Eine Hand hält ein Kreuz.
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Theologe: Kirche wird engagierte und glaubenssichere Minderheit

Kirche als "Graswurzel-Bewegung"?

Theologie - Von der "schwachen Massenkirche" zur "glaubenssicheren Minderheit", so könnte nach den Worten des Wiener Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner die Zukunft der katholischen Kirche aussehen. Das Selbstverständnis als quasi Staatsreligion sei jedenfalls nicht mehr haltbar.

Wien - 27.06.2015

Mit dem Rückgang der Katholikenzahlen werde das bisherige Selbstverständnis als quasi Staatsreligion nicht länger haltbar sein.

"Glaubenssichere Minderheit"

"In Zukunft wird es nicht mehr eine schwache Massenkirche geben, sondern eine engagierte, glaubenssichere Minderheit", meinte Zulehner. Bereits jetzt gehe von der Basis und der Spitze eine Erneuerung der Kirche aus. Ein Zeichen für das große Engagement an der Basis sei etwa der Kampf schrumpfender Gemeinden um ihre Pfarreien als Reaktion auf Zusammenlegungen und andere Strukturreformen. Weil es immer weniger Priester gebe, werden nach Ansicht des Theologen der Papst und die Bischöfe vermutlich gar nicht anders können, als Laien aufzuwerten. "Aus deren Kreis werden ehrenamtliche Priester gefunden werden."

Nach einer Zeit des verordneten Katholizismus geht es laut Zulehner darum, dass die Kirche lernen müsse, mit der Freiheit des Menschen zu leben und sie für sich zu gewinnen. Kirche werde so immer stärker eine Bewegung, die nicht mehr auf der Seite des Staates und der Parteien stehe, sondern eher bei den Nichtregierungsorganisationen. Dabei gehe es um konkret gelebte Nächstenliebe etwa im Umgang mit Flüchtlingen.

Von konfessioneller zu universeller Religion

Bestärkt werde dieser Trend durch Papst Franziskus. Zuletzt habe dieser das mit seiner Umwelt-Enzyklika "Laudato si" bewiesen. Der erneuerten katholischen Kirche werde es gelingen, von einer konfessionellen wieder zu einer universellen Religion zu werden, prognostizierte der Theologe. (KNA)