Fortschrittsstreben nicht über Schutz der Person heben

Katholisches Büro: Mensch bei KI-Regulierung ins Zentrum stellen

Katholisches Büro: Mensch bei KI-Regulierung ins Zentrum stellen
Bild: picture alliance/Zoonar/Alexander Limbach

Das Katholische Büro Berlin warnt davor, bei Künstlicher Intelligenz das Streben nach wirtschaftlichem oder technologischem Fortschritt über den Schutz der Person und ihrer Daten zu stellen. Der Schutz des Menschen muss nach Ansicht des Kommissariats der deutschen Bischöfe im Zentrum jeglicher Regulierung von KI stehen, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme zu einer Konsultation der Bundesdatenschutzbeauftragten zum Umgang mit personenbezogenen Daten in KI-Modellen.

"Für die Kirche ist die menschliche Intelligenz ein Ausdruck der Würde, die dem Menschen von seinem Schöpfer verliehen wurde, der ihn nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen hat", so die Stellungnahme. "Wissenschaft und Technik sind Ergebnisse ihres schöpferischen Potentials." Künstliche Intelligenz sei eine herausragende Ausprägung menschlicher intellektueller Schaffenskraft. Angesichts der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten sei es notwendig, den Blick auf den Schutz der Daten des Einzelnen zu werfen.

Dazu verweist die Stellungnahme, die das Katholische Büro zusammen mit dem Katholischen Datenschutzzentrum Bayern und der betrieblichen Datenschutzbeauftragten des Bistums Würzburg ausgearbeitet hat, auf Papst Franziskus (2013–2025). Der verstorbene Papst hatte immer wieder die Herausforderungen durch KI thematisiert und in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2024 davor gewarnt, dass "Vertraulichkeit, Dateneigentum und geistiges Eigentum" durch die Entwicklungen im Bereich der KI erheblich gefährdet sind.

Auf Medienkompetenz setzen

Bei der Konsultation der Bundesdatenschutzbeauftragten geht es um Fragen, ob und wie die Verwendung von personenbezogenen Daten im Kontext von KI-Modellen rechtskonform umgesetzt werden kann. Die Stellungnahme des Katholischen Büros empfiehlt, beim Training von KI-Modellen auf personenbezogene Daten vollständig zu verzichten. Da viele datenschutzrechtliche Fragen nicht lösbar seien, müsse der Einsatz von Sprachmodellen von Instrumenten zur Schaffung von Medienkompetenz begleitet werden.

Wie sein Vorgänger betont auch Papst Leo XIV. die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz. Schon in einer seiner ersten Ansprachen hat er die Wahl seines Papstnamens damit begründet, dass die Kirche durch KI wie einst Leo XIII. (1878–1903) vor einer zentralen Sozialen Frage stehe. Regelmäßig ruft der amtierende Papst zu einem reflektierten und verantworteten Umgang mit KI auf. Zuletzt äußerte er sich in seinem ersten großen Interview: "Wenn wir den Wert der Menschlichkeit aus dem Blick verlieren und meinen, dass die digitale Welt Alles und das Ziel von Allem ist, und wenn die reichsten Menschen der Welt in KI investieren und dabei den Wert des Menschen und der Menschlichkeit total ignorieren, dann muss die Kirche ihre Stimme erheben." (fxn)