische Vorteile, zum Beispiel in einer möglichen Behandlung von Alzheimer. Dadurch seien Mediziner womöglich in der Lage, auf embryonale Stammzellen zu verzichten.

Zugleich warnt Losinger aber auch vor anderen möglichen Folgen der Arbeit der beiden Mediziner. "Eines Tages könnte die hauchdünne Grenze zum Klonen von Menschen überschritten werden", so der Weihbischof.

Im Hinblick auf die dann gegebenen Möglichkeiten des Menschen, Gott zu spielen, wirft Losinger die Frage auf: "Darf der Mensch alles, was er kann?" Für den Weihbischof ist es wichtig, dass mit dem medizinischen Fortschritt einer Weiterentwicklung ethischer Überlegungen einhergeht.

(meu)