Auf einen Kaffee mit ...
Bischöfe stellen sich vor der Vollversammlung in Cafés aktuellen Debatten

Auf einen Kaffee mit ...

Bistum Hildesheim - Es ist eine Premiere: Im Vorfeld der Vollversammlung der Bischofskonferenz in Hildesheim laden am Sonntag sechs Bischöfe in sechs Cafés der niedersächsischen Stadt zum Gespräch über aktuelle Fragen.

Von Sophia Michalzik |  Bonn/Hildesheim - 20.02.2015

Es ist eine Premiere: Im Vorfeld der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Hildesheim laden am Sonntag sechs Bischöfe in sechs Cafés der niedersächsischen Stadt zum Gespräch über aktuelle Fragen. Die Bandbreite an Inhalten der sogenannten "Theologischen Cafés" ist groß: So wird es sowohl um die Haltung der Kirche zu Ehe und Familie als auch um Migration und Menschenrechte gehen.

Zu den sechs Bischöfen gehören Stephan Ackermann (Trier), Franz-Josef Bode (Osnabrück), Friedhelm Hofmann (Würzburg), Heiner Koch (Dresden-Meißen), Franz-Josef Overbeck (Essen) und Norbert Trelle (Hildesheim). Ursprünglich sollte auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an der Veranstaltung teilnehmen, er musste aber aufgrund einer Terminüberschneidung wieder absagen.

Dialog unter gleichberechtigten Gesprächspartnern

Die Idee zu der besonderen Aktion sei während der Planungen für die Feierlichkeiten des 1.200-jährigen Bistumsjubiläum entstanden, erzählt Projektleiter Thomas Harling. Man habe überlegt, wie man den runden Jahrestag und die Vollversammlung der Bischöfe verknüpfen könnte. "Uns ist aufgefallen, dass die Menschen oft denken, sie müssten den Bischöfen nur zuhören", erklärt Harling. Die "Theologischen Cafés" sollen das ändern - denn die Cafébesucher sind eingeladen, Fragen an die prominenten Gäste zu stellen. Das Konzept lehnt sich an die "Philosophischen Cafés" an, die es bereits in viele Städten gibt. "Dort sind alle gleichberechtigte Gesprächspartner", so Harling. Das soll auch am Sonntag so sein: "Wir wollen zum Dialog zwischen Repräsentanten der Kirche und Bürgern der Stadt beitragen."

Linktipp: Ein heiliges Experiment

Wenn die katholischen Bischöfe am Montag zu ihrer Frühjahrs-Vollversammlung in Hildesheim zusammenkommen, treffen sie sich in einer Stadt, in der das Christentum eine jahrhundertealte Tradition hat.

Ziel soll es sein, die Bischöfe ihre Haltung zu Themen erklären zu lassen, die der Gesellschaft unter den Nägeln brennen. Jeder Bischof spricht dabei über einen Schwerpunkt, für den er auch innerhalb der Bischofskonferenz zuständig ist. So wird Bischof Ackermann als Vorsitzender der Kommission Justitia et Pax über Frieden und Gerechtigkeit reden, Bischof Trelle, der innerhalb der Bischofskonferenz Vorsitzender der Migrationskonferenz ist, über Einwanderung und Menschenrechte.

Auch die jeweiligen Orte sollen den Inhalt ihrer Gäste widerspiegeln, sagt Harling. Bischof Hofmann, der zum Verhältnis von Kunst und Religion sprechen wird, wird beispielsweise im Restaurant "Nil im Museum" zu Gast sein, das zum Roemer- und Pelizaeus-Museum gehört. Hofmann ist Vorsitzender der Liturgiekommission und Mitglied der Kommission für Wissenschaft und Kultur der Bischofskonferenz.

Die Resonanz auf die Aktion ist groß: "Die Leute finden das gut", weiß Thomas Harling aus Gesprächen mit Hildesheimern. Auch in der Touristinformation der knapp 100.000 Einwohner-Stadt würde regelmäßig nach dem "Theologischen Café" gefragt. Wer einen Platz in einem der sechs Cafés ergattern will, sollte aber pünktlich sein. Einlass in den oft kleinen Räumlichkeiten ist um 17.30 Uhr, Beginn um 18 Uhr.

Bild: © KNA

Auch der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle - der Gastgeber der Vollversammlung der Bischofskonferenz - wird an dem "Theologischen Café" teilnehmen.

In jedem Café wird dann ein Moderator sitzen, der die Fragen der Besucher an die Bischöfe koordiniert. Los geht es in jedem Café mit einer Einstiegsfrage, die die Gäste vorher bestimmen dürfen: Für jeden Oberhirten stehen drei Fragen zur Auswahl - die Besucher stimmen darüber ab, welche dem Bischof als Einstiegsfrage gestellt werden soll. So kann es passieren, dass Bischof Overbeck auf die Frage antworten muss, ob sich die Kirche in Deutschland nicht stärker für ein neues Wirtschaftssystem einsetzen müsse. Bischof Koch hingegen könnte die Frage ereilen, wie seine persönlichen Erfahrungen mit wiederverheiratet Geschiedenen sind und was diese Erfahrungen für die Seelsorge bedeuten.

"Die Café-Atmosphäre soll erhalten bleiben"

Für die auf eineinhalb Stunden ausgelegte Aktion wünschen sich die Veranstalter eine lockere Stimmung - wie in einem "normalen" Café eben. "Man kann die ganze Zeit Kaffee trinken oder auch mal mit vollem Mund reden", sagt Harling. "Die Café-Atmosphäre soll erhalten bleiben."

Von Sophia Michalzik