Die Kirche ist von Wassermassen umgeben.
Überschwemmungen in Lourdes verursachen Millionenschäden

Heiligtum in Schieflage

Lourdes - Frankreichs Staatspräsident Hollande hat sich in die Katastrophenregion rund um das Marienheiligtum Lourdes begeben. Es gibt noch keine Zahlen über die entstandenen Schäden, aber eine Befürchtung.

Paris - 22.06.2013

Noch viel höher stieg diesmal das reißende Wasser des Flüsschens Gave de Pau, das in Lourdes eine Engstelle passiert. Und anders als beim letzten Mal floss es auch in die riesige unterirdische Basilika "Pius X.", wo sonst Gottesdienste für mehrere tausend Pilger gefeiert werden. Das Pumpensystem wurde der Wassermassen, die durch tagelangen Starkregen und massive Schneeschmelze in den Bergen durch den 16.000-Einwohner-Ort rasten, nicht mehr Herr.

Das ablaufende Wasser gibt erst allmählich frei, was es angerichtet hat. Sicher ist, dass in dem aufgeweichten Boden viele Wege unterspült wurden. Nun muss untersucht werden, inwiefern die Fundamente der höhergelegenen Bernadette-Basilika aus dem 19. Jahrhundert intakt sind, wo normalerweise die Gottesdienste der Kranken gefeiert werden. Ganz zu schweigen von den Unterbauten der Pilgerbassins direkt an der Mariengrotte, die zeitweilig komplett unter Wasser stand.

Besorgniserregende Zahlen

Die Zahlen, die kursieren, klingen besorgniserregend. Bürgermeister Jean-Pierre Artiganave sprach am Donnerstag davon, dass die Schäden vom vergangenen Oktober von 12 bis 15 Millionen Euro allein im Privatsektor seiner Stadt diesmal noch größer seien.

Viele zerstörte Gegenstände, darunter auch Marienstatuen, stehen am Straßenrand

Jetzt geht es ans Aufräumen: Bürgermeister Jean-Pierre Artiganave befürchtet, dass die Schäden vom vergangenen Oktober von 12 bis 15 Millionen Euro allein im Privatsektor seiner Stadt diesmal noch größer seien.

Dabei hat Lourdes mit seiner Attraktivität als Wallfahrtsort ein Pfund, das viele andere verwüstete Ortschaften der Umgegend nicht haben. Nach der Katastrophe von 2012 gingen von ehemaligen Lourdes-Pilgern weltweit mehrere Millionen Euro an Spenden zum Wiederaufbau ein. Und schon am Mittwoch, dem Tag nach Einbruch der Katastrophe, lancierte die Leitung des Heiligtums bereits einen neuerlichen Solidaritätsappell, um die Reparaturarbeiten finanziell stemmen zu können.

Im Südwesten Frankreichs kamen durch die Unwetter drei Menschen ums Leben; rund 5.000 Personen mussten in Sicherheit gebracht werden. Viele Straßen der Umgegend waren wegen der Schlamm- und Wassermassen unpassierbar.

30.000 unerklärliche Heilungen

Der Marienwallfahrtsort, in dem 1858 einem Hirtenmädchen über mehrere Monate die Gottesmutter Maria erschienen sein soll, ist mit sechs Millionen Besuchern jährlich das größte Wallfahrtsziel Frankreichs. Die Hoteldichte ist die landesweit höchste nach Paris. Bereits 1937, 1979, 1982 und im vergangenen Oktober gab es hier starke Überschwemmungen.

Lourdes zieht Jahr für Jahr Hunderttausende Kranke und Behinderte an. Seit 1858 sind mehr als 30.000 unerklärliche Heilungen gemeldet, von denen die Kirche 67 offiziell als Wunder anerkannt hat. "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist", meinte einmal Israels Staatsgründer David Ben Gurion. Für die kommenden Wochen ist aber erst einmal viel Handarbeit für die Aufräumarbeiten gefragt.

Von Alexander Brüggemann (KNA)