Vor 1.800 Jahren wurde der antike Religionsstifter Mani geboren

Sogar Augustinus war mal Manichäer

Aktualisiert am 14.04.2016  –  Lesedauer: 
Antike

Bonn ‐ Der Manichäismus erlebte in der Spätantike für wenige Jahrhunderte eine Blüte. Prominentester Anhänger der dualistischen Lehre war der spätere Kirchenvater Augustinus. Vor 1.800 Jahren wurde der antike Religionsstifter Mani geboren.

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Im Alter von zwölf Jahren hatte Mani seine erste Vision: Er glaubte, mit einem "himmlischen Zwilling" zu sprechen, der ihn unterwies. Nach einer zweiten Vision fühlte er sich berufen, ein Apostel zu werden und eine eigene Kirche zu gründen. Sich selbst bezeichnete er als "Manichäus", als "Apostel Jesu Christi". Im Alter von 24 Jahren verließ Mani seine Gemeinde und trat mit einer eigenen, synkretistischen Religion - dem Manichäismus - hervor.

Er vermischte darin Elemente der christlichen Lehre mit der des Zarathustra und Buddhas - ein Grund, dass Mani später in der christlichen Kirche als Häretiker angesehen wurde. Seine dualistische Lehre basierte auf der Idee eines kosmischen Kampfes der widerstreitenden Kräfte von Gut und Böse, von Geist (Gott) und Materie, von Licht und Finsternis. Aufgabe des Gläubigen ist es, das Böse in der Welt zu erkennen und im Kampf zu überwinden.

Der große Konvertit
Bild: ©jorisvo/Fotolia.com

Vor seiner Bekehrung zum Christentum war auch der spätere Kirchenvater Augustinus neun Jahre lang fasziniert von dieser Lehre.

Diese spätantike, vom Gedankengut der Gnosis beeinflusste Lehre versteht sich als Vollendung aller bislang existierenden Religionen: Zoroastrismus, Buddhismus und Christentum. Mani sah sich als letzten Propheten nach Siddhartha Gautama Buddha und Jesus. Denn im Lauf der Zeit sei deren Botschaft verfälscht worden; allein Manis Lehre zeige den Weg zur Erlösung und entspreche der ursprünglichen Verkündigung. Dieses Verständnis ist im übrigen nicht einzigartig: Heute gilt den Muslimen Mohammed als das "Siegel der Propheten"; auch die Bahai-Religion hält sich für die aktuelle Zusammenfassung aller Weltreligionen.

Missionsreisen nach Indien und Persien

Missionsreisen führten Mani zunächst nach Indien, dann nach Persien. Der damalige Herrscher Sapur I. erlaubte es dem jungen Religionsstifter, im ganzen Reich - einem Vielvölkerstaat - zu predigen. Auch der folgende Herrscher war ihm wohlgesonnen, und er durfte seine Verkündigung zunächst fortsetzen. Allerdings wendete sich das Blatt, als die zoroastrische Gegenpartei an Einfluss gewann - auch auf den Herrscher. Der bestellte Mani schließlich ein und ließ ihn verhaften. An den Folgen der Haft soll er 276 oder 277 gestorben sein; an anderer Stelle heißt es, Mani sei gekreuzigt worden. Viel mehr ist über sein Leben nicht bekannt.

Obwohl seine Lehre in Persien unterdrückt wurde und deren Anhänger verfolgt wurden, dehnte sich der Manichäismus im 3. und 4. Jahrhundert bis nach Indien und Spanien aus, bald auch nach Syrien, Palästina und Ägypten. Letzteres wurde im 4. Jahrhundert eine Hochburg des Manichäismus. Von dort aus verbreitete er sich weiter über Nordafrika und den Nahen Osten nach Süd- und Osteuropa.

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Vor seiner Bekehrung zum Christentum war auch der spätere Kirchenvater Augustinus neun Jahre lang fasziniert von dieser Lehre. An den Schriften der Bibel störte ihn die einfache Sprache. Er glaubte, im Manichäismus seine intellektuellen und religiösen Bedürfnisse besser stillen zu können. Durch die Begegnung mit dem heiligen Ambrosius sah er die Heilige Schrift aber in einem neuen Licht. Nach einer Glaubenskrise ließ er sich taufen. Er verfasste nun viele Streitschriften, in denen er unerbittlich gegen verschiedene seinerzeit herrschende Irrlehren wie den Manichäismus ankämpfte und die katholische Glaubenswahrheit bekräftigte.

Im Römischen Reich konnte sich die spätantike Religion nicht lange halten. Schon 297 hatte der römische Kaiser Diokletian die Verfolgung der Manichäer angeordnet, die unter den christlichen Kaisern fortgesetzt wurde. Im 4. Jahrhundert wurde - nicht zuletzt durch Augustinus' Wirken - der Manichäismus als Ketzerei angesehen und stieß auf wachsenden Widerstand. Im 6. Jahrhundert befand er sich bereits wieder im Niedergang. Länger konnte sich der Manichäismus in Zentralasien halten, avancierte gar 762 zur Hofreligion des Uigurenreiches. Auch in China hatte er fast bis in die heutige Zeit hinein Anhänger.

Von Angelika Prauß (KNA)