Der neue Limburger Bischof steht vor großen Herausforderungen

Bätzings Baustellen

Aktualisiert am 02.07.2016  –  Lesedauer: 
Bistum Limburg

Limburg ‐ Die Katholiken in Limburg dürften mit Spannung verfolgen, wie ihr neuer Bischof Georg Bätzing nach seinem Amtsantritt die Baustellen in der Diözese angeht. Katholisch.de nennt vier wichtige Herausforderungen.

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Auf den neuen Limburger Bischof Georg Bätzing warten große Aufgaben. Die Katholiken in der gebeutelten Diözese dürften mit Spannung verfolgen, wie der 55-Jährige nach seinem Amtsantritt die Baustellen im Bistum angeht. Katholisch.de nennt die vier wichtigsten Herausforderungen für den neuen Bischof.

Führungsstil und Vertrauen

Der Führungsstil von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst war umstritten. Einige Kritiker sprachen nach dessen Rücktritt gar von einer "Atmosphäre lähmender Angst". Der Apostolische Administrator Manfred Grothe, der das Bistum seit dem Rücktritt Tebartz-van Elsts kommissarisch leitet, hat deshalb von Anfang an auf Dialog gesetzt. Nach den Turbulenzen der Tebartz-Jahre wollte Grothe gemeinsam mit seinem Vertreter Wolfgang Rösch einen Prozess der Heilung und Versöhnung in Gang setzen. Ziel war es, Ruhe in das Bistum zu bringen und Vertrauen zurückgewinnen. Unter anderem wurde deshalb ein Sorgentelefon eingerichtet, bei dem betroffene Mitarbeiter des Bistums ihren Kummer loswerden konnten.

Auf diese vertrauensbildenden Maßnahmen wird Georg Bätzing als neuer Bischof aufbauen können. Wichtig wird es für den 55-Jährigen vor allem sein, die Gläubigen künftig stärker in Entscheidungen einzubinden. Das dürfte dem bisherigen Trierer Generalvikar jedoch nicht allzu schwer fallen. Gerade erst ist in Trier die erste Diözesansynode seit einem Vierteljahrhundert in Deutschland zu Ende gegangen. Dort hatte sich Bätzing dafür ausgesprochen, "das synodale Prinzip stark zu machen", bei dem jeder gefragt sei und mitgestalten könne. Dies könnte auch für Limburg der richtige Weg sein.

Bild: ©KNA

Die Kostenexplosion beim Bau des neuen Limburger Bischofshauses brachte Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst letztlich zu Fall.

Nutzung des Bischofshauses

Die Kostenexplosion beim Bau des Bischofshauses brachte das Fass in Limburg 2014 zum Überlaufen und kostete Bischof Tebartz-van Elst letztlich das Amt. Zu dem Gebäudekomplex gehören neben der bischöflichen Wohnung unter anderem eine Privatkapelle, Konferenzräume und Gästezimmer (hier finden Sie ein Video und eine Bildergalerie über das Bischofshaus). Anfang vergangenen Jahres öffnete das Bistum den Komplex erstmals für die Öffentlichkeit, seitdem gab es zahlreiche Führungen durch die Bischofswohnung. Dies sollte nach Aussage der Diözese "ein erster Schritt zur Entmystifizierung und Entzauberung des Hauses" sein.

Gleichzeitig mit der Öffnung des Hauses wurde ein Konzept zur Zwischennutzung mit Bildungs- und Kulturveranstaltungen vorgelegt. Diese Überlegungen dürften mit der Ernennung von Georg Bätzing nun jedoch obsolet sein. Der neue Bischof muss bald nach seinem Amtsantritt neu und verbindlich entscheiden, wie das umstrittene Ensemble künftig genutzt werden soll.

Linktipp: Georg Bätzing wird Bischof von Limburg

Das Bistum Limburg hat nach einer mehr als zweijährigen Sedisvakanz einen neuen Bischof. Der bisherige Trierer Generalvikar Georg Bätzing wird Nachfolger von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Transparenz bei den Finanzen

Als eine Reaktion auf das viel kritisierte Finanzgebaren von Bischof Tebartz-van Elst legt das Bistum inzwischen regelmäßig einen Finanzbericht vor - und wird dafür selbst von Kritikern gelobt. In den Berichten - der bislang letzte Bericht wurde im Juli vergangenen Jahres veröffentlicht - listet die Diözese detailliert ihr Vermögen auf. Demnach wies die Bilanz der Körperschaft "Bistum Limburg" Ende 2014 ein Volumen von rund 967 Millionen Euro auf; davon waren 802 Millionen Euro im Anlagevermögen des Bistums gebunden, um den Zielen der Diözese langfristig zu dienen.

Als weiteren Schritt hin zu mehr Transparenz wurde im Mai zudem die Vermögensverwaltung der Diözese neu geordnet. Die Neuordnung sieht als neues Gremium einen mit fünf externen Fachleuten besetzten Diözesanvermögensverwaltungsrat vor. Ebenso wie das Konsultoren-Kollegium, das sich aus den Mitgliedern des Domkapitels zusammensetzt, hat der Rat ein so genanntes Beispruchsrecht. Beide Gremien müssen also vom Bischof konsultiert werden. Wo es um zustimmungsbedürftige Angelegenheiten geht, darf der Bischof beziehungsweise der Ökonom des Bistums erst gültig handeln, wenn beide Gremien ihre Zustimmung erteilt haben. Diese Regelung soll Machtmissbrauch verhindern. Es ist davon auszugehen, das Georg Bätzing diesen Weg hin zu mehr Transparenz weitergehen wird.

Georg Bätzing
Bild: ©Bistum Trier

Steht vor großen Herausforderungen: Georg Bätzing, bisher Generalvikar im Bistum Trier, wurde am Freitag von Papst Franziskus zum neuen Bischof von Limburg ernannt.

Umbau des Bistums

Die alte Pfarrei hat ausgedient - auch im Bistum Limburg. Bereits Bischof Tebartz-van Elst hatte 2008 den Startschuss für eine Neuausrichtung der Seelsorge und damit auch für neue Strukturen in der Diözeses gegeben. Unter Administrator Grothe ging der Reformprozess weiter und wird auch noch einige Zeit andauern. Bis 2019 sollen aus den ehemals rund 340 Pfarreien im Bistum 45 neue Seelsorgeeinheiten werden. Diese "Pfarreien neuen Typs" will das Bistum als "vielfältige Netzwerke mit verschiedenen Knotenpunkten" verstanden wissen.

Heißt konkret: Es sollen nicht einfach nur mehrere kleine Pfarreien zu einer Großpfarrei zusammengelegt werden. Vielmehr sollen sich die verschiedenen Orte kirchlichen Lebens in einer Stadt oder Region - neben der Pfarrei zum Beispiel auch kirchliche Kindertagesstätten, Hospize oder Einrichtungen der Caritas - sinnvoll vernetzen und Kirche für die Menschen sicht- und erlebbarer machen. Die "Pfarreien neuen Typs" sind nicht unumstritten. Wichtig wird deshalb sein, dass der neue Bischof den laufenden Reformprozess konsequent mitträgt und bei den Gläubigen für den Umbau des Bistums wirbt.

Von Steffen Zimmermann