Eine Predigt soll Menschen bereichern und nicht mit moralischen Zeigefingern belehren. Davon ist der Redenschreiber Claudius Kroker überzeugt. "Wenn ich einen neuen Impuls habe, einen Gedanken, der mich durch den Tag oder durch die neue Woche trägt, dann ist das eine gute Predigt", sagte er im Podcast Windhauch. Predigt und Liturgie sollten Menschen stützen, auffangen und ihnen Zuversicht geben.
Kroker versteht Predigen als Beziehungsarbeit. Entscheidend sei, die jeweilige Situation und das Publikum im Blick zu behalten. "Die Rede muss immer passen zum Anlass und zum Publikum." Ebenso wichtig sei es zu überlegen: "Wer sitzt da eigentlich?" Auch müsse die Predigt zum Redner passen. Fehle die Authentizität, falle das sofort auf.
Handlungsbedarf sieht Kroker daher in der Ausbildung hauptamtlicher und ehrenamtlicher Predigerinnen und Prediger. Probleme zeigten sich bereits dort, wo Predigten nur abgelesen oder vorgefertigte Mustertexte übernommen würden, ohne eigene Gedanken einzubringen, ohne eigene Sprache zu verwenden oder den Text angemessen zu betonen. "Da kommt nichts bei den Menschen an."
Wider 08/15-Liturgien
Nach seiner Einschätzung muss sich die Predigtkultur in der Kirche grundlegend verändern. Standardisierte Sonntagspredigten hätten ihre Zeit hinter sich, viele Gläubige suchten gezielt Gottesdienste auf, von denen sie sich mehr versprächen. "Wir können nicht die 08/15-Predigt und die 08/15-Liturgie abliefern", so Kroker. Für ihn gehört dazu der Mut, neue Formen auszuprobieren. Dazu zählen Dialogpredigten, musikalische Elemente oder das bewusste Verlassen des Ambos, um näher bei den Menschen zu sein. Auch die Laienpredigt spiele dabei eine Rolle. "Die Predigt muss eine neue Form haben, aber eingebunden in eine Liturgie, die ihrerseits eine neue Form haben muss."
Sein Ausblick für die Kirche von morgen lautet: "Dass nicht die Kirche im Mittelpunkt steht, sondern dass der Mensch im Mittelpunkt steht." Kroker ist Journalist und Redenschreiber. Zudem ist er als Dozent für Predigt in der Ausbildung von Priestern tätig. (KNA)