Masken, Orangen und "Weiße Mönche"
Katholisch.de präsentiert Karnevalsbrauchtum aus aller Welt

Masken, Orangen und "Weiße Mönche"

Karneval - Mainz, Köln und Düsseldorf gelten als deutsche Karnevalshochburgen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch jenseits der Rheinschiene Karneval gefeiert wird - und zwar rund um die Welt. Das Brauchtum ist dabei schillernd und kurios.

Von Janina Mogendorf |  Bonn - 04.02.2016

Mystischer Maskenkarneval

Kaum ein anderer Karneval regt auf diese Weise die Fantasie an, wie die geheimnisvollen Masken und die historischen Kostüme vor der einzigartigen Kulisse der Lagunenstadt Venedig. Bereits im Jahr 1094 wurde der "Carnevale di Venezia" zum ersten Mal erwähnt und fand seine Hochphase zu Casanovas Zeiten im 18. Jahrhundert.

In der südspanischen Hafenstadt Cádiz machten sich die Menschen ab dem 16. Jahrhundert daran, Venedig zu übertreffen. Die Gaditános, wie sich die Einwohner bezeichnen, feiern seither an Karneval ein rauschendes Fest mit spanischen, lateinamerikanischen und afrikanische Rhythmen. Gesänge stehen dabei im Mittelpunkt. Die Umzüge finden an den Sonntagen vor und nach Aschermittwoch statt.

Samba olé

Samba gehört zu Rio de Janeiro, wie der Zuckerhut und die Copacabana. Der Karneval in der brasilianischen Stadt gilt als größter der Welt. Bei den Mega-Paraden treten sechs Sambaschulen mit jeweils bis zu 5.000 Tänzern an und wetteifern mit Festwagen, Kostümen und Choreografien um einen Platz in der ersten Samba-Liga. Dabei ist auch christliche Symbolik vertreten, wie die heilige Jungfrau von Guadalupe.

Verwunderlich, aber wahr: Samba können nicht nur die heißblütigen Lateinamerikaner, sondern auch kühle Norddeutsche, wie Europas größter Samba-Karneval beweist. Ausgerechnet in Bremen erwärmen hier seit 1986 heiße Rhythmen die kühle Winterluft. Rund 150 Gruppen aus Tänzern, Stelzenläufern und Maskenträgern aus Deutschland und den Nachbarländern nehmen an dem Spektakel teil.

Gruselige Gestalten

Auch in der Karibik geht es in der fünften Jahreszeit hoch her. Beim weltweit zweitgrößten Karneval auf den Karibik-Inseln Trinidad und Tobago liefern sich Esel, Gauner und Teufel ein Stelldichein. In der Kolonialzeit machte sich die Bevölkerung auf diese Weise über die Herrschenden lustig. In der Dominikanischen Republik prägen die "hinkenden Teufel" an Karneval das Straßenbild der Stadt La Vega. Hundert Darsteller schleppen sich in grellen Kostümen und mit überdimensionalen Masken durch die Gassen.

Gruselig geht es auch bei der schwäbisch-alemannischen Fastnacht zu. Ein Paradebeispiel ist die Fasnet in Rottweil, deren christliche Wurzeln im Mittelalter liegen. Beim Narrensprung am Fasnetsmontag stürmen grimmige Larven durchs Schwarze Tor der Stadt. Beim Umzug sagen sie aus einem Narrenbuch auf und berichten über die Vorkommnisse in der Gemeinde.

Gruselige Masken sind eines der Markenzeichen der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Orangen statt Kamelle

Der Karneval im belgischen Binche gehört seit 2003 zum Weltkulturerbe. Die Männer des Dorfes verkleiden sich als so genannte Gille. Dazu tragen sie aufwendige Kostüme, eine weiße Maske aus Wachs, Holzschuhe und einen zehn Kilogramm schweren Hut aus Straußenfedern. Sie ziehen durch die mittelalterliche Stadt in Wallonien und werfen rund 40 Tonnen Orangen ins Volk.

Orangen spielen auch an den Faschingstagen im italienischen Ivrea bei Turin eine wesentliche Rolle. Am Karnevalssonntag steigt in den Straßen der Stadt eine riesige Apfelsinenschlacht mit insgesamt 3.000 Teilnehmern. Die Vitaminbomben hinterlassen dabei nicht nur ein klebriges Chaos auf den Straßen, sondern sorgen jedes Jahr auch für Verletzte. Das Spektakel geht zurück auf das frühe 19. Jahrhundert und erinnert an den Befreiungskampf gegen die Besatzer Napoleons.

Sardine adé

Während sich die Italiener mit Orangen bewerfen, tragen die Narren im spanischen Murcia eine Sardine zu Grabe. Was im Kölner Karneval der Nubbel - eine Strohpuppe, die am Abend vor Aschermittwoch verbrannt wird -, ist hier ein riesiger Fisch aus Pappmasche, der von einer schwarz gekleideten Trauergemeinde zum Festplatz eskortiert und dort unter lautem Wehklagen verbrannt und beerdigt wird.

Den gleichen Brauch findet man auch auf Teneriffa. Die Insel steht zur Karnevalszeit Kopf und die wildesten Feiern finden in der Hauptstadt Puerto de la Cruz statt - mit farbenfrohen Umzügen und besonderen Spezialitäten. Ein kurioser Höhepunkt ist hier das Stöckelschuh-Wettrennen der Männer. In eine ähnliche Richtung gehen die Inselnachbarn auf Gran Canaria, die neben einer Karnevals- und einer Kinderkönigin auch eine "Drag-Queen" küren. Früher war diese Verkleidung auf der katholisch geprägten Kanareninsel verboten.

Späteste Fastnacht der Welt

Gleich zwei Orte beanspruchen das Prädikat der weltweit spätesten Fastnacht für sich. Im wallonischen Stavelot feierten die Einwohner bereits im Mittelalter nicht am Rosenmontag, sondern am Rosensonntag und damit vier Wochen später - mitten in der Fastenzeit. Ende des 15. Jahrhunderts war auch die Kirche mit von der Partie. Dann verbot ein Abt den Mönchen mitzufeiern. Aus Solidarität gehen die Narren seither in Kutten und mit langen roten Nasen als "Weiße Mönche" beim Umzug mit.

Ebenfalls am Laetare findet die "Groppenfastnacht" mit großem Umzug im schweizerischen Ermatingen am Bodensee statt. Es ist eine Mischung aus Fischer-, Frühlings- und alemannischem Fastnachtszug. Ein mittelalterlicher Papst stiftete einst die närrische Feier in der Fastenzeit. Angeführt wird der Zug von König Gropp, einem gekrönten Fisch, der Frösche, Fischer und Wassertiere im Gefolge hat.

Linktipp: Karneval für Anfänger

Küsschen und Kamelle - der Karneval hat seine eigenen Traditionen. Wer sie nicht kennt, versteht nicht viel. Die Caritas in Köln hat Migranten kurz vor Weiberfastnacht in einer eigenen Karnevalssitzung die jecken Bräuche nähergebracht.

Von Janina Mogendorf