Es war nicht unbegründet, dass sich Johannes von dieser Abgesandtengruppe fragen lassen musste, was es mit ihm auf sich hatte. Er zog die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, die Aufmerksamkeit großer Menschenmengen auf sich. Sie sahen in ihm auf kollektiv-fiebrige Weise so etwas wie den Messias. Oder sie schlossen zumindest nicht aus, dass er der Messias, der in der Endzeit erwartete Gesandte Gottes, sei.
Auf diese Erwartungshaltung können wir zusammen mit Johannes dem Täufer ruhig und überzeugt den Satz des Erfinders der Muppet Show wiederholen: "Es gibt einen Gott. Und ich bin es nicht." Mit Johannes können wir nur auf Gott verweisen. Der Täufer kann die Dinge nicht selbst realisieren. Das können wir auch nicht bei allem Zähne Zusammenbeißen und sich Anstrengen. Wir können nur der Aufforderung nachkommen, Gott einen Weg zu bahnen mit unserem Leben, damit Hoffnung und Glaube möglich werden. Hoffnung ist das Vertrauen, auf Gott zu warten, auch wenn die Zukunft ungewiss ist. Glaube ist die wachsende Sicherheit, dass unsere Hoffnung nicht enttäuscht wird, weil Gott wirklich vertrauenswürdig ist.
Dafür braucht es Beständigkeit. Wir setzen unsere Hoffnung auf Gott, auch wenn uns die Umstände zur Aufgabe zwingen wollen. Der Evangelist Johannes erzählt von der Wüste, in der wir leben: Von den Nöten, die wir erleben; von Krieg und Unfrieden, die herrschen. Diese Umstände machen es nicht leicht, an Gott festzuhalten.
Doch mitten in dieser leeren Wüste erwacht neues Leben, geschieht Verwandlung durch das Wort, von dem der Johannesprolog, aus dem die heutige Passage stammt, so eindrucksvoll spricht. Das Wort verwandelt. Es kommt zu uns als ein Klang, als eine Verheißung. Ein Wort so kraftvoll, dass es Steine in Brot verwandeln, Wasser in Wein und von den Toten auferwecken kann: Jesus Christus.
Ja, das erwarten wir im Advent: Dass Gott zur Welt kommt. Dass er kommt, alle Welt zu richten und zu retten. Dass er zu dir kommt, in deine Stadt, an deinen Ort, in dein Leben. Dass er ernst macht mit seiner Liebe. Dieses Warten verändert. Wir warten auf die guten Dinge ungeachtet dessen, was um uns herum passiert. Dann sehe ich keine hoffnungslosen Fälle, dann male ich nicht mehr den Teufel an die Wand, sondern suche geduldig nach Gottes Umrissen in dieser Welt – trotz aller zur Verzweiflung animierenden Umstände. Seine Hoffnung so auf Gott zu setzen, ist immer wieder neu eine bewusste Entscheidung; damit sich nicht wiederholt, was Johannes der Täufer beklagte: Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt.
Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 1, 6–8.19–28)
Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?
Er bekannte und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Christus.
Sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elíja?
Und er sagte: Ich bin es nicht.
Bist du der Prophet?
Er antwortete: Nein.
Da sagten sie zu ihm: Wer bist du?
Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben.
Was sagst du über dich selbst?
Er sagte: Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste:
Ebnet den Weg für den Herrn!,
wie der Prophet Jesája gesagt hat.
Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.
Sie fragten Johannes und sagten zu ihm:
Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist, nicht Elíja und nicht der Prophet?
Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser.
Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt, der nach mir kommt;
ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.
Dies geschah in Betánien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
Der Autor
Christian Olding ist Pastor in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.
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