"Gott ist niemals ein Trend"
Nach Glaubenszeugnis: Lady Gaga diskutiert mit katholischer Internetseite

"Gott ist niemals ein Trend"

Stars - Lady Gaga diskutiert mit einer katholische Internetseite: Was ist von Prominenten zu halten, die öffentlich ihren Glauben zeigen? Die Sängerin tut es selbst und verweist auf die Bibel und Jesus.

Von Agathe Lukassek |  Bonn - 11.05.2016

Der Hintergrund: Am Sonntagabend hatte Lady Gaga auf Facebook, Twitter und Instagram ein Bild gepostet, das sie mit einem Priester im Restaurant ihres Vaters zeigt. Sie dankte dem Geistlichen für seinen Besuch zum Mittagessen und besonders für seine Predigt, die "wie immer wunderschön" gewesen sei. Lady Gaga zitierte einen Satz daraus: "Ich war heute sehr gerührt, als Sie sagten: 'Die Eucharistie ist kein Preis für die Vollkommenen, sondern die Speise, die uns Gott gibt'".

Das Posting zeigt Wirkung bei den knapp 140 Millionen Menschen, die der Sängerin und Songwriterin in den Sozialen Netzwerken folgen. "Ich habe seit Jahren nicht die Eucharistie empfangen, weil ich mich unrein gefühlt habe - aber  deine Botschaft veränderte jetzt, wie ich über mich und das Leben denke. Gottes Segen!", bedankt sich ein Fan auf Facebook. Eine Frau bestärkt diesen Mann, das Sakrament der Beichte zu empfangen und dann zur Kommunion zu gehen. Ein weiterer ergänzt: "Zeit für einen Neubeginn" und wieder andere versuchen, dem Mann eine mögliche Angst vor der ersten Beichte nach langer Zeit zu nehmen.

Neben Freude auch Kritik am Lebensstil der Künstlerin

Neben Dank an Lady Gaga, der Freude für dieses christliche Bekenntnis und eigenen Glaubenszeugnissen fanden sich aber auch vereinzelt Kritiker. Sie verwiesen auf den Lebensstil von Prominenten in Los Angeles sowie auf exzentrische und erotische Szenen in den Musikvideos der Sängerin.

Maria Magdalena

Nach dem Lukasevangelium (Lk 7,36-39) weinte eine Sünderin auf Jesu Füße, trocknete sie dann mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit kostbarem Öl. Diese Frau wurde in der kirchlichen Tradition häufig mit Maria Magdalena gleichgesetzt - auch Lady Gaga tut dies in ihrem Posting auf Instagram.

Die Seite "Catholic Link" veröffentlichte daraufhin den Artikel "Fünf Dinge, an die man denken sollte, wenn Promis ihren Glauben verbreiten". Die Website, die hauptsächlich von Studenten aus Lateinamerika, England und den USA bestückt wird, bietet Texte und Videos für die Neuevangelisierung unter jungen Menschen an. Neben praktischen Tipps etwa zum Marienmonat Mai finden sich auf "Catholic Link" auch Anregungen, über religiöse Andeutungen in populären Kinofilmen und in der Popmusik nachzudenken und ins Gespräch zu kommen.

Auf Instagram postete Lady Gaga einen Screenshot des Artikels und verwies auf das Verhalten Christi gegenüber Maria Magdalena: "Eine Prostituierte. Jemand, den die Gesellschaft beschämt, als ob sie und ihr Körper der Mülleimer eines Mannes seien", schreibt sie mit Bezug auf die lange vorherrschende kirchliche Tradition, Maria Magdalena mit der Sünderin gleichzusetzen, die Jesus die Füße wusch. Jesus habe diese Frau beschützt, geliebt und habe zugelassen, dass sie über ihn weint und seine Füße mit ihren Haaren abtrocknet, so die Sängerin weiter.

Katholische Internetseite betet für Lady Gaga

Dann bezieht sich Lady Gaga direkt auf folgenden Satz von "Catholic Link": "Viele Prominente teilen Bibelzitate, zitieren Priester und singen christliche Musik während sie gleichzeitig immer noch ein typisches Hollywood-Leben führen, das frei von christlichen Werten wie Bescheidenheit und Reinheit ist". Die Künstlerin antwortet: "Wir sind nicht nur 'Promis', wir sind Menschen und Sünder, Kinder - und unsere Leben sind nicht frei von Werten, nur weil wir uns schwer tun." Den Prominenten würde gleichermaßen vergeben wie ihren Nachbarn. Mit dem Satz "Gott ist niemals ein Trend, egal wer der Gläubige ist", setzt sie einen markanten Schlusspunkt.

Die katholische Website antwortete Lady Gaga daraufhin ebenfalls auf Instagram. Ihr Kommentar sei "absolutely wonderful" und einer der bewegendsten, den sie je gelesen hätten, so die Autoren. "Wisse, dass wir dafür beten, dass die Erfahrung von Gottes Gnade in dir wachse und Frucht bringe für dich, für die Menschen die du liebst und für alle deine Follower."

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Ganz neu dürfte das Thema Glaube für Lady Gaga nicht sein: Sie hat italoamerikanische Eltern und besuchte eine katholische Mädchenschule in New York. Mit 17 Jahren begann sie ein Musikstudium, bei dem sie unter anderen Essays zu Themen wie Kunst, Religion, Soziales und Politik schrieb. Mit ihrer Mutter gründete sie 2012 eine Stiftung, die Jugendlichen bei Mobbing helfen soll, sie spendet große Beträge für Opfer von Katastrophen und engagiert sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen.

Provokantes Auftreten und freizügige Outfits

Allerdings hat die Künstlerin einen Hang zu provokantem Auftreten und freizügigen Outfits. Im Jahr 2010 sorgte das Video zu ihrem Lied "Alejandro" für Kritik bei einigen US-Katholiken, weil sie in einer Szene eine Art Nonnenkostüm aus Latex trägt und einen Rosenkranz in den Mund nimmt. Den Vorwurf der Blasphemie wies Regisseur Steven Klein zurück: Die Szene solle Lady Gagas Wunsch darstellen, das Heilige in sich aufzunehmen, erklärte er damals.

Um solche Kontroversen oder polemische Reaktionen ging es "Catholic Link" offenbar in den "Fünf Dingen" gar nicht: Vielmehr geht die kurze Liste darauf ein, dass ein Christ Stars weder idealisieren solle noch höhere Standards als von sich selbst erwarten solle. Da Prominente großen Einfluss vor allem auf Jugendliche hätten, empfiehlt die Seite, deren Glaubensäußerungen als Einstieg zu Gesprächen über den Glauben zu nutzen. Und zu guter Letzt empfehlen sie ein Gebetsverhalten, wie es Papst Franziskus vormacht: "Betet für eure Lieblingsstars und denkt daran, dass wir alle Sünder sind! Wenn ihr die Chance habt, sie von Angesicht zu Angesicht zutreffen, dann bittet sie, auch für euch zu beten!"

Von Agathe Lukassek