Es sei wichtig, den Blick über den europäischen Tellerrand zu werfen, sagte die Kanzlerin weiter. "Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen oder der Druck der Migration wird weiter zunehmen", so die CDU-Politikerin. Zudem sei der Beitrag, den die europäischen Länder bei der Aufnahme von Flüchtlingen leisteten, im Vergleich etwa zu den syrischen Nachbarstaaten "überschaubar".
Zugleich würdigte Merkel das Engagement der Caritas bei der Betreuung und Integration von Flüchtlingen. "Das, was in der Caritas geleistet wird - das gilt für die Hauptamtlichen genauso wie für die Ehrenamtlichen -, ist vorbildlich", sagte sie. "Wir hätten das nicht geschafft, wenn es nicht so viele zupackende Hände gegeben hätte. Deswegen herzlichen Dank, für das, was Sie geleistet haben und jetzt noch leisten."
Marx: Faire Verfahren für Flüchtlinge
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, appellierte an die Kanzlerin mit Blick auf die Flüchtlingspolitik, dass "eine sichere Grenze nicht bedeute, dass wir sicher vor den Armen sind", sondern, dass die Armen sicher vor Krieg und Verfolgung sind. Auch an der europäischen Grenze, seien "wir nicht aus unserer Verantwortung entlassen", so Marx. Zudem müsse jeder Flüchtling, "der zu uns kommt, ein faires Verfahren haben".
Darüber hinaus hob Marx die Flüchtlingshilfe und den demografischen Wandel als wichtige Schwerpunkte caritativen Engagements in Gegenwart und Zukunft hervor. "Diese Handlungsfelder fordern die Caritas heraus, die sich von Gottes Barmherzigkeit her versteht", so der Kardinal. Die Kirche in Deutschland zeige mit ihren Pfarreien, Verbänden und den caritativen Einrichtungen, dass sie ein wichtiger Knotenpunkt der Zivilgesellschaft sei. "Diese Akzeptanz der Kirche und ihr Engagement gehören zu einer freien und offenen Gesellschaft." Und er fügte hinzu: "Die Kirche ist ohne Caritas nicht Kirche."
Caritas-Präsident Peter Neher betonte mit Blick auf die Zuwanderung, dass sich diese Entwicklung auch positiv auf Deutschland auswirke. Zwar sei die Integration "kein Sonntagsspaziergang", sagte er. Deutschland werde von den Kompetenzen und Qualifikationen vieler Flüchtlinge profitieren.
Caritas als konstruktiver und unbequemer Gesprächspartner
Neher erklärte weiter, viele könnten nicht so schnell, wenn überhaupt, in ihre Heimat zurückkehren. "Sie werden unsere Sprache lernen, Kindertagesstätten und Schulen besuchen, einen Arbeitsplatz finden, Steuern zahlen, sich in Vereinen engagieren. Sie werden anfangen, sich hier heimisch zu fühlen", so Neher. Mit Blick auf die Debatten zur Flüchtlingspolitik sagte er, dass die Caritas "immer wieder ein konstruktiver aber auch ein unbequemer Gesprächspartner sein wird, wenn es um asylrechtliche oder integrationspolitische Fragen geht".
Zu den Teilnehmern bei dem Empfang gehörten auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU), die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, der Linken-Fraktionsvorsitzende, Dietmar Bartsch, der Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sowie der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer. (bod/KNA)
Themenseite: Auf der Flucht
Die Flüchtlingskrise fordert Staat, Gesellschaft und Kirchen mit ganzer Kraft heraus. Auch die katholische Kirche in Deutschland engagiert sich umfangreich in der Flüchtlingsarbeit. Weitere Informationen dazu auf der Themenseite "Auf der Flucht".
Zur Themenseite