VERÖFFENTLICHT AM 26.05.2015 UM 14:00 UHR – LESEDAUER: 2 MINUTEN
Bild: KNA
HÖXTER -
Das frühere Benediktinerkloster Corvey bei Höxter ist nun offiziell Weltkulturerbe. Bei einem Festakt am Montag übergaben Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und die Vorsitzende des Welterbekomitees, die Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), die Urkunden an die Eigentümer. Anschließend wurde die Welterbeplakette im Atrium enthüllt. Die Abtei mit dem karolingischen Westwerk und den Resten der mittelalterlichen Klosterstadt "Civitas Corvey" war im Juni 2014 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden.
Steinmeier (SPD) nannte die Aufnahme in die Welterbeliste "richtig und hohe Zeit". Das Kloster Corvey sei wie die von der Terrormiliz bedrohte Oasenstadt Palmyra in Syrien eine Stätte, an denen bewusst werde, "woher wir kommen, auf welchen Schultern wir stehen, wo die entscheidenden Entwicklungsschritte der Menschheit stattgefunden haben".
Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sprach von einem "Tag großer Freude". Das in Ostwestfalen gelegene Kloster sei ein besonderer kultureller Schatz in NRW. Bauminister Michael Groschek (SPD) gratulierte den Eigentümern, dem Herzog von Ratibor und Fürst zu Corvey und der katholischen Kirchengemeinde Sankt Stephanus und Vitus, zu der Auszeichnung. Die Abteikirche gehöre als fünfte Welterbestätte in Nordrhein-Westfalen zu den rund 1.000 wichtigen Kulturdenkmälern der Welt. Welterbestätten in NRW sind die Dome in Köln und Aachen, die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl sowie die Zeche Zollverein in Essen.
Die Benediktinerinnen-Abtei St. Hildegard liegt oberhalb von Rüdesheim am Rhein. Umgeben von Weinbergen trohnt das Kloster mit seiner mächtigen, zweitürmigen Kirche an einem wunderschönen Standort inmitten des Unesco-Welterbes "Oberes Mittelrheintal". LianeM/Fotolia.comDas Kloster auf dem "Heiligen Berg" südwestlich von München ist wohl eine der bekanntesten Abteien Deutschlands. Maßgeblichen Anteil daran hat die Klosterschänke, in der das klostereigene Bier ausgeschenkt wird. Das "Andechser" ist ein Magnet für Einheimische und Touristen aus der ganzen Welt. juergen2008/Fotolia.comKloster Helfta wurde 1229 gegründet und gehört seitdem dem Zisterzienserorden an. In den ersten hundert Jahren forschten und lehrten hier die heiligen Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud (die Große) von Helfta. Die Abtei war damit ein Zentrum der geistigen Frauenbewegung in Deutschland. Immer wieder wurde das Kloster in seiner Geschichte Opfer von Verwüstungen; auch die Reformation ging nicht spurlos an der Abtei im Luther-Geburtsort Eisleben vorbei. KNADie 1129 gegründete Benediktinerabtei Plankstetten liegt in reizvoller Umgebung südlich von Neumarkt in der Oberpfalz. Das Kloster wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und erweitert; dominant bei Gebäuden und Kunstwerken ist bis heute der Barockstil. DALIBRI/Creative CommonsWie eine barocke Schloss-Anlage trohnt das Kloster Ettal zwischen den oberbayerischen Städten Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau. Die 1330 gegründete Benediktinerabtei besticht durch ihre beeindruckende Architektur und ist ein beliebter touristischer Anziehungspunkt. Zum Kloster gehören landwirtschaftliche Betriebe, mehrere Gasthöfe, ein Gymnasium mit angeschlossenem Internat, ein Kunstverlag, eine Destillerie sowie eine Brauerei. Christa Eder/Fotolia.comDie Erzabtei St. Ottilien liegt nahe dem Ammersee im Landkreis Landsberg am Lech. Die Abtei, der heute rund 110 Benediktiner angehören, wurde 1884 von dem Schweizer Andreas Amrhein gegründet. Patrick Huebgen/Creative CommonsWeit im Osten, unmittelbar an der Grenze zu Polen liegt das Kloster St. Marienthal. Die Abtei besteht seit ihrer Gründung im Jahr 1234 ununterbrochen und ist damit das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland. Marienthal liegt - im positiven Sinne gesprochen - im Abseits. Weit jenseits hecktischer Großstädte und nervenzehrender Autobahnen lädt das Kloster zum Verweilen und Entspannen ein. detlef menzel/Fotolia.comNach dem Namen eines deutschen Klosters gefragt, würde den meisten Menschen wohl zuerst Maria Laach einfallen. Die Abtei in der Eifel zählt wegen ihrer wunderschönen Lage am Laacher See zu den populärsten Klöstern in Deutschland. smarti/Fotolia.comTraumhaft vor der imponierenden Kulisse der bayerischen Alpen liegt das Kloster Benediktbeuern. Die Abtei wurde um 739 unter Mitwirkung des heiligen Bonifatius als benediktinische Ordensniederlassung gegründet. Trotz seiner geistlichen und kulturellen Bedeutung wurde das Kloster 1803 säkularisiert und der größte Teil seiner wertvollen Bibliothek nach München umgelagert. Im Zuge der Inventarisierung des Bestands wurden die berühmten "Carmina Burana" entdeckt, die 1935/36 von dem Komponisten Carl Orff vertont wurden. schenkArt/Fotolia.comMitten in den Weinbergen im Bistum Würzburg liegt die Abtei Münsterschwarzach. Die idyllische Lage zwischen kleinen Weinorten täuscht ein wenig darüber hinweg, dass hier ein Orden mit 172 Mönchen und zahlreichen florierenden Handwerksbetrieben angesiedelt ist. Die Abtei, deren Geschichte auf das Jahr 780 zurückgeht, ist eines der wichtigsten Klöster des Benediktinerordens in Deutschland. KNADie Lage des Klosters Weltenburg unmittelbar am Wasser ist für die Abtei Fluch und Segen zugleich. Das älteste Kloster Bayerns liegt zwar vor einer atemberaubenden Naturkulisse auf einer Kiesbank direkt an der Donau. Doch das führt dazu, dass diverse Hochwasser die Benediktinermönche schon oft an den Rand der Verzweiflung gebracht haben. vieraugen/Fotolia.com
Die 822 gegründete Abtei Corvey im Weserbergland gehörte zu den einflussreichsten Klöstern des Frankenreiches. Das Grab des heiligen Vitus machte es zu einem wichtigen Pilger- und Anziehungsort im Mittelalter. Corvey entwickelte sich auch zu einem kulturellen und politischen Zentrum Deutschlands. Aus seiner berühmten Bibliothek sind heute noch erhalten die sächsischen Gesetze Karls des Großen, die fünf ersten Bücher der Annalen des römischen Historikers Tacitus sowie Schriften des römischen Schriftstellers und Philosophen Cicero. Zudem wirkte dort zwischen 942 und 973 der Chronist Widukind von Corvey, der unter anderem hier seine Sachsengeschichte schuf.
Das im 17. Jahrhundert barock überbaute Kloster wurde 1803 säkularisiert und in ein Schloss umgewandelt. Auf dem Friedhof neben der Kirche befindet sich das Grab des Dichters der deutschen Nationalhymne, Hoffmann von Fallersleben. Im Innern des Schlosses kann man den Kaisersaal, die Fürstlichen Salons und die Fürstliche Bibliothek mit rund 74.000 Bänden besichtigen. Insgesamt gibt es weltweit derzeit 981 Kultur- und Naturstätten. (KNA)
Die Ernennung des früheren Benediktinerklosters Corvey sorgt für große Freude. Bis zu 80.000 Besucher kamen bislang pro Jahr, der Titel "Welterbestätte" wird aber wohl zu einem deutlichen Anstieg der Besucherzahlen führen.