hölzerne Mönchsfigur mit Bierkrug im Hintergrund Mönch beim brauen
Bild: © KNA
Katholisch.de stellt deutsche Klosterbrauereien vor

Ordentlich gebraut

Draußen scheint die Sonne, bestes Wetter also, den Internationalen Tag des Bieres zu begehen. Was die Kirche damit zu tun hat? Eine ganze Menge! Immerhin gibt es auch heute noch viele Klosterbrauereien, Katholisch.de stellt sie vor.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 07.08.2015

"Nunc est bibendum" ("Nun muss getrunken werden") - mit diesem lateinischen Trinkspruch bewiesen die Mönche schon früh, dass sie ein gutes Getränk zu schätzen wussten. Bereits ab dem 7. Jahrhundert stellten die ersten Mönche auf deutschem Boden ihr eigenes Bier her. Spätestens ab dem Hochmittelalter musste dann jedes Kloster, das etwas auf sich hielt, eine eigene Brauerei besitzen. Doch auch wenn es heute noch zahlreiche "Klosterbrauereien" gibt, befinden sich nur noch wenige tatsächlich im Besitz von Ordensleuten. Katholisch.de stellt sie vor.

Kloster Andechs

Wahrscheinlich ist es dem Wittelsbacher Herzog Albrecht III. zu verdanken, dass im Kloster Andechs noch heute Bier gebraut wird. Denn im Jahr 1455 ließ er das Chorherrenstift auf dem Andechser Berg in eine Benediktinerabtei umwandeln. Die Benediktiner waren bekannt für ihre Braukunst, die sie über die Jahrhunderte perfektionierten. Auch deshalb, weil sie Erfolge wie Rückschläge beim Brauen schriftlich festhalten konnten. Denn die Kunst des Schreibens war gerade im Mittelalter fast ausschließlich den Geistlichen vorbehalten. Heute ist die Brauerei Andechs die größte in Deutschland, die sich noch im Besitz von Mönchen befindet. Sie gehört der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz. Der jährliche Bierausstoß beträgt über 100.000 Hektoliter und umfasst sieben verschiedene Sorten. Zum Vergleich: Die "Bitburger Holding" vertreibt nach eigenen Angaben etwa 6,9 Millionen Hektoliter im Jahr. Neben dem klassischen Weiß- und Vollbier brauen die Benediktiner als einzige deutsche Klosterbrauerei ganzjährig auch starkes Bockbier mit bis zu 7,1 Prozent Alkoholgehalt.

Das Brauerhandwerk hat in Andechs eine lange Tradition. Im Jahre 1455 wurde das Kloster gegründet. Und seitdem gibt es auch die Brauerei. Heute wird das Bier bis nach Russland und Japan ausgeliefert. Allein das Bräustüberl auf dem Klostergelände hat über eine Million Gäste im Jahr.

Kloster Ettal

Das oberbayerische Kloster Ettal wurde am 28. April 1330 von Kaiser Ludwig IV. gegründet. Mit dem Bierbrauen begann man dort allerdings erst später. Bezeugt ist eine Brauerei ab dem 15. Jahrhundert im nahegelegenen Oberammergau. Im Jahr 1609 verlegte Abt Leonhard Hilpolt (1590-1615) den Standort direkt nach Ettal. Der Hopfen für das Klosterbier wurde alten Rechnungen zufolge im nur 20 Kilometer entfernten Murnau angebaut. Heute bezieht das Kloster den Hopfen aus der Hallertau, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt, das zwischen Ingolstadt und Landshut liegt. Die Benediktinerabtei hat aktuell fünf Biere im Sortiment: ein klassisches helles und dunkles Bier sowie zwei stärkere Bockbiere. Außerdem vertreiben sie als Gesellschafter gemeinsam mit einer großen Brauerei das "Benediktiner Weißbier".

Kloster Kreuzberg

Im Jahr 1692 errichteten die Franziskaner-Observanten auf dem 928 Meter hohen Kreuzberg ihr Kloster. Bereits zuvor war der "Heilige Berg der Franken" ein gut besuchter Wallfahrtsort. Auch deshalb wurde dem Kloster 1731 eine eigene Brauerei angegliedert, die den Pilgern kostenlose "Wegzehrung" zur Verfügung stellen sollte. Die zeigten sich meistens durch ein freiwillig gezahltes "Biergeld" erkenntlich. Weil die Pilgerzahl weiter stieg, die Gläubigen aber "knauseriger" wurden, hielt sich der Brauch nur noch bis etwa 1920. Seitdem bezahlt man dort ein - nun nicht mehr freiwilliges - Entgelt. Der jährliche Ausstoß der Brauerei hält sich in den letzten Jahrzehnten bei rund 8.500 Hektolitern. Neben dunklem Bier, Pils und Hefe-Weißbier hat die Brauerei saisonal auch Weihnachts-Bock im Angebot. Alle Biere sind unfiltriert und werden erst auf Bestellung abgefüllt. Dass Bierbrauen auch etwas Spirituelles haben kann, beweist die Homepage der Klosterbrauerei. Dort heißt es zu den verwendeten Rohstoffen: Wasser ist der Körper, Hopfen die Würze, Malz die Seele und die Hefe der Geist eines guten Biers.

Video: © hwkunterfranken

Das Kloster Kreuzberg in der Rhön zählt zu den meistbesuchten Wallfahrtsorten in Deutschland. Es hat nicht nur eine religiöse, sondern auch eine handwerkliche Seite: Hier wird Bier gebraut.

Kloster Mallersdorf

Dass auch Frauen Bier brauen können, beweisen die Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie. Ob ihr Interesse an Hopfen und Malz der Geschichte ihres Klosters im bayerischen Mallersdorf zu verdanken ist, kann heute nicht mehr bewiesen werden. Jedenfalls wurde es ursprünglich von - dem Bier zugetanen - Benediktinern betrieben, bevor es die Franziskanerinnen 1869 übernahmen. Braumeisterin Schwester Doris produziert etwa 80 Hektoliter Bier pro Woche und verzichtet darauf, ihre Abfüllungen zu pasteurisieren. Wer sich also für eine Flasche "Mallersdorfer Klosterbräu" entscheidet, sollte die nicht lange stehen lassen. Im Angebot haben die Franziskanerinnen saisonale Biersorten wie den hellen Bock im Winter und zur Fastenzeit oder den Maibock. Ein regionaler Klassiker ist der "Zoigl", ein untergäriges Bier, das vor allem in der Oberpfalz verbreitet ist. Einziger Wehrmutstropfen: Das Bier wird nur regional in einigen Getränkemärkten in Bayern und der Pfalz verkauft.

Kloster Scheyern

Bereits seit dem Jahr 1119 brauen die Benediktinermönche im oberbayerischen Scheyern Bier. Damit ist die Klosterbrauerei nicht nur die drittälteste Brauerei Deutschlands, sondern eine der ältesten der Welt. Nach dem die Brauerei im 20. Jahrhundert für mehrere Jahrzehnten verpachtet war, hat das Kloster seine alte Brautradition 2006 nach umfassenden Renovierungsarbeiten wieder aufgenommen. Produziert wird das Scheyerer Klosterbier nach eigenen Angaben "in erster Linie für den lokalen Bereich, also die Klosterstub'n in der Klosterschänke, örtliche Gaststätten und den eigenen Getränkemarkt". Doch sind die Biersorten, die streng nach dem bayrischen Reinheitsgebot gebraut werden, deutschlandweit auch in größeren Getränkemärkten und Fachgeschäften zu erhalten. Die Mönche in Scheyern brauen zehn verschiedene Biersorten vom klassischen Hellen bis zum Christkindl-Bier.

Das Kloster Weltenburg liegt malerisch an der Donau.

Die Lage des Klosters Weltenburg unmittelbar am Wasser ist für die Abtei Fluch und Segen zugleich. Diverse Hochwasser haben die Benediktinermönche schon oft an den Rand der Verzweiflung gebracht haben.

Kloster Weltenburg

Das Kloster Weltenburg wurde bereits Anfang des 7. Jahrhunderts vom iro-schottischen Abt und Missionar Eustasius gegründet. Die ersten Hinweise darauf, dass dort auch Bier gebraut wurde, finden sich rund 400 Jahre später im Weltenburger Nekrologium, einem Totenverzeichnis, das für das Jahr 1035 einen verstorbenen Braumeister vermerkt. Wirklich belegt wird eine eigene Brauerei 1050 durch einen protokollarischen Eintrag in der Klosterchronik "Libellum Traditionum". Bis heute wurde die klösterliche Bierherstellung in Weltenburg nur durch die Säkularisation im 19. Jahrhundert unterbrochen. Die Klosterbrauerei Weltenburg bezeichnet sich deshalb selbst als "die älteste Klosterbrauerei der Welt". Dass man stolz darauf ist, zeigt auch das Biersortiment. Neben neun Sorten, die standardmäßig angeboten, werden, gibt es weitere saisonale Biere - unter anderem das Spezialbier "Anno 1050".

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Biere, die das "Kloster" noch im Titel tragen, aber nicht mehr von Ordensleuten hergestellt werden. Dazu zählen etwa die Biere der Klosterbrauereien Weißenohe oder Reutberg oder das bekannte Münchner Augustiner-Bräu. Eines der bekanntesten deutschen Biere mit einem "Ordensnamen", das Franziskaner, wurde übrigens nie von einem Mönch gebraut. Die ursprüngliche "Bräustatt bey den Franziskanern" lag lediglich schräg gegenüber eines Klosters.

Der Schutzpatron der Bierbrauer

Der heilige Arnulf war nicht nur Bischof von Metz, sondern ist auch der Schutzpatron der Bierbrauer. Noch zu Lebzeiten soll er ein "Bierwunder" gewirkt haben: Der Legende nach grassierte eine schwere Krankheit in der Region Metz, die wohl auf verschmutztes Trinkwasser zurückzuführen war. Der heilige Arnulf erkannte, dass sich die Gefahr durch abgekochtes Wasser - wie es auch beim Brauen verwendet wird - verhindern lässt. Also segnete er kurzerhand einen Bierkessel und warf ein Kreuz hinein. Die Menschen tranken fortan nur noch aus diesem Kessel - und die Krankheitswelle verebbte. Der Ausspruch beim Verteilen des gesegneten Bieres soll wie folgt gelautet haben: "Durch des Menschen Arbeit und die Liebe Gottes erblickt Bier das Angesicht der Welt."

Von Björn Odendahl