Kallistus (Calixtus)

Kallistus' (217-222) kirchenpolitische Widersacher erzählten über die Vergangenheit ihres Gegner Folgendes: Er sei ursprünglich Sklave eines christlichen Herrn namens Carpophorus gewesen, dessen Geld er bei Finanzspekulationen verloren habe. Daraufhin sei er zur Zwangsarbeit in sardinischen Schwefelminen verurteilt worden. Erst drei Jahre später sei Kallistus freigelassen worden – ausgerechnet auf Fürsprache Marcias, der christlichen Geliebten des Kaisers. Ob die Gerüchte stimmen, ist unklar, denn es existieren keine anderen Quellen über Kallistus' Vorleben. Klar ist, dass er aus sozial niedrigen Verhältnissen stammte und 217 Bischof von Rom wurde. Konservative Kreise reagierten empört: Kallistus galt nicht nur als besonders lebensfroh, sondern wurde von vielen der Irrlehre und Laxheit beschuldigt. Es kam zur ersten schismatischen Aufstellung eines römischen Gegenbischofs. Tatsächlich führte Kallistus aufsehenerregende Änderungen ein: So ließ er etwa reuige Mörder zur Kommunion zu, akzeptierte Eheschließungen zwischen Sklaven und Freien oder gestattete Wiederverheiratung nach Tod eines Ehepartners. Einer späteren Legende zufolge starb Kallistus als Märtyrer.